Bürger mit Kenntnissen

Platon:Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.“

Was wissen die meisten Bürger

  • über Russland, über China, Indien, die USA, Lateinamerika, Afrika?

  • über die Absichten und Pläne von Donald Trump, Vladimir Putin, Xi Jinping, Narendra Modi, George Soros, den Clintons, den Kagans, den zahllosen Thinktanks auf dieser Welt?

  • über die Funktionsweise der EU, die Gremien, deren Grundlagen, Verträge, über die 28 (29?) Mitgliedsländer und deren Menschen?

  • über die Absichten und Pläne von Angela Merkel, Gabriel, Schulz, von der Leyen, den Parteien und ihren Mitgliedern?

  • über die Münchner „Sicherheitskonferenz“, deren Absichten, Pläne, warum gibt es so etwas überhaupt, was ist das?

  • über lokale Politik, Bundespolitik, über Europapolitik, über Weltpolitik, über Umweltpolitik?

Was wissen die meisten Bürger

  • über die Leute aus unterschiedlichen Bereichen, die unerkannt lenken können,

  • jene, die ihre unbekannten Absichten durchsetzen können, ohne gewählt worden zu sein, ohne überhaupt einen nennenswerten öffentlichen Bekanntheitsgrad zu haben, die die Öffentlichkeit selbst nicht suchen, alles tun, um weitestgehend unbekannt zu bleiben

Nichts! Richtig, weil es nirgendwo thematisiert wird.

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Genauso wissen die meisten Menschen wenig bis gar nichts über die Fragen im ersten Teil.

Obwohl es überall thematisiert wird, als subjektive Meinung, die den Anschein von Objektivität und die Darstellung von Fakten erwecken sollen.

Da ist der Unterschied, sehr viele Bürger glauben zu wissen, weil sie oft nur EINE subjektive Meinung konsumieren und diese Meinung sich zu eigen machen.

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Woher kommt dieser Glaube, zu wissen?

Wissen wird oft tatsächlich als subjektiv bewertet und betrachtet.

Es gibt etliche Worte, allein in der deutschen Sprache, die als Ersatz für „Wissen“ genutzt werden können. Woxikon fand 240 Synonyme für „Wissen“, in 27 Gruppen unterteilt.

Ich weiß, das ich nichts weiß“, Cicero schrieb diese Äußerung Sokrates zu, und verortete sie in „Platons Apologie“, einer Verteidigungsrede, die Sokrates als Beklagter in Athen im Jahre 399 v. Chr. in eigener Sache hielt.

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Zum Teil ist oft nur fragmentarisches Wissen, sind nur „Fragmente von Kenntnissen“ vorhanden.

Sie wurden angelesen, angelernt, gehört, dann übernommen, weil es oft auch den eigenen Vorstellungen entspricht und werden dann verinnerlicht.

Eine gewisse Bequemlichkeit wirkt dabei ebenfalls mit.

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Wissen oder Kenntnisse werden oft mit Meinung gleichgesetzt. Wegen der Subjektivität.

Eine Meinung muss nicht unbedingt auf Wissen und Kenntnissen basieren.

Meinungen sind für mich tatsächlich subjektiv gefärbte Betrachtungsweisen über alles und jedes, über Politik und so vieles mehr, das Menschen erdenken, um sich und anderen Menschen ein Korsett aus Vorstellungen, Thesen, Theorien und Gesetzen zu geben.

Meinungen können durch empirisches Wissen und Kenntnisse untermauert werden.

Es gibt eine Art von Wissen, die bestimmt nicht als subjektiv angesehen werden kann, nämlich dann, wenn das Wissen bewiesen wurde, empirisch ermittelt wurde.

Politische, gesellschaftliche, soziale, philosophische Meinungen sollten trotzdem nicht einfach dergestalt nur als subjektive Meinung abqualifiziert werden, denn auch hier können Meinungen durchaus mittels empirisch erhobenen Kenntnissen gebildet werden.

Selbstverständlich kann alles angezweifelt werden.

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Der Unterschied zwischen Meinung und Meinung ist also nicht leicht zu erkennen.

Sehr oft werden Meinungen als „Geschwafel“ abgetan, weil die Meinungen in einer Art und Weise kundgetan werden die auf einen schlichten Bildungsgrad hindeuten, weil die Meinung nicht ins eigene Weltbild passt, oder weil Dinge geäußert werden, die abstoßend sind, fehlende Moral, fehlende Empathie, ein Übermaß an Arroganz und Egoismus kundtun.

