Vorschlag

Alles auf Null

Seit fast 28 Jahren muss ich mir dieses unwürdige Gewürge und Gehampel mit der „deutschen Einheit“, der „Wiedervereinigung“ angucken.

Gezwungenermaßen. Gefragt wurde ich nicht. Gefragt wurde 1990 von den „Wessis“ keiner.

Die meisten „Ossis“ wollten nicht gefragt werden, die wollten die „DM“, die wollten Konsumtempel, Reisefreiheit und ansonsten sollte alles so bleiben, wie es war, nur ohne Mauer, ohne SED und ohne „Stasi“.

Verständlich, nach 40 Jahren grauer Tristesse, Massenüberwachung, Bespitzelung, IM-Scheiße, geringer bis keiner Auswahl bei Lebensmitteln und jedweden anderen Konsumartikeln, dafür bis zu eine Dekade Wartezeit auf ein Fortbewegungsmittel, wie den „Trabi“ oder gar den Wartburg.

Die „Ossis“ wussten nichts vom „Westen“, vom Kapitalismus.

Bis auf „das Tal der Ahnungslosen“ in und um Dresden, weil dort kein Westfernsehen zu empfangen war, glaubte der Rest der DDR, sie wüssten alles über das „wahre Paradies der Freiheit“, den „goldenen Westen“ und wollten nichts schneller und sehnlicher, als das sie dieses „gelobte Land“ endlich gegen ihr überdrüssig gewordenes „Paradies der Werktätigen“ eintauschen konnten.

Helmut Kohl war 1990 im Osten Deutschlands nicht bekannt, weder seine Politik noch seine Persönlichkeit.

Deshalb jubelten ihm die „Ossis“ monatelang zu. „Helmüd, Helmüd“ skandierten sie bei jedem seiner Auftritte minutenlang und dem dicken Pfälzer gefielen diese Schmeicheleien, die er nur noch von sehr viel früheren CDU-Parteitagen kannte und seitdem schmerzlich vermisst hatte.

Die Ossis kannten auch nicht den Dr. Schäuble, den Juristen und damaligen „Kronprinzen“ Kohls, der den „Einigungsvertrag“ führend mitgestaltete und seinem ostdeutschen Pendant eigentlich nur diktierte.

Sie kannten damals Typen wie Prof. (Gastprofessur, zugeschustert von einem „Bekannten“) Kurt Biedenkopf nicht, den sollten die Sachsen aber bald kennen lernen, als ihren ersten Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen.

Sie wählten „König Kurt“ auch wieder, weil sie zu blöde waren, zu erkennen das dieser Typ nur ein „Privatisierer vor dem Herrn“ war und sächsischen Landesbesitz verramschte.

„König Kurt“ war mit besten Verbindungen zu westdeutschen Baulöwen ausgestattet, denen er nach den massiven „Wahlkampfhilfen“ dicke Aufträge zuschanzte und auch sonst sein Amt ausführlich, auch privat missbrauchte.

Aber das waren die Sachsen vielleicht noch von „früher“ gewohnt, das kannten sie, deshalb wählten sie ihn und seine Partei immer wieder.

Die Wessis waren auch im Freudentaumel, „Deutschland, einig Vaterland“, sie dankten ihrem „Kanzler der Einheit“ in ausgelassener Nationalbesoffenheit ausgiebigst.

Mahnende, skeptische Stimmen aus allen Gesellschaftsschichten wurden abgebügelt, niedergebrüllt. Springer half, die BILD trommelte. So laut, das die Mehrheit der West-Trottel die dreisten Lügen von Union, FDP, westdeutscher Wirtschaft und den Medien tatsächlich zu glauben begannen: „Kost alles nix.“

Lafontaine führte 1990 bei den Bundestagswahlen für die damalige SPD, als deren Kanzlerkandidat, Wahlkampf.

Und sprach unermüdlich die Wahrheit an, das diese „Veranstaltung“ nämlich doch, auf Jahrzehnte hinaus, sehr viel kosten würde.

