Brasil – não desistir, Venezuela – ¡No desistiré!

Brasilien, Venezuela – nicht aufgeben!

Selten genug darf ich noch Tage erleben, an denen ich fast schon fröhlich gestimmt werde.

Am 28. April 2017 war so ein Tag.

Ich las die NachDenkSeiten, den Bericht von Frederico Füllgraf Brasilien – Machtvoller Generalstreik fordert Temer-Regime zur Kraftprobe heraus“

* * * * *

Nicht nur, dass es einigen brasilianischen Gewerkschaftsverbänden gelungen ist, nach einem Jahr eines parlamentarischen Putsches, durchgeführt von skrupellosen Reichen, der gegen Dilma Rousseff und gegen den allergrößten Teil der 220 Millionen Brasilianer gerichtet war, einen 24-stündigen Generalstreik zu organisieren.

Das alleine ist schon eine gewaltige organisatorische Aufgabe, ebenso ist es bemerkenswert, das die neoliberalen Drecksäcke um Temer davon tatsächlich überrascht wurden, das auch die international aufgestellten „Investoren“, die Brasilien ausrauben wollen (im Neusprech: Privatisierung), kalt erwischt wurden.

Nun haben Gewerkschaften, Kirchen (!) und viele andere Verbände eine Struktur geschaffen, die es vermutlich jederzeit wieder erlaubt, diesen Generalstreik zu wiederholen, ihn sogar auszudehnen.

Natürlich müssen die führenden Köpfe der Organisatoren jetzt aufpassen, sie werden um ihr Leben, ihre Unversehrtheit und Freiheit fürchten müssen, denn die Gegenseite um Temer und der Citigroup werden alles tun, um diese Strukturen wieder schnell und effizient zu zerschlagen.

Eine Aufgabe, der sich die Mord- und Schlägertrupps der brasilianischen Polizei, Militärpolizei und etlicher anderer „Regierungsbehörden“ ohne zu Zögern, rasch annehmen werden.

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Citigroup? Eine Bank aus den USA?

Ja, Herr Füllgraf berichtet eingehend über den Einfluss, die Absichten und das Gebaren dieser „Bank“, die von einem Raubritter namens Charles R. Johnston, Generaldirektor für Regierungsangelegenheiten der Citigroup, deren „Brasiliengeschäft“ leiten lässt.

Die Brasilianer haben es kapiert, sie warten nicht auf „Wahlen“.

Gewerkschaften verstehen sich dort tatsächlich als Vertreter der Arbeitnehmer, im Gegensatz zum DGB und dessen Einzelorganisationen, deren Vorstände es vorgezogen haben, ausschließlich gegen ihre zahlenden Mitglieder zu arbeiten und im Verein mit einer „sozialdemokratischen Sozialministerin“ die Bürger Deutschlands im weiter, immer mehr und immer schneller zu entrechten und verarmen zu lassen.

Die Brasilianer, ebenso die Anhänger der venezolanischen sozialistischen Regierung, wollen ihren internationalen und nationalen Gegnern keine weitere Zeit geben, damit diese den Ausverkauf, den Raub ihrer Länder weiter durchziehen können.

In Venezuela müssen die Menschen ihre Regierung sogar vor einem Putsch durch „Investoren“, CIA, NGO’s und faschistisch ausgerichteten einheimischen Kapitalisten schützen. Und damit sich selbst.

Die Brasilianer haben Temer und seine korrupte, geldgierige Bande nicht einmal wählen können. Ob die Umfragen stimmig sind, die sagen, das die Zustimmung für Temer aktuell bei nur 9% in Brasilien liege, weiß ich nicht.

Zuallererst sind solch niedrige Werte aber ein sicheres Zeichen dafür, das dieser Schmock keinerlei Legitimation zum Regieren hat, nie hatte und schon gar keinen Rückhalt in der Bevölkerung genießt.