Oftmals handelt es sich tatsächlich um „Geschwafel“, sinnfrei, idiotisch, dumm, bar jeglicher Kenntnisse um Realitäten, oft einfach auch in provozierender Absicht geäußert.

Zu Meinungen gehören Argumente.

Argumente können, genau wie Meinungen, aus empirisch bewiesenen Tatsachen gebildet werden, oder es sind gefühlsmäßige Ansichten, die entweder so gekonnt vorgetragen werden, das sie nicht sofort als „heiße Luft“ erkannt werden, oder ziemlich schnell als Pseudo-Argument entlarvt werden, weil die Art des Vorbringens primitiv gestaltet ist, weil das „Argument“ als solches eben schnell als Nicht-Argument erkannt werden kann.

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Die Meinungsbildung und das Auffinden (Erfinden) von Argumenten haben ein breites Spektrum.

Nehme ich die verfügbare Farbpalette von Weiß bis Schwarz, um dieses breite Spektrum zu visualisieren, setze ich z. B. Weiß für Meinungsbildung und Argumentationsfindung durch rein empirische ermittelte Werte und nehme Schwarz für Meinungsbildung und Argumentationsfindung durch rein gefühlsmäßige Ansichten, dann finde ich zwischen beiden Endpunkten jede Menge andere Farben, die für unterschiedlichste Möglichkeiten bei der Meinungsbildung und Argumentationsfindung stellvertretend herhalten.

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Wie komme ich auf dieses Thema, auf die oben beschrieben, rein subjektiven Gedanken zu Wissen, Kenntnissen, Meinungen und Argumenten?

3 Dinge „triggerten“ diesen Text.

  1. Ein alltäglicher Meinungsaustausch zwischen zwei völlig gegensätzlichen Positionen auf dem „Telepolis“-Forum, der auch meinem kleinen Blog zusätzliche Leser bescherte, weil ein Forist meinen Beitrag „Demokratie?“ verlinkte. Herzlichen Dank dafür. Eine Auseinandersetzung, wie sie in fast jedem politischen Forum täglich vorkommt

  2. Die Themenauswahl der Tagesschau vom 17.02.2017 um 20:00, dazu will ich im weiteren Verlauf meine Gedanken äußern

  3. Der unsägliche, allerdings ungemein gefährliche Versuch, mittels der neuesten „Fake-News“-Kampagne der westlichen Besitzenden, kritische Stimmen, gegenteilige Meinungen und Argumente, vor allem im Internet zu finden, zu verbieten. Ein Angriff auf die Meinungsfreiheit, ein weiterer Versuch die Toleranzschwelle der westlichen Gesellschaften zu senken. Ein weiterer Versuch, die westlichen Gesellschaften zu manipulieren. Der Versuch die Kontrolle über Meinungsbildung zu erlangen.

Ich hatte einen meiner früheren Texte mit: „Ohne Toleranz stirbt Demokratie“ betitelt.

Nun ist das gegenwärtig ausgeübte Modell der PARLAMENTARISCHEN Demokratie alles andere als eine tatsächliche Herrschaft des Volkes und die Ausübung der Herrschaft des Volkes beschränkt sich, mit voller Absicht auf „Wählen gehen“ im 4- bis 5-jährigen Turnus.

Dieser Parlamentarismus hat uns in Deutschland die tatsächliche Herrschaft der Wirtschaft seit 1998 (Neoliberalismus) beschert.

Dieser Parlamentarismus hatte ab 1949 in der „Bonner Republik“ dafür gesorgt, das die „alte Bundesrepublik“ fest im westlichen NATO-Bündnis eingebunden war, dessen unangefochtener Vordenker und Führer die USA waren, es heute noch sind, und daran wird auch Trump nichts ändern, denn niemand gibt einmal geschaffene Machtpositionen freiwillig, ohne Not preis. Schon gar kein Milliardär, dessen Geschäftsmodell sehr häufig auf der simplen Ausübung seines Machtpotenzials basiert.

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Ich sehe „Fake-News“, also „Falsch-Nachrichten“, oder „Falsch-Neuigkeiten“ als eine Kampagne der westlichen Besitzenden und deren politischen Claqueure an, die auf die massive Einschränkung der Freiheit der freien Meinungsäußerung und -findung abzielt.