Er wollte sogar die DDR-Wirtschaft und deren Arbeitnehmer schützen, regte auf Jahre hinaus eine „Sonderwirtschaftszone Ostdeutschland“ an, zum Schutz der meist veralteten, nach westlichem Verständnis unrentablen Betriebe und deren Beschäftigten.

Denn Lafontaine wusste um die Pläne der westlichen Sanierer und Geschäftemacher.

Die Ossis wussten davon nichts, brüllten dafür nach der „DM“: „Kommt die D-Mark nicht zu uns, kommen wir zur D-Mark!“

Und Onkel Helmut gab ihnen die „D-Mark“, gegen den Rat aller Sachverständigen, gegen den Protest des damaligen Bundesbankpräsidenten, der diesen Plan als „wirtschaftlichen Wahnsinn“ bezeichnete.

Denn Onkel Helmut stand auf der Kippe, seine dritte Wiederwahl war vor November 1989 eigentlich so gut wie ausgeschlossen. Dann kam ihm, völlig unerwartet, Gorbatschow zu Hilfe, der allen Ballast des gescheiterten Experimentes „Sozialismus, Kommunismus“ nur noch los werden wollte. Um noch irgendwie „Mütterchen Russland“ zu retten.

Kohl war ein gewiefter politischer Taktiker, ergriff „seine persönliche Chance“, log „was das Zeug“ hielt und sprang nach der Bundestagswahl 1990 von seinem „politischen Sterbebett“.

Lafontaine war völlig chancenlos.

Gegen die Dummheit der Wähler, deren Nationalbesoffenheit und gegen leere Versprechungen kommt niemand an. Weil Lafontaine auf die „Ratio“ der Wähler setzte.

* * *

Da stehen wir also nun, seit bald 28 Jahren „Einigkeit“.

Die Ossis bekamen die D-Mark, konnten theoretisch reisen, wohin sie wollten und wurden praktisch arbeitslos gemacht. „Zum Ausgleich“ sind die Löhne im Osten Deutschlands seit 28 Jahren immer noch niedriger als im Westen.

Dieser Zustand wurde auch mit Hilfe der „Gewerkschaften“ betoniert.

Die ostdeutschen Betriebe wurden sodann, in einer affenartigen Geschwindigkeit, weit unter Wert verramscht. Das besorgte die „Treuhand“.

Dabei ging es keinem der Beteiligten um den Erwerb veralteter, unproduktiver Produktionsanlagen, sondern meist nur um den Grundbesitz der Kombinate, der VEBs und LPGs, der Staatsbetriebe und -verwaltungen, der SED-Partei.

Die „DDR“ wurde gründlichst filetiert, ausgeraubt, gefleddert, dann im Armengrab verbuddelt.

Die Wessi-Wirtschaft, die Wessi-Besitzenden holten sich die Ost-Pralinen für „nen Appel und nen Ei“, wie es ihnen zugesagt worden war. Und wie sie es gefordert hatten.

Die Kosten für den Abriss der fast vollständig maroden Infrastruktur, für den „Neuaufbau“, die verblieben beim Pöbel in West und Ost. Hierzu ein Wikipedia-Eintrag „Kosten der deutschen Einheit“.

Irgendwann betitelte der damals bereits politisch obskur gewordene „Spiegel“ eine seiner Print-Ausgaben etwa so: „50 Milliarden jedes Jahr – Wo sind sie geblieben?“

Sicher, weder die „Ossis“ haben von der „ganzen Kohle“ etwas direkt gesehen, die „Wessis“ schon mal gar nicht. Denen fehlte all dieses Geld für deen eigene Infrastruktur. Mit ein Grund, warum z. B. Gelsenkirchen heute teilweise wieder so aussieht, wie im Mai 1945.

Natürlich war die „Einheit“ für die meisten Bürger in Ost und West persönlich ein gigantischer Reinfall.

Erst recht, nach dem Schröder sein Verständnis von „Sozialpolitik“ dem Verständnis der Bertelsmannstiftung angepasst hatte und Frau Merkel diesen Ball ab 2005 dankbar für das Kapital aufnahm und begeistert weiter spielte.