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In Deutschland liegt die Sache natürlich völlig anders.

Hier glaubt die überwiegende Mehrheit der Wähler immer noch an demokratische Verhältnisse, eine faire und unabhängig funktionierende Justiz, einen funktionierenden, gerechten Parlamentarismus, ehrliche Politiker. Einen um Ausgleich und Gerechtigkeit bemühten staatlichen Verwaltungsapparat. Und handzahme Kapitalisten

Das die deutsche Justiz Urteile pro Neoliberal, pro Kapital sprechen muss, weil ihr die Parlamente genau solche Gesetze in deren vielzählige Fibeln schrieben, das blendet der Deutsche aus.

Deshalb gibt es hierzulande auch keine Mehrheit, von einer breiten, überwiegenden Mehrheit ganz zu schweigen, für Streiks und Massendemonstrationen.

Generalstreiks sind sowieso, aus gutem Grund, unzulässig. Warum wohl?

Ja dann, dann können wir auch nichts machen, ist ja Gesetz. „Vorschrift ist Vorschrift“

Gegen was sollten die Deutschen denn auch protestieren?

Sie glauben doch fest daran, Alles sei gut.

Sie bekommen doch gar nicht mit, wie sie, ihr Leben, ihre Existenz an die „Investoren“ bereits verscherbelt wurde und weiterhin wird.

Es gibt ja auch keine nennenswerte, gut organisierte, solidarische Opposition, die wurde vom Kapital gründlich plattgemacht. Bzw. sie hat sich plattmachen und kaufen lassen (spd, Teile der PdL, DGB, Einzelgewerkschaften, usw.).

Es gibt zwar die Freidenker, die Individualisten, auch noch, meist unabhängige, Journalisten, auch kritische Wissenschaftler aus allen Fachbereichen, Menschen, die sich generell kritische Gedanken machen, die kritische Bücher schreiben, aber nicht auf den Gedanken kommen, sich politisch zu organisieren.

Eine wählbare Alternative zu neoliberal, zum Kapitalismus aufzubauen und anzubieten.

Es gibt fast keine wirkungsvoll neutral ausgerichteten Medien mehr, die zunächst nur informieren wollen, anstatt zu beeinflussen. Die Meinungen tatsächlich noch als Meinungen kennzeichnen und nicht als Nachrichten verkaufen.

Es gibt zu wenig politisch interessierte und kompetente Bürger, die das Internet zu einer ausgeglichenen Informationssuche nutzen wollen.

Um zu verstehen, warum es Austerität, Altersarmut, Hartz IV, Niedriglohnsektor gibt. Warum Wohnen zum Luxus geworden ist.

Wer hinter BlackRock, Vanguard, Citigroup, Rothschild, ExxonMobil, Bayer, Siemens et al steckt.

Was diese Leute machen. Warum sie das machen, was sie machen. Und wie sie es machen.

Warum immer mehr Staaten seit 1990 entgegen dem Völkerrecht destabilisiert wurden und werden.

Warum die NATO eigentlich als völkerrechtswidrige, terroristische Vereinigung von der UN eingestuft werden müsste, es aber nicht wird.

Warum die UN und ihre zahlreichen Unterorganisationen ein machtloser, lächerlicher Papiertiger, ein hochbezahlter Debattierclub wurde, wer das geplant und durchgeführt hat.

In wessen Interesse es liegt, die UN zu einem Dauertreffen egomanischer Eliten aus allen Ländern dieser Welt herabzusetzen.

Zu viele Leute bleiben bei Fuckbook oder Twitter hängen, bei „Likes“ und Clicks, degradieren sich zum „Follower“ irgendwelcher Stars und Sternchen, kotzen viel zu oft unsäglich dämliches Zeug in Kommentarspalten. Rechtschreibung und Satzbau: „Drauf geschissen“!

