Alexander Dobrindt

Was er wirklich sagen wollte

war: „Bürgerliche Revolution!“

Zunächst, das was Wikipedia als Begriffsklärung anbietet, hat Herr Dobrindt nicht meinen können, weil er nicht weiß, was der Begriff bedeutet.

Sein Internet ist zu langsam und sein Begriffsvermögen steht der Geschwindigkeit seines Internetzugangs ungefähr gleichwertig gegenüber.

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Zunächst müssen dem nicht-bayrischen Leser einige Besonderheiten nahe gebracht werden, um Herrn Dobrindt, die CSU und Bayern besser zu verstehen. Nicht sprachlich, zunächst nur die sozialen Besonderheiten, die den Freistaat zum Freistaat werden ließen.

Herr Dobrindt ist Bayer, genauer Oberbayer, noch genauer gebürtiger Markt Peißenberger, welches im Landkreis Weilheim-Schongau liegt, eine der vielen ländlichen Gegenden Bayerns.

Er ist seit 1995 Diplom Soziologe (Ludwig-Maximilian-Universität München) und CSU-Parteimitglied seit 1990.

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Bayern ist ein traditionsreiches Land, überwiegend ländlich, sehr ländlich. Dort hat man den Schulterschluss von gelebten Traditionen und der Moderne geschafft, indem man die Moderne einfach ausblendet.

In Bayern wird laut gesprochen, zuweilen ist die Wortwahl derb bis deftig, eigentlich immer. Das liegt an den weit auseinanderliegenden menschlichen Ansiedlungen, in Bergtälern verborgen, von hohen Bergen umsäumt.

Die Bewohner der einzelnen Bergtäler bleiben meist unter sich, vermehrten sich unter sich und nur dann und wann musste Kommunikation mit dem Nachbartal aufgenommen werden. Dies war anstrengend, mühsam, kräfte- und zeit zehrend. Üblicherweise begab sich ein Bote auf die Bergspitze, brüllte von dort aus eine kurze Nachricht hinunter in das benachbarte Ausland.

Man nutzte das Echo als Verstärker, konnte aber aus Gründen der Qualitätserhaltung die Nachrichten nur kurz fassen.

Daraus entwickelte sich die noch heute gültige Form bayrischer Kommunikation, wenige, derbe Worte, mit lauter Stimme vorgetragen.

Herr Dobrindt ist zudem CSU-Mitglied und verdankt diesem traditionsbewussten Verein ein genügsames finanzielles Auskommen.

Das die Mitgliedschaft in der CSU nur eine Verlegenheitslösung gewesen sein soll, weil die bayrischen Ableger der italienischen Mafia um die 1990er Jahre einen Anstellungs- und Ausbildungstop, aufgrund eines Überangebotes qualifizierter Bewerber aussprechen musste, ist ein Gerücht, dem an dieser Stelle kein weiterer Vorschub geleistete werden soll.

Herr Dobrindt ist mittlerweile zu einem weiß-blauen Hoffnungsträger mutiert, ein Bayer in Berlin, dem nicht ausschließlich nur daran gelegen ist, die von ihm verehrte „deutsche“ Automobil- und Versicherungswirtschaft zu bevorteilen.

Nein, er ist auch ein eloquenter, wortgewandter Botschafter des politisch traditionsbewussten Bayerns, im Sinne eines Edmund Stoiber und so vieler aufrichtiger Größen, die Bayern dem deutschen Reich der Bundesrepublik bereits geschenkt hat.

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Mittlerweile, seit September 2017 ist Herr Dobrindt der Vorsitzende der bayrischen Landesgruppe im Deutschen Bundestag, ein eminenter Posten innerhalb der CSU, sitzt er doch den heuer 46 CSU-Abgeordneten vor, die fern der Heimat im grauen, tristen Berlin tapfer die bayrische Staatsfahne hoch halten.

Die sich immer jedes Jahr an einem ganz bestimmten Datum im Januar in bayrischer Heimatluft zu einer Klausurtagung treffen. Diesmal hat Herr Dobrindt die Gästeliste erweitert, internationalisiert. Als Mann von Welt lud er Victor Orban und Greg Clark ein, zwar keine direkten CSU-Mitglieder, aber in den Augen des Herrn Dobrindt illuster und für würdig befunden.