OK, klagen und jammern hilft jetzt auch nicht weiter.

Ihr im Osten tragt nicht an allem Schuld, die meisten „Schieflagen“ haben unsere Westpolitiker zu verantworten, die ihr allerdings fleißig mitgewählt habt.

Nur, bei euch im Osten, da schwappt die „braune Scheiße“ viel stärker in viel mehr Köpfen, als das zur Zeit noch im Westen der Fall ist. Behaupte ich mal. Aber dieses Verhältbis ist auch nur noch eine Frage der Zeit, ganz sicher.

Angefangen hat das im Osten mit Rostock-Lichtenhagen, schon im August 1992. Rassenhass, Nazigegröle, Jagd auf Ausländer.

All das hat bei euch, „da drüben“, nie ein Ende gefunden, bis heute nicht. Aktuell tobte sich der braune Mob in Chemnitz an bis jetzt 2 Wochenenden aus.

Sicher ist das auch „politisch gewollt“, der Bürger soll Angst bekommen, nach mehr Sicherheit schreien, damit die marktradikale Politik noch mehr Bürgerrechte einschränken kann.

Dresden, der Pegida-Müll, steht dauernd in den „Schlagzeilen“.

Die AfD soll nach neuesten Umfragen in Sachsen, im „Lichte von Chemnitz“ bereits zweitstärkste „Partei“ geworden sein, nur wenige Prozente von der schwarz-braunen CDU entfernt.

Angeblich sollen viele Chemnitzer sich gar nicht so sehr über den braunen Mob echauffiert haben, man präferiert immer noch deutlich mehr die Ablehnung von Ausländern und quatscht sich den öffentlich zelebrierten Rassenhass schön, mit Verweis auf „die Zustände auf den Straßen“.

Sachsens Polizei, seine Justiz haben sich mittlerweile den Ruf als „brauner Hort“ redlich verdient.

Ein Beamter der Justiz fotografiert (Smartphone sei Dank) mal eben einen Haftbefehl mit allen möglichen Daten aller bis dahin Beteiligten und stellt es rechten Gruppierungen, zur illegalen Veröffentlichung zur Verfügung.

Thüringen mit dem „NSU“, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Meck-Pomm, alle „neuen Bundesländer“, die „Beitrittsgebiete“ haben sich verstärkt den Rechten, den national-völkischen Blut- und Bodentheoretikern, dem Rechtsradikalismus zugewandt.

Ihr aleine habt nicht nur ein „eigentümliches Demokratieverständnis“, wie euch das der Tübinger Politologe Ulrich Eith am 31.08.18 attestierte, genau das findet man auch wieder vermehrt im Westen Deutschlands.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind NUR im Marktradikalismus zu finden, also bei allen Politikern, die seit 1998 daran mitgewirkt und verdient haben.

Und den bescheuerten Wählern, die diese Leute immer wieder in „Amt und Würden“ gehievt haben.

Das Schweizer Außenamt gibt schon Reisewarnungen nach Deutschland für Schweizer Bürger heraus. Deutschland sei „zwar nach wie vor als sicher“ einzustufen, aber man sollte als Schweizer Bürger in Deutschland tunlichst „größere Menschenansammlungen meiden“.

Na gut, solch ein Warnhinweis ist eigentlich schon lustig, zumal die deutschen Steuerhinterzieher doch immer noch selbst zur Schweizer Bank ihres Vertrauens fahren, um anonyme Nummernkonten zu eröffnen, Bankauszüge abzuholen, „neue Schwarz-Kohle nachladen“. Es wird wohl eher die Seltenheit sein, das ein Schweizer Bankier seine Kunden an deren deutschen Wohnort aufsuchen muss.

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (mit lang betontem ersten „e“) sucht den Bürgerdialog, walzt dann ausführlich medial aus, wie „wichtig“ der „Bürgerdialog“ sei, zu reden, zuzuhören, beruhigen, das Vertrauen der Bürger in „die Demokratie“ (wieder, erstmals?) zu festigen. Warum jetzt erst?