Egal, wie bekloppt eine Meinung ist, das muss jeder aushalten, wenn er denn tatsächlich Toleranz ausüben will. Diese Toleranz scheint bei den westlichen „Eliten“ (Kapitalisten und neoliberalen Gewinnern aus allen möglichen Berufen) nicht vorhanden zu sein und ist auch nicht erwünscht.

Meinungen, die gegen Gesetze verstoßen, können zwar auch als Meinung etikettiert werden, die Äußerungen bleiben trotzdem Gesetzesverstöße, die durch eine funktionierende Justiz verfolgt und geahndet werden müssen.

Siehe Höckes „Meinung“ zum Berliner Holocaust Denkmal, siehe Aufrufe zu Straftaten im Internet, siehe Hasspredigten, etc.

Die bestehenden Strafgesetze sind zur Verfolgung und gerichtlichen Urteilsfindung völlig ausreichend.

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Der Begriff „Fake-News“ und die gestartete Kampagne hat m. M. n. eine ganz andere Absicht, nämlich die Verhinderung und Unterbindung von gegenteiligen Meinungen und Argumenten, gegen das herrschende kapitalistische System, gegen neoliberale, neokonservative, neo-kolonialistische und neofeudalistische Politik.

Meinungen, die immer mehr werden, immer lauter werden, immer mehr Bürger zum Nachdenken anregen.

RT Deutsch veröffentlichte am 18.02. dazu eine Meinung von Evgeny Morozov, einem weißrussischen Publizisten, der sich öffentlich äußerte und die Meinung vertritt, „Fake-News“ sind ein Produkt des digitalen Kapitalismus. Hier der Link: https://deutsch.rt.com/meinung/46604-evgeny-morozov-fake-news-sind/

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Auch hier gilt, wie immer, wenn ich Links anbiete: Lesen sie bitte unvoreingenommen, versuchen Sie sich mit den Argumenten auseinanderzusetzen, bewerten sie die Meinung und die Argumentation für sich.

Und entscheiden sie danach, ob sie diese Meinung ganz oder in Teilen annehmen können oder komplett ablehnen.

Aber sie müssen und dürfen keinesfalls der Meinung blind folgen, sie einfach übernehmen.

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Und genau das möchten die Initiatoren und Nutznießer der aktuellen „Fake-News“-Kampagne, sie wollen die freie Meinungsbildung möglichst weitgehend und tiefgreifend unterbinden.

Sie wollen ihre eigenen Meinungsprodukte, möglichst umfassend, als einzig verfügbare Quelle zur breiten Meinungsbildung und Meinungsfindung eingesetzt wissen.

Das ist nicht anderes als ein Verdrängungswettbewerb, wenn ich mal gängigen BWL-Schwurbel benutzen will.

Nur, das sich im Fall der „Fake-News“-Kampagne ein Anbieter nicht zum Monopolisten durch die Nutzung aller möglichen Instrumentarien des wirtschaftlichen Verdrängungsprozesses entwickelt, sondern hier wird versucht, per Gesetz die Monopolstellung zu erreichen und man will, um den Anschein von Demokratie aufrecht zu erhalten, vorher die Meinung der Bürger in diese Richtung drängen.

Man benutzt dazu ganz simpel falsche Informationen, um eine Kriminalisierung von vorgeblichen „Fake-News“ und deren angebliche Gefährlichkeit für die tatsächlich aristokratisch ausgerichtete „parlamentarische Demokratie“ zu erreichen.

Es geht um die Errichtung einer Mauer um geistige Einfalt, mit dem Ziel, geistige Vielfalt zu unterbinden.

Und egal, wie nervend die Möglichkeiten der vielfältigen Meinungsäußerung auch in Einzelfällen sein mögen, sie aufzugeben, bedeutet Faschismus, Unterdrückung und Verlust einer der letzten, noch verbliebenen Freiheiten.

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Für mich, also in meiner ganz subjektiven Einschätzung und Meinung ist die Tagesschau der ARD einer der größten Verbreiter von neoliberalen „Fake-News“, ein Verbreiter von subjektiven Meinungen des Neoliberalismus.