Gossip, Mode, Katzenvideos, Wohlfühlprosa, tausende Texte zur eigenen Beziehungsunfähigkeit, Tatort, DSDS, Dschungelcamp, „Bauer sucht Frau“ et al sind die bevorzugten „Angebote“, die Sedativa, zu denen der „aufgeklärte, verantwortungsvolle und mündige Bürger“ kapitalistischen, neoliberalen Zuschnitts gerne greift.

Weil die Deppen sich dann über Volldeppen amüsieren können.

Weil Voyeurismus und Schadenfreude ihren Sieg über Solidarität und Empathie, dank des Egoismusprinzips des neoliberalen Kapitalismus, schon längst eingefahren haben.

Man wird sich ja wohl auch noch mal entspannen dürfen, mal die Seele baumeln lassen dürfen!“

Natürlich, entspann Dich ruhig. Entspannung ist ungeheuer wichtig, wenn dein Hals schon in der Schlinge steckt und Du Dein Gleichgewicht auf dem dreibeinigen Stuhl zu halten suchst.“

* * * * *

Halten Sie mich nicht für naiv, einen trotteligen Weltverbesserer, ein Alt-Stalinisten oder was ihnen sonst noch so in den Sinn kommt.

Auch ich weiß, das die Regierungen von Lula da Silva und Rousseff korrupt waren, das die sinnlosen Geldverschwendungen für WM 2014 und Olympische Spiele 2016 nur die Spitze der durchgängigen Korruption, Vorteilsnahmen und schmutzigen Deals brasilianischer Wirtschaftseliten, Beamten und Politikern der PT sind.

Auch ich weiß, das Venezuelas Regierung, Beamte und deren „Eliten“ keinesfalls eine „reine Weste“ haben.

Nur, diese neoliberalen „Brücken in die Zukunft“, die müssen nicht auch noch sein.

Weder in Brasilien, Venezuela Chile, Argentinien, noch in Deutschland, UK, den USA (hier sind sie allerdings bereits gebaut worden), der EU (der Bau ist bereits weit fortgeschritten, aber noch nicht in allen Abschnitten fertig gestellt), Asien, Afrika, oder am Südpol.

Dagegen muss ein breiter und tragfähiger Widerstand aufgebaut und ausgeübt werden.

Wenn das Kapital, die Besitzenden dieser Welt ihre politische Einflussnahme mit Geld, „Gesetzen“, Regime-Changes und gekauften Politikern überall durchsetzen kann und will, dann bleibt den Nicht-Besitzenden nur noch die Straße und zwar nicht um dort ihr Leben dauerhaft neu einzurichten, sondern zur Veränderung der bestehenden neoliberal geprägten wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse.

Brasilianer und Venezolaner wollen diesen Weg gehen und sie wissen, das dieser Weg vor allem das Leben vieler armer Menschen kosten wird.

Deutsche wollen diesen Weg nicht gehen.Er ist zu mühevoll und irgendwie riecht das alles nach „ungesetzlich“.

Die Franzosen werden bald, nach dem 7. Juni 2017, ihre Dummheit bedauern und sich auf den Straßen lautstark versammeln, Ausnahmezustand hin oder her, davon bin ich überzeugt. Auch, weil sie erkennen werden müssen, dass sie sich vermutlich vieles mit Jean-Luc Mélenchon hätten ersparen können, was mit Macron jetzt auf sie, unweigerlich, zukommen wird.

Ich wünsche mir, das die Brasilianer und die Venezolaner den internationalen Finanzpiraten (Investoren) nachhaltig den Stinkefinger zeigen werden. Das dieser Kampf eine Signalwirkung für ganz Lateinamerika haben wird.

Das ein solcher Funke nach Deutschland überspringen könnte, ist frommes Wunschdenken, kompletter Unsinn.

In diesem Land wird nur dann marschiert, wenn es „die Regierung“ anordnet. Dann aber gründlich und auch nur im Ausland. So sind wir eben. Und das stimmt mich dauerhaft traurig.

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