Consuela Schwesig, Lars Klingbeil (beide spd) machen Selfies in Chemnitz, bestens abgesichert durch ihre zahlreichen „Personenschützer“, twittern von „klare Kante gegen Rechts“ und machten sich rechtzeitig wieder „vom Acker“, bevor der Mob am Samstag/Sonntag wieder „auftrat“.

Auch Giffey, (Osten, spd, Bundesministerin für „Gedöns“) schlug in Chemnitz auf, legte Blumen am Sterbeort nieder, „verharrte minutenlang in Trauer“, vermeldete die Presse.

Inwieweit man sich von diesem politischen „Posing“ beeindrucken lassen will, überlasse ich jedem selbst.

* * *

Nein, ich bin absolut sicher, „reden“ bringt nichts, den „Dialog suchen und führen“ mit Rechten, mit rechtsextremen und aufgeputschten Gewalttätern, ist völlig sinnlos.

Gegen Rassenhass argumentieren zu wollen, ist aussichtslos.

Gegen Dummheit ankommen zu wollen, ist aussichtslos.

Das hatte auch Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945 im KZ Flossenbürg) erkannt und dazu folgendes niedergeschrieben:

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt.

Gegen die Dummheit sind wir wehrlos.

Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch – und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden.

Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht.

Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen.

Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.

Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen. So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse. Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und daß dieser nun – mehr oder weniger unbewußt – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Mißbrauchs. Dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können. Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen. In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, daß wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen, zu wissen, was »das Volk« eigentlich denkt, und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist – immer nur unter den gegebenen Umständen. Das Wort der Bibel, daß die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei (Psalm 111, 10), sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist. Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch dies Tröstliche für sich, daß sie ganz und gar nicht zulassen, die Mehrzahl der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.

Quelle: Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hrsg. von E. Bethge. TB Siebenstern. Gütersloh 1985. S. 14 f.

Soweit die klugen und wahren Worte des Theologen und Widerständlers Bonhoeffer, der für seine Überzeugungen von den Nazis im KZ ermordet wurde.

Daher mein Vorschlag, damit dieses, nun bereits 28 lange Jahre währende und mittlerweile nur noch peinliche Missverständnis „Wiedervereinigung“ endlich beendet werden kann:

  • Wir teilen uns wieder, die „Beitrittsgebiete“ treten wieder aus, am besten mit sofortiger Wirkung.

  • Ihr könnt alles behalten, was wir euch bisher hingestellt haben.

  • Es wird nichts aufgerechnet, nachgekartet oder nachberechnet.

  • Auch Berlin verbleibt komplett dem alten, neuen „Osten“, damit verbleiben Regierung und Ministerien bei euch, denn wir brauchen die nicht mehr. Und „schwupps“, ist Frau merkel wieder im Osten und da bleibt sie auch.

  • Wir, der Westen schicken Euch, dem Osten, noch alle unsere Rechtsradikalen, die Faschos, Neo-Nazis, alles was wir an „Kameradschaften“, „Bünden“, „Wehrsportgruppen“ und wie die sich so nennen, finden und zusammenkehren und abliefern können.

  • Dazu, weil ihr auf Rechts, national, völkisch, Blut- und Bodentheorien steht, bekommt ihr auch unseren Rest von „Rechts“ gratis dazu, nämlich alle West-Mitglieder aus CSU, CDU, AfD, NPD usw.

  • Und weil ihr auf alles Extreme steht, schicken wir euch die ganze marktradikale Mischpoke aus FDP, spd, Grünen, der PdL, Banker, Vorstände, BWL’ern, VWL’ern, Unternehmensberatern, Vermögensverwaltern, Presse, eben alles was irgendwie marktradikal, neoliberal unterwegs ist.

  • Ihr kriegt auch den kompletten „Verfassungsschutz“, die meisten Richter und Staatsanwälte habt ihr ja schon, siehe Umsiedlung von westlichen Parteibuchinhabern.

  • Wenn ihr all diese „Frühaussiedler“ übernommen habt, wird die gemeinsame Grenze wieder „gesichert“, diesmal auf unsere Kosten, auf unserem Gebiet und viel höher als „damals“. Die Kosten für den Bau, die Instandhaltung, etc. werden von uns getragen. Es wird allerdings keine „Türen“ geben, keine Übergänge. Nichts, nur Stahlbeton und NATO-Draht.