Der Link führt zu einem recht unterhaltsamen Artikel über diese CSU-Tagung in der Frankfurter Rundschau, vom 4.1.2018.

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Eine Klausurtagung muss auch ein Leitthema vorzeigen können.

Herr Dobrindt hat dazu „Die bürgerliche Revolution“ auserkoren.

Wir erinnern uns: Bayern pflegen eine laute und kraftvoll deftig-derbe Konversation, pflegen zudem Traditionen, wie u. a. Wirtshausprügeleien und dezibelstarke Bierzeltzusammenkünfte.

Dazu muss oftmals auf einen geringeren, als sonst allgemein üblichen Wortschatz bei den bayrischen Adressaten Rücksicht genommen werden. Nicht selten vergisst der eloquentere Bayer, diese Regeln bei Gesprächen mit Nicht-Bayern NICHT anzuwenden.

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Nun, Herr Dobrindt hat einen Text (ob selbst geschrieben oder ausarbeiten lassen, ist nicht von Belang) im Springer-Blatt „Die Welt“ (Vorstandsvorsitzender Matthias Döner und rein zufällig ebenfalls Gast bei o. e. Klausurtagung) veröffentlicht.

Um was geht es?

Um ganz normale Ansprüche der CSU, die in derb-deftige Forderungen eingebettet wurden.

Und die überhaupt nicht so gemeint sind.

Denn es geht um eine zeitlich sehr begrenzte Revolution, eigentlich nur um die Zeit von 08:00 bis 18:00 Uhr, entweder am 7. oder 14. Oktober 2018. Dann werden vermutlich die 18. bayrischen Landtagswahlen abgehalten.

Von 180 Sitzen hält die CSU derzeit 101 Posten, und die sind aller Voraussicht nach gefährdet. Nicht alle aber immerhin. Wegen der AfD, die bisher noch nicht im Landtag sitzt, aber im September 2017, bei der Bundestagswahl erheblich vom herben Stimmenverlust der CSU profitierte.

Das soll und darf nicht bei der Landtagswahl passieren.

Schließlich handelt es sich beim bayrischen Landtag, bei der bayrischen Regierung und beim bayrischen Staat um eine organisch und historisch gewachsene, traditionsreiche Inzestveranstaltung.

Seit Anbeginn der CSU-Zeitenrechnung (also ab Okt. 1945) wurden gefestigte Amigo-Verbindungen, wirtschaftlich gesunde Korruption und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Kapital und CSU-Mitgliedern gepflegt, aufgebaut und zu einer Blüte geführt, die ihresgleichen sucht.

Dieser „bayrische Garten Eden“ muss weiterhin vom Gärtner CSU gehegt und gepflegt werden. Nur dort weiß man, was getan werden muss, nur dort ist volksnahes, bestens geschultes Personal vorhanden.

Die „bürgerliche Revolution“ des Herrn Dobrindt soll nur die politischen Verhältnisse in Bayern weiterhin bei 56% für die CSU halten, eher noch mehr Sitze für die vielen altgedienten Parteifreunde heraus holen, die bisher noch nicht berücksichtigt werden konnten. Da liegt noch so viel Potenzial in Bayern brach, das es schon wieder eine Schande ist.

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Seien wir also alle nachsichtig mit Herrn Dobrindt. Er meint es nur gut, mit sich selbst, der CSU, Bayern und der Wirtschaft.

Und er will keine Revolution, weder von links, noch von rechts.

Er muss nur etwas sagen, weil er zum Landesgruppenvorsitzenden gemacht wurde. Und weil er seinen Beitrag leisten will, um so viele verirrte Schafe auf die Weiden der CSU zurück zu führen.

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Ist halt etwas unangenehm für den Rest der Republik, erst Kampfgebrüll wegen der BTW und dann, sofort im Anschluss weiteres und lauteres CSU-Kampfgebrüll wegen der anstehenden LTW Bayern.

Und dann, dann schaun‘ mer mal. Gibt ja noch EU, Trump, Ausländer, Flüchtlinge und Hartz IV.

Bis bald…..

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