Am 17.02.02017, in der Hauptsendung um 20:00 Uhr waren die Themen der Sendung:

  • Auftakt Münchner Sicherheitskonferenz,

  • Abschluss G20-Außenministertreffen,

  • Erste Bilanz zur Trump-Präsidentschaft,

  • Fake-News-Kampagne gegen Bundeswehr in Litauen,

  • „Welt“-Korrespondent in Türkei festgenommen,

  • Kanadischer Premier Trudeau bei Merkel,

  • Maas fordert besseren Schutz für Polizisten und Rettungskräfte,

  • Tarifstreit im öffentlichen Dienst,

  • Flüchtlinge stürmen Grenzzaun zu spanischer Exklave Ceuta,

  • Biathlon-WM: Frauen-Staffel holt Gold,

  • Das Wetter

Tarifstreit: dieses Wort alleine gibt schon die Richtung vor, mit der Meinung beeinflusst wird.

Flüchtlinge „stürmen“ „Grenzzaun“: Flüchtlinge haben nichts zu stürmen, schon gar keine heiligen Zäune und Mauern, die „uns, denen es gut geht“ alles wegnehmen wollen.

Welt-Korrespondent in der Türkei festgenommen: Der türkische EU-Partner macht das, was unsere Eliten auch beabsichtigen, unter fadenscheinigen Vorwänden, die freie Bildung von Meinungen abzuwürgen.

Fake-News-Kampagne gegen Bundeswehr in Litauen: Hierzu nur ein Link auf den neuesten Beitrag der Rationalgalerie, der sich mit dieser „Meldung“ gekonnt bissig beschäftigt, treffend betitelt mit „Vergewaltigte Nachricht“.

Erste Bilanz zur Trump-Präsidentschaft: Ich hab es nicht gesehen, kann mir aber sehr gut vorstellen, wie diese erste Bilanz ausgefallen ist. Die Anstalt vom 7.2.2017 hat die gegenwärtige „Fake-news“-Kampagne der Mainstreammedien gegen Trump bestens thematisiert und ad absurdum geführt.

Ich habe mich dazu bereits ein paar Mal geäußert und Texte von Thierry Meyssan auf voltairenet.org verlinkt, die man lesen sollte, um sich eine differenziertere Meinung bilden zu können.

Auch heute habe ich einen Link zu RT Deutsch, die die Meinung eines freiberuflichen Journalisten und Bloggers (www.neopresse.com) namens Zlatko Percinic veröffentlicht haben.

Der Titel lautet: „Nur Tote können Trumps Amerika retten – Teil I“, hier der Link: https://deutsch.rt.com/meinung/46605-nur-tote-konnen-trumps-amerika/

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Die „Nachrichten“ über die angeblich für uns alle bedeutende „Münchner Sicherheitskonferenz“ hauen in die selbe Kerbe und sind nichts anderes als subjektive Meinungen der neoliberalen Eliten, die hier und anderswo, als objektive Berichte und seriöse „Nachrichten“ verkauft werden, damit möglichst viele Menschen sich dieser Sichtweise anschließen, obwohl sie durch die Vorhaben der Eliten immer mehr „verlieren“.

Mittels subjektiver Meinungen, die den „korrekten“ Informationsgehalt von „seriösen“, daher glaubhaften Nachrichten vermitteln sollen, werden hier täglich selbst „Fake-News“ produziert, wird seit Jahren neoliberale Staats-Propaganda vermittelt.

Es ist soweit gekommen, das den Menschen die Möglichkeit zur freien, selbstbestimmten Meinungsfindung genommen werden soll, zumindest aber erheblich eingeschränkt werden soll.

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Per Zufall ergab es sich, das der Link zu neopresse sofort zu einem interessanten und sehr kritischen Bericht zur gerade stattfindenden „Münchner Sicherheitskonferenz“ führt.

Ich werde ihn später lesen, sie können die Aufforderung zum Bezahlen rechts oben wegklicken, um zunächst den Bericht zu lesen.

Und entscheiden sie später, ob sie sich die Informationen dieser Website etwas kosten lassen wollen. Es ist legitim, um Unterstützung zu bitten, auch diese Menschen müssen Geld verdienen, um zu leben und um ihre Anliegen durchführen zu können und sie haben im Gegensatz zu BlackRock und Konsorten, die mit dem Geld der Superreichen die Welt aufkaufen, nur wenig Mittel zu Verfügung.

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Warum verlinke ich hier soviel?

Ich habe viele Gründe.