  • Von da an macht jeder wieder sein „eigenes Ding“.

  • Handel kann irgendwann, viel später oder auch gar nicht über Container-Terminals auf neutralem Gebiet (Ostsee, Tschechien) abgewickelt werden.

Ihr könnt dann bei euch, „drüben“ eine neue NSDAP gründen, übernehmt wieder die Gesetze ab 1933, druckt wieder die D-Mark oder direkt die Reichsmark.

Gauland, Höcke, von Storch können dann eure Staats-Troika bilden. Nehmt den Bachmann noch dazu, dann habt ihr noch eine Quadriga.

* * *

Wir, im Westen müssen dann erst mal wieder für Ordnung sorgen.

Zunächst dem originären Grundgesetz der Bundesrepublik wieder Geltung verschaffen.

Da drin sind so viele gute Sachen geschrieben worden und zwischenzeitlich einfach beiseite gefegt worden, vergessen worden, geändert worden, das es in Teilen zunächst überarbeitet werden muss, um danach für eine richtige Verfassung herhalten zu können.

Darin wird dann auch das Thema „sozial“ verfassungsrechtlich besonders behandel.

Die Pflicht zu SOZIALEM Handeln wird für Staat und Bürger fest verankert, sie bekommt eine unumstößliche, nicht veränderbare gesetzliche Bedeutung.

Die Bürger werden wieder dazu angehalten, das sie als Angehörige dieses Staates, die Akzeptanz der Herrschaft des Staates nicht mehr durch Resignation postulieren müssen, sondern durch aktive Mitarbeit selbst gestalten, durch eine aktivierende Demokratie, die von Diskussionen, Zustimmung oder Ablehnung getragen wird.

Den Reichen bei uns muss wieder beigebracht werden, was „sozial, Gesellschaft“ bedeutet.

Kurze Vorträge über die tatsächliche Bedeutung von „das Primat der Politik“ und „unternehmerische Risiken“ sollten ausreichend sein.

Diese Vorträge werden solcherart ausgestaltet sein, das die kurzen, aber prägnant vorgetragenen Aussagen wahrhaftig wieder verstanden und respektiert werden.

* * * *

Der erste Teil dieses Textes stellt den Versuch dar, eine kurze historische Übersicht zur „Wiedervereinigung“ zu skizzieren, sie ist allerdings recht lückenhaft und dazu noch sehr persönlich gefärbt.

Der zweite Teil, die erneute Trennung in „West und Ost“, soll Satire darstellen, zugegebenermaßen von einer gewissen persönlich empfundenen Hilflosigkeit und politischen Ohnmacht getrieben.

Sie ist auch als sarkastische Polemik in Richtung „Rechts“, AfD-Wähler und gegen passive „Verständnis-Bürger“ gerichtet.

Es ist auch der Versuch mit Sarkasmus über Chemnitz und all die anderen Orte zu schreiben, in denen Rechtsradikale die Versammlungsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung für kriminelle Taten, gegen Menschlichkeit und Recht, aber für Faschismus bisher ausnutzten und weiter ausnutzen werden.

Eeinfach weil sie gelassen werden, weil der marktradikale Staat dessen Behörden und die Vielzahl der „nach rechts gerückten Bürger“ an wirklicher Rechtsstaatlichkeit augenscheinlich kein Interesse mehr haben.

Vermutlich „Rechtsstaat“ mit rechtsgerichtetem Faschismus gleichsetzen.

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Passend zum Thema, möchte ich noch einen Link zur Rationalgalerie, zu Uli Gellermanns neuestem Beitrag anbieten: „Sie schaffen Deutschland ab. Wegen Unfähigkeit geschlossen“

Gellermann kann wirklich Satire, das erkenne ich neidlos an. Ebenso neidlos erkenne ich seine Fähigkeit an, Fakten über deutsche Politik in gnadenlose Kritik zu verwandeln.

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Bis dann…

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