Die Klempner von der spd

Gas, Wasser, Scheiße – Ein Vergleich mit dem Schulz-Effekt

Vergleiche „hinken“ – sei’s drum, dann werde ich jetzt mal „hinken“. Nicht zum ersten Mal, sicher auch nicht zum letzten Mal.

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Ich beschäftige mich ja nicht nur mit den alltäglichen politischen Irrsinnigkeiten, die der neoliberalen Idee von der vollständigen wirtschaftlichen Verwertbarkeit jedes Menschen geschuldet sind.

Ich habe wesentlich mehr Interesse an humanen Formen des gesellschaftlichen Miteinanders, die nicht durch vollständige Habgier gesteuert sind.

Einerseits versuche ich mir darüber klar zu werden, warum sich immer wieder eine große Masse von Menschen von wenigen anderen Menschen komplett verarschen lässt, immer wieder rassistischen, völkischen Schreihälsen hinterher läuft, immer wieder denen folgt, die immer wieder gegen die Interessen dieser Mehrheit arbeitet.

Dieses, eigentlich irrationale, Abhängigkeitsverhältnis hatte ich bereits mehrmals mit „Macher TM“ und „Nicht-Macher TM versucht zu beschreiben.

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Die Hysterie um den 61-jährigen Messias der spd, seine Heiligkeit, Martin dem Einzigen hält an, derzeit keine Anzeichen für ein „Abebben“ des „Gefühls-Tsunamis“, den Schulz und seine Wahlstrategen ausgelöst und befeuert haben.

Das alles lässt mich zweifeln, am politischen Verstand der „mündigen Bürger und Wähler“, an den Ansichten dieser Menschen, generell an deren Anforderungen, Einstellungen und Gedanken zum menschlichen Leben, zu gesellschaftlichen und sozialen Fragen und zu den Aufgaben eines funktionierenden Staatswesens, nicht nur im Sinne von funktionierender Verwaltungsarbeit, sondern auch im Sinne eines gerechten und fairen Schutzes von Minderheiten, von Verfolgten, von Armen, von Schwachen, von Kranken, von Senioren und Kindern.

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Ich weise gerne nochmals auf die Bezeichnung „politisch in/kompetente Bürger“ hin. Diese weit verbreitete Inkompetenz ist auch ein Resultat der parlamentarischen „Demokratie“.

Es geht hier nicht darum „eine politische Meinung“ zu haben, diese vertreten zu wollen und manchmal auch gekonnt vertreten zu können.

Die parlamentarische „Demokratie“ lässt wirkliche politische Kompetenz bei der Mehrheit der Bürger nicht zu, denn die Bürger werden bewusst von Prozessen der politischen Willensbildungen ausgeschlossen.

Nicht nur Volksbefragungen, also das „Plebiszit“ ist in Deutschland ausgeschlossen, viel weiter und tiefer gehende direkte Beteiligungen der Bürger an politischer Arbeit, in Kommunen, Kreisen ist nicht vorgesehen, sondern wird ausschließlich von Berufspolitikern wahrgenommen, die sich alle paar Jahre wieder zur Wahl stellen.

Das Ausmaß der Verflechtungen und Beziehungen dieser Politiker zur Wirtschaft, deren tatsächliche Abhängigkeiten von der Wirtschaft, ist fast keinem „Wähler“ bekannt.

Er/sie soll es auch gar nicht wissen, er/sie soll sich entscheiden, zwischen DEM oder DER, zwischen DENEN oder JENEN.

Damit erschöpft sich das Ausmaß der zugestandenen, bewilligten politischen Kompetenz der Bürger.

Der „Rest“ wird von den „Erwählten“, den Berufspolitikern erledigt. Und so benehmen sich große Teile der viel zu oft „wieder Erwählten“ mittlerweile auch.

Ein besonderes, bundesdeutsches parlamentarisches Schmankerl sind dabei die große Zahl der „Listenplätze“, siehe hier. Der Link zeigt die Zusammensetzung des jetzigen Bundestages. 630 Plätze bietet der Reichstag zu Berlin, davon sind 332 Listenplätze, also Plätze die von den Parteien besetzt werden, für deren bevorzugte Politiker.

Die spd schoss den Vogel ab, sie hat 193 Sitze, davon nur 58 direkt gewählte Abgeordnete, dafür aber 135 Listenplätze, also Personen, die durch ihre Partei zum MdB erhoben wurden, weil dies die „Zweitstimme für eine Partei“ so legitimiert.

Den prozentualen Anteil von Listenplätzen (also die Sitze für all die strammen, verlässlichen Parteisoldaten, die keinen Wahlkreis erobern müssen, sondern ihre Wichtigkeit „für die Partei“ nur innerhalb ihrer Partei durch unermüdliche Grabenkämpfe beweisen) kann durch den bekannten Dreisatz ermittelt werden. Na gut: 52% LP zu 48% DM.

Für wen ist das wichtig? Unter anderem, bestimmt für die Wirtschaft, für die Lobbyisten, die Schmierenden, die Beeinflussenden, die „Macher TM“. Dieses System vereinfacht deren Bemühungen um Einflussnahme und die Bemühungen zur Durchsetzung von deren Interessen.

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Zum Klempnervergleich.

Schulz äußert „Gefühle“, spricht in vagen Äußerungen über „Korrekturen der Agenda 2010“, absolut nichts Konkretes, nichts auf das man diesen Wackelpudding „festnageln“ könnte.

Der „INSM“ läuft bereits heiß, ergeht sich in ganzseitigen Anzeigen, warnt vor „Rückwärts-Rollen“, vor den 1990-er Jahren.

Dr. Merkel hat ihre asoziale Sicht- und Denkweise bereits sehr früh, sehr klar und deutlich geäußert: „Agenda gut, Schröder großer Staatsmann“.

Hätte sie nicht extra gemusst, die 11.1/2 Jahre mit ihr, Schäuble und v.d. Leyen waren mir Beweis genug, was diese Frau, ihre Partei und ihre Wähler von sozial, human etc. halten.

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Etliche gefragte Bürger halten DEN Martin für „authentisch“. Aha!

Na gut, wenn man in die Lage kommt, das irgend ein Heini einem ein Mikrofon vor die Fresse hält und fragt, was man den glaube, warum Der Martin einen solchen Erfolg habe und wenn man man dann auch noch von sich selbst verlangt, stante pede etwas Sinniges rauszukloppen, möglichst noch mit Fremdwort, dann kommt eben so etwas wie „Authentisch“ (dt.: „echt“, „den Tatsachen entsprechend“) heraus.

Der „echte, den Tatsachen entsprechende“ Martin hat, so erscheint es mir, eine neue (oder vielleicht doch nur tief verschüttete) Sehnsucht der Deutschen geweckt.

Die Sehnsucht nach „ein kleines bisschen Sozial“. In Anlehnung an Ralph Siegels Komposition „Ein bisschen Frieden“

Das darf es vielleicht jetzt doch wieder sein, vermutlich vor allem bei all denen, die jetzt zwischen 40 und 50 angekommen sind und sich allmählich durch Neoliberal direkt und persönlich gefährdet sehen.

Denen Hartz-IV ganz konkret, in der näheren Zukunft, droht. Und Altersarmut, trotz lebenslangen Buckelns, Schuftens, Malochens, für meist beschämende Löhne, begleitet von gewerkschaftlicher Seite gefeierten „Lohnerhöhungen“, die nicht einmal mehr einen Inflationsausgleich darstellen.

Vielleicht sind diese Einsichten auch bei einigen Nicht-BWL-/VWL-, Jura-Studenten angekommen, die nach den üblichen Prüfungsorgien fast nur noch in unbefristete, dafür unbezahlte Praktika seit so ungefähr 18 Jahren, geschubst werden.

„Vorsprung durch Bildung“?

Nein. seit 1998 lautet das Motto: „Vorsprung nur noch durch Papas Geld und Verbindungen.“

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Also, ein klein wenig Sozial, so „wie früher TM“, vor Rot/Grün, vor 1998?

Das soll der Martin und die spd plötzlich jetzt wieder verkörpern, darstellen, „abliefern“?

Die Leute, die das glauben, kommen mir vor wie eine Familie, die seit 100 Jahren immer wieder den gleichen Klempnerbetrieb mit Reparaturen, Installationen beauftragte, weil der Ur-Opa das auch schon so gemacht hat.

Zwischendurch war der Betrieb mal richtig schlecht, der Chef hieß Schröder. Seine Mitarbeiter Steinmeier, Müntefering, Clement, Riester, Steinbrück, der ganze Laden wurde umgekrempelt für Großaufträge, die eigentlich sonst immer die Konkurrenzbetriebe erhielten.

Kamen sie dann doch mal zum Kleinkunden, dann waren die Schäden schlimmer als vorher.

Jetzt hat der Klempnerbetrieb einen neuen Chef, der hat „Gefühle“, darüber spricht er auch bei Akquisitionsgesprächen und die Familie atmet auf. Sie ist bereit, dem Klempnerbetrieb wieder mit Reparaturen: „bitte nichts Großes, nichts Teures – Hauptsache es hält wieder und tut’s noch ein paar Jahre“ zu beauftragen.

Die Familie hat sich an ihre Bruchbude gewöhnt, sie müsste eigentlich raus da, neu bauen, davor hat sie Angst, also hofft sie darauf, das der alte Klempnerladen doch nochmal „gute Arbeit“ für „kleines Geld“ abliefert.

Man verlangt ja eigentlich nicht viel!

Es soll doch nur alles wieder funktionieren, so wie „früher TM“. Weil die Familie glaubt, „früher TM“ hätte alles funktioniert!

Und das soll eben genau der Betrieb wieder herstellen, der die Familie in ihrer Bruchbude knapp 20 Jahre allein gelassen hat. Der nichts reparierte, sondern alles nur víel schlimmer machte

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Dieses Verhalten, diese Hoffnung, der Glaube dieser Familie ist doch irgendwie schon auch Inkompetenz, oder nicht?

Die „politische Inkompetenz“ ist nicht als Beschimpfung gemeint, sie ist nur die notwendige Beschreibung dessen, was seit Jahrzehnten, vollmundig und verlogen als die „mündigen Bürgerinnen und Bürger“ beschrieben wird.

Politische Willensbildung soll in den Parteien stattfinden. Theoretisch könnte das auch passen, aber versuchen sie mal, in eine bestehende Partei einzutreten und ihren politischen Willen durchzusetzen. Sie werden das bei Regen und Kälte an Infoständen zu irgendwelchen Wahlen durchführen dürfen.

Die Willensbildung, die sie anstreben, wird durch Mitglieder gestaltet und umgesetzt, die etliche Jahre mehr an Parteizugehörigkeit aufzuweisen haben, oder einfach die nötigen „Verbindungen“ haben.

Politische Willensbildung ist ganz und gar nicht nur auf Parteien beschränkt.

Alles und jedes unseres Lebens ist mittlerweile durch „Spezialisten“ besetzt.

Auch in der Politik. Parteien beanspruchen die Deutungshoheit über die politische Willensbildung, sie suggerieren erfolgreich, das es nur in ihren Reihen genau die „Spezialisten“ für alle politischen Angelegenheiten gäbe.

Das, mehrheitlich nie wirklich in Frage gestellte System parlamentarische „Demokratie“ ist ein Grund für diesen irrige Suggestion.

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Die andere Seite meiner Betrachtungen zum „Messias“ Schulz, zum Klempnerbetrieb spd führt mich zu deren Personal.

Von Schröder bis Gabriel hatten fast alle in diesem Traditionsbetrieb ihre jeweiligen Vorturner, mal mehr, mal weniger, gestützt, immer wieder gewählt.

Egal, wieviel Schäden die Agenda anrichtete

Die meiste Unterstützung kam dabei immer von den Mitvorständen, den Abgeordneten, von den Kreisen, die irgendwie durch ihre Stellung im Betrieb viel zu verteidigen hatten.

Die „Basis“, das Stimmvieh, zog meist mit, aus Traditionsgründen oder um „Geschlossenheit“, also zunächst mal die altbekannte „Einfältigkeit“ der Gruppe zu demonstrieren.

Plötzlich, aber nicht wirklich unerwartet, übergibt Genosse Sigmar den Staffelstab und kürt DEN Kanzlerkandidaten zur Bundestagswahl 2017, weil er wusste, das er selbst bei dieser Veranstaltung für sich und die spd alles erreichen können würde, außer seinen Ministerposten (egal was – er kann nur neoliberal) zu behalten und die spd für viel mehr Bürger wieder wählbar zu machen.

Er will und kann Sozial nicht, Nahles auch nicht, eigentlich keiner in dem Betrieb, sie haben es alle verlernt. Und verneinen es seit mindestens 20 Jahren.

Außer der Martin, der kann sich noch erinnern, damals, wie das alles mal war. Er ist ja schon 61, vielleicht deshalb. Wenn man ihm denn das auch abkaufen will.

Und ganz plötzlich ziehen alle wieder mit?

Weil, Der Martin hat denen allen nämlich „ein klein wenig sozial“ endlich mal richtig erklärt, aufgemalt, YT-Clips gezeigt.

Die sollen jetzt auch alle so tun, wenigstens bis nach der Wahl, das sie jetzt davon überzeugt sind, das das mit der Agenda doch nicht alles so gut ist, wie es seit Schröder bis Gabriel von jedem Vorsitzenden intoniert wurde.

Hätten sie doch eigentlich selbst wissen können, ein sicheres Zeichen ist immer, wenn CxU-Granden den Schröder als großen Staatsmann bezeichnen, als die CxU-Zossen den Agendaball ohne Murren aufnahmen, selbst dran strickten, die spd daran sogar noch beteiligten.

Aber Bürger und spd-Genossen wollen jetzt erst einmal gemeinsam verdrängen, das was mal war, schnell vergessen.

Gemeinsam nach „vorne schauen“. Also, natürlich nur bis nach der Wahl! So wird es die spd halten.

Die von der spd stehen dabei auf ihrer Penthouse-Dachterrasse, die meisten Bürger gucken bereits aus dem Souterrain in diese Zukunft, die als ein „klein bisschen sozial“ beschworen wird.

Nahles, nach 3.1/2 Jahren Hartz-Verschärfungen, stetiger Verminderungen der Einflussnahmemöglichkeiten von Gewerkschaften, die Stützung der asozialen Arbeitsgesetzen FÜR die Wirtschaft, kann doch „sozial“? Sie durfte bis jetzt bloß nicht? Der Mrtin hat gesagt: „Komm, Andrea, Du kannst das doch. Ich glaub‘ an Dick!“

Von der Leyen hätte nach 2013 auch das BMAS weiterführen können, ich sehe keinen Unterschied zwischen Nahles und v. d. Leyen.

Mir kommt es eher so vor, als ob die spd doch eigentlich nur auf ihren eigenen Messias gewartet hatte, der sie wieder attraktiv und begehrenswert erscheinen lässt.

Wie die „Verkaufslackierung“ für einen schrottreifen Wagen, der jetzt endlich doch noch irgendwie „vom Hof“ kann.

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Und es besteht durchaus die Möglichkeit, tatsächlich einen inkompetenten, ahnungslosen Käufer zu finden, der sich dieses „habbe-schon-lange-fertig“ Gefährt in seiner antrainierten Gutgläubigkeit andrehen lässt.

Die Chancen für den „legalized Al Capone“ (früher in den USA umgangssprachliche Bezeichnung für –>), den Gebrauchtwagenhändler stehen wirklich nicht schlecht.

Die spd wird nichts Substantielles in Richtung Sozial, fair und so weiter verändern.

Wenn die deutschen Bürger tatsächlich „Sozial“ haben wollen, dann werden sie das selbst machen müssen.

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Dabei wäre es an der Zeit, ach was bereits sehr lange überfällig, die alten, zum Überdruss bekannten Angebote nicht mehr zu beachten, sondern sich den zahlreichen, aber nicht wirklich mit Bekanntheit gesegneten Möglichkeiten der gesellschaftlichen, politischen Transformation hinzuwenden.

Noch ein Link zur FU Berlin, zum Thema „Gesellschaftliche Transformationsprozesse“.

Es lohnt sich, ist aber anstrengend, es würde auch der Bildung der politischen Kompetenz förderlich sein.

Man kann sich einlesen, einbringen, nicht alles der Wissenschaft überlassen, darauf warten, das die Wirtschaft das Thema entdeckt und für ihre Zwecke ummodelt.

Ist aber anstrengend, ich sagte es bereits.

Dann besser nicht, nicht wahr?

Bleiben wir doch lieber beim Wählen, bei CXU, spd, den Olivgrünen, den vielen Strömungen, die die PdL ausmachen, und deshalb nicht aus dem „Quark“ kommt, bei der FDP, die sind jetzt ganz bunt, aber immer noch die Steuersenker für Selbständige.

Ja, das kennen wir, dabei belassen wir es.

Besser is das!

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