Auch und vor allem, um freie Meinungsbildung zu ermöglichen.

Um mittels des Angebotes auf andere Meinungen und Sichtweisen, zu Äußerungen, die dem Mainstream diametral gegenüber stehen, darauf hinweisen, das (noch) die Möglichkeit besteht, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Eine persönliche Meinung, die eben nicht nur durch einseitig ausgerichtete Informationen gebildet wurde, sondern durch mehrere, möglichst unterschiedliche Sichtweisen freiwillig und selbständig gebildet wurde.

Gehört werde auch die andere Seite“, dieser alte römische Rechtsgrundsatz sollte nicht nur vor Gericht unverzichtbarer Bestandsteil sein, sondern ist ebenso dazu geeignet, eine eigene Meinung zu finden.

Es geht mir aber ganz sicher nicht darum, mittels der Links beweisen zu wollen: „Sehet dorthin, da steht das auch alles, also muss alles stimmen, was ich selbst hier so an Kritik und Gedanken von mir gebe.“

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Für mich sind folgende Schlagworte ebenfalls ein Beweis für neoliberale „Fake-News“:

  • Die „Tricks“ der Lebensmittelindustrie – Februar 2017 eine „Informationssendung“ des ZDF

  • Notstand in der Altenpflege seit ?

  • Altersarmut seit 2002

  • Schummelsoftware seit 2015

  • Abgasskandal seit 2015

  • Vorne-Verteidigung“

  • Gestaltungsmacht

  • Merkel als letzte Verteidigerin der Demokratie

Es gibt noch viel mehr solcher verharmlosenden Wortschöpfungen, die den Zweck verfolgen, die Menschen zu sedieren.

Den Willen zur freien und eigenen Meinungsbildung durch weitere Informationsquellen zu minimieren.

Tricks, Schummel…, Abgas…, sind Wortschöpfungen, die gigantische Betrugsserien bagatellisieren sollen.

Niemand der Beteiligten aus Wirtschaft und Politik hat ein Interesse an rückhaltloser Aufklärung, an vollständigem Schadenersatz jedes geschädigten Kunden (sofern dies nicht umgangen werden kann, durch Gesetze und Strafurteile in anderen Ländern), dem Ausgleich an zwangsläufig zu wenig gezahlten KfZ-Steuern, an Umweltschäden, etc.

Die Folgeliste durch derlei Betrug ist ziemlich umfangreich, wenn man fähige Staatsanwälte und Richter hätte, die die Gesetze kennen und tatsächlich unabhängig anwenden könnten, „ohne Ansehen der Person“.

Schadenersatz und Strafzahlungen sind „außerordentliche Aufwendungen“, die als solche verbucht, in der Bilanz auftauchen, um dadurch die Steuerzahlungen noch weiter minimieren zu können.

Die Gewinne der Anteilseigner und Gehälter und Boni von Vorständen und Aufsichtsräten werden dadurch nicht angetastet.

Dafür werden Arbeiter und Angestellte vermehrt in neu gegründete GmbHs, also Firmen, die dem Kapitalrecht unterliegen und von vornherein die Haftung der Anteilseigner unnötig minimieren, gepresst, die zwar dem Konzern gehören, für die aber nicht die Tarifverträge des Konzerns gelten. Das ist dann unternehmerisches handeln und „Sparen“.

CxU-, spd-, FDP-, Grüne- und AfD-Wähler sollten so etwas wissen. Wenn sie es wissen und für in Ordnung befinden, sind sie wahrscheinlich Gewinner des neoliberalen Systems.

Wenn sie nicht zu den Gewinnern gehören und trotzdem diese Parteien wählen, dann ist das…., ja was?

Zumindest kann dieses Verhalten darauf hindeuten, das diesen Personen wenig bis keine alternativen Informationen zugänglich sind. Meist, weil sie nicht die Notwendigkeit sehen, sich anderweitig zu informieren, weil sie der festen Ansicht sind, ihre Meinung nicht korrigieren zu müssen.

Für diese Menschen ist die neoliberale „Fake-News“.Kampagne auch nicht gedacht.

Sie ist für die Menschen gedacht, die anfangen zu zweifeln.

Und das ist für die Systeme

  • Kapitalismus,

  • Neoliberalismus,

  • Neo-Kolonialismus,

  • aktive deutsche Gestaltungsmacht,

  • Arbeitsverknappung,

  • Vernichtung sozialer Strukturen,

  • Privatisierungen, et al“

nicht gut, gar nicht gut, denn die Profite weniger Leute können dadurch gefährdet werden, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen und gegengesteuert wird.

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Eine weitere Überlegung bringt mich zu den etwa 13 Millionen Menschen, die im Hartz-KZ gefangen gehalten, drangsaliert, manipuliert und schikaniert werden.

Arbeitslose, deren Familienmitglieder, die Kinder, sogar Menschen die ohne Trauschein zusammenleben, werden in Sippenhaft genommen.

Dazu kommen Kranke, Pflegebedürftige, Rentner, die der Armut preisgegeben wurden, weil die Renten in strafrechtlich zu würdigender Weise immer weiter gekürzt wurden.

Die Obdachlosigkeit steigt jedes Jahr weiter an und wird in ekelhafter, asozialer, inhumaner Weise „bemängelt“.

Fehlende finanzielle Mittel führen zu Dingen, die zu Straftaten erhoben werden, wie „wiederholtes Erschleichen von Beförderungen in der Personenbeförderung“. Knast ist die Antwort.

Mundraub, Diebstahl, Raub, alle möglichen Delikte und Vergehen nehmen zu, werden kriminalisiert.

Der neoliberale Reststaat reagiert mit zunehmender Kriminalisierung der Menschen (nein, für mich sind Menschen, die absichtlich von der Gesellschaft und dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden, keine Täter). Die Antwort sind hohe Geldstrafen und Knast.

In Hamburg und anderen Städten wird es den Pfandflaschensammlern entweder erschwert oder unmöglich gemacht, an bestimmten öffentlichen Plätzen, die auch von Vermögenden frequentiert werden, Flaschen aus Mülleimern zu holen.

Hamburg gab viel Geld für solche Sperrsysteme aus, die „Erfinder“ preisen ihre asoziale Erfindung im Internet an und bieten sie europaweit weiteren Gemeinden an.

Nicht wenige Bürger begrüßen solche asozialen Handlungen ihrer Stadtverwaltungen, weil sie nicht nachdenken wollen (oft auch nicht können, weil Empathie fehlt), sondern mit dem Elend nicht konfrontiert werden wollen. Es ist eine Belästigung ihrer gepflegten bürgerlichen Arroganz.

Was hält die Hartz-Häftlinge, die Armen, die Kranken, die Armutsrentner, die viel zu schlecht und dafür viel zu teuer „gepflegten“ Pflegebedürftigen, die Obdachlosen, all die durch inhumane und asoziale „Gesetze“ absichtlich sozial ausgegrenzten Millionen von Menschen davon ab, sich zu solidarisieren, ihren Stimmen Gehör zu verschaffen, laut und deutlich, unüberhörbar?

Nicht jedes Hartz-Opfer ist ungebildet, aber fast alle sind in einem Teufelskreis falscher Gedanken gefangen, die das neoliberale System zu nutzen weiß.

  • Lohnarbeit sei der Schlüssel zu Erfolg und einem „glücklichen, zufriedenen“ Leben.

  • Der Umfang des zur Verfügung stehenden Geldes bemisst den Wert eines Menschen, ergo: „Kein Geld = Gesellschaftlich wertlos“

  • Die (völlig unberechtigte) aber systemisch befeuerte Scham, „der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen, in der sozialen Hängematte ein nutzloses Dasein zu führen“

Sicher gibt es noch viel mehr gedankliche Gefängnisse, die die Opfer des Neoliberalismus und dessen Gesetzgebung davon abhält sich zu organisieren.

Sie fühlen sich selbst als wertlos und befürchten, die gesellschaftliche Ablehnung ihnen gegenüber würde noch weiter ansteigen, ihnen würde noch mehr Hass und Ablehnung zuteil werden, als bereits besteht.

Angst und Zweifel lassen sie schweigen, ganz im Sinne der neoliberalen Erfinder von Hartz-IV und Kenner von Gustave Le Bon’s Arbeiten zur Massenpsychologie.

Es fehlt also Mut, die Kenntnisse sich zu organisieren. Sicher auch Zeit, denn die Hartz-Center halten ihre „Kunden“ nicht für umsonst „auf Trab“. Die Angst, öffentlich zu werden, sich zu „outen“, die Angst vor Ablehnung, Spott, Häme, Hass, Verachtung.

Ich gehe mal so von 25 Mio. Deutschen aus, denen es, ganz bewusst hier verharmlosend ausgedrückt, „nicht so gut geht“.

Vermutlich gibt es so um die 27 Mio. Menschen (Deutsche und Ausländer) in Deutschland, die vom Neoliberalismus „gefressen“ wurden. Tendenz: weiter zunehmend!

Dann hatten wir 2013 etwa 25 Millionen Nichtwähler, die aus allen möglichen Schichten stammen und unterschiedliche Gründe haben, sich dem System „Parlamentarismus“ zu verweigern. Von denen viele nichts mit ALG II zu tun haben.

Vermutlich gehen etliche vormalige Nichtwähler im September doch wieder zur Wahl, entweder um einigen AfD-Leuten zu öffentlich alimentierten Auskommen und satten Pensionen zu verhelfen (aber sie haben es „denen da oben“ jetzt mal richtig gezeigt: „Denkzettel“ und so) oder sie gehen den spd-Wahlstrategen und deren „Hl. St. Martins-Show“ auf den Leim.

Unter 74 Mio. Deutschen, (der Census 2011 ermittelte 6,2 Mio. Menschen mit anderen Staatsangehörigkeiten, die dauerhaft in Deutschland leben), wurden damals etwa 40 Mio. Menschen (also Deutsche und Ausländer) erfasst, die „einer Erwerbstätigkeit“ nachgehen (das umfasst Hartz-Gefangene in „Schulungen“, 1€-Jobber, etc., genauso wie Niedriglöhner, Aufstocker [prekär Beschäftigte] und Vorstände von im DAX gelisteten Konzernen)

Die geschönten Zahlen der BA ließen 2011 etwa 2,1 Mio. Arbeitslose zu.

Beruhigend, nicht wahr? 10 – 13 Mio. Hartzer, darunter viele in Sippenhaft befindliche Opfer, sind gar nicht arbeitslos, da kann man schon mal freudig ausrufen: „UNS geht es gut, und das ist ein Grund zur Freude“.

Die Zahl der „Verlierer“ wächst, sie wird sich nicht mindern, denn das sieht Kapitalismus nicht vor.

Die neoliberale Spielart des Kapitalismus noch viel weniger, denn sie hat sich sehr viele „Gesetze“ zum Schutz und zur Steigerung ihrer Profite machen lassen.

Der Bundeswehr-Etat soll von aktuell 37 Mrd. € auf 62 Mrd. € steigen. Das sind schlappe 25 Mrd. € pro Jahr mehr, denn das Ziel ist ein stetiger „Konfliktetat“ von 2% des BIP’s.

Jedes Jahr 62 Mrd. € für Scheiße raus werfen, dazu ein Dr. Schäuble mit seiner Austeritätspolitik bei sozialen Ausgaben und Steuererleichterungen bei Reichen.

Dazu weitere Arbeitslosigkeit, weitere prekäre Jobs, noch mehr Hartz-Häftlinge, für die noch weniger Geld ausgegeben werden wird…

* * * * *

Es sieht nicht gut aus, aber ich bin bestimmt viel zu pessimistisch.

Verzichten wir deshalb weiter auf Solidarität und Zusammenschluss der ärmeren und armen Deutschen.

Verzichten wir weiter auf aktive politische Willensbildung, z. B. auf den Straßen im Berliner Regierungsviertel.

Verzichten wir auf freie Meinungsbildung.

Lassen wir weiterhin „denen da oben“ die Möglichkeit, durch Wahlen ihre Legitimationen für ihr Handeln gegen die meisten Bürger Deutschlands und der EU abzuleiten.

Bis bald….

Edit: Als bekennender Fan von guter Satire möchte ich hier einen Link setzen zu Youtube, auf die Sendung Mann, Sieber vom 17.02.2016, eine der besten und schärfsten Kritik zu den Themen unserer Zeit. Vielen Dank, Christoph Sieber und Tobias Mann

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10 Comments

  1. Hallo,

    ein interessanter Text. Findet grundsätzlich meine Zustimmung. Ich war die letzten zwei Tage auch immer wieder am Nachdenken zum Thema »Fake-News«. Ich bin mir noch nicht schlüssig, wie man mit dem Problem umgeht. Obwohl Du es schön beschrieben hast, ist es mir noch zu kompliziert. Aber ich denke, ich habe jetzt (durch Deinen anregenden Text) eine Idee. Mal sehen, wie ich es formuliere. Das mach ich jetzt aber nicht.
    Gedanken zum Text:
    Das Problem der Probleme ist, dass Menschen nicht als gleichwertig anerkannt werden. Dieses ist älter als der »Neoliberalismus«. Die gleichen Probleme würden bestehen, wenn es ihn [Neoliberalismus] nicht gäbe. Um zu verdeutlichen, was ich meine, verweise ich auf eine Studie der Banca D‘Italia (Barone/Mocetti; Intergenerational mobility in the very long run: Florence 1427-2011), in welcher Steuerunterlagen der Stadt Florenz seit 1427 ausgewertet wurden. Also sehr lange vor dem sogenannten »Neoliberalismus«, sogar vor der Gründung der Bank of England, vor der französischen Revolution, vor der Zeit der Aufklärung und und und…
    »Die Spitzenverdiener von heute standen bereit vor sechs Jahrhunderten an der Spitze der sozioökonomischen Leiter.«
    Ein deutschsprachiger Beitrag und weitere interessante Links hier:
    https://kontrast-blog.at/reich-wird-man-nicht-reich-bleibt-man/
    Die Beschäftigung mit dem »Neoliberalismus« bringt Dich aus der Spur und führt Dich vom eigentlichen Problem weg ins Nirvana. Dann wäre der Sinn von »Fake-News« erfüllt. Mission accomplished.
    Weitere Texte und Links stelle ich Dir gern auf meinem Arbeitsblog zur Verfügung, den ich hier nicht öffentlich verlinke.

    Beste Grüße an Dich

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  2. Hallo Carlo,
    Die nicht-Anerkennung der Gleichwertigkeit von Menschen, ja das ist DAS zentrale Thema. Und ich bin mir sicher, das diese nicht-Anerkennung sich schon recht früh in den menschlichen Gesellschaften entwickelt hat.

    Dazu habe ich bis jetzt keine wissenschaftlichen Abhandlungen gelesen, die gibt es bestimmt, aber ich wage jetzt mal einen gedanklichen Schnellschuß: Menschen sind eigentlich Gruppen- (Herden-) tiere. Anfänglich lebten, jagten, sammelten und vermehrten sie sich in Gruppen, vermutlich lange Zeit voneinander abgeschottet, kämpften ihren Überlebenskampf in der Natur, entwickelten sich weiter sammelten kenntnisse und handwerkliche Fertigkeiten, die auch auf Denkleistungen beruhten. Alle machten irgendwie das Gleiche.

    Irgendwann setzte die „Disverifizierung“ oder besser „Spezalisierung“ ein, einer konnte super haltbare Speerspitzen machen, andere hatten bessere Jagdergebnisse usw.

    Und irgendwann kam der erste „Ur-Controller“ auf die Idee, Bewertungen der Einzelleistungen vorzunehmen, zum Vorteil einiger weniger, zum Nachteil Vieler in den jeweiligen Gemeinschaften lebenden.

    Dann wurden individuelle „Geistesleistungen“ über handwerklichen Fähigeiten gestellt, über die gesamtleistung der Gemeinschaft und durch die jeweiligen Gemeinschaften akzeptiert, dann kamen Tauschhandel und Geld, und die Bewertung von Menschen wurde wieder neu justiert.

    Usw., wie gesagt ein Schnellschuß, geht vielleicht meilenweit am Zentrum der Zielscheibe vorbei oder sitzt doch schon im Bereich zwischen 9 und 12 Ringen.

    Natürlich ist das alles keine Erfindung des Neoliberalismus. Es ist vermutlich ein Urproblem der Menschheit und seiner genommenen Entwicklung.

    Ich erwarte von der Mehrheit der heutigen Menschen keineswegs, das jeder belastbares Wissen erlangt und erlangen will.

    Und von niemanden verlange ich, ein kleiner Einstein, Aristoteles etc. zu sein.

    Aber ich wünsche mir, das immer mehr Menschen wesentlich weniger glauben und mehr selbst nachdenken.

    Bevor es wieder kracht und danach wieder hoch und heilig ein „Nie wieder Krieg“ beschworen wird, das dann von rücksichtslosen Gestalten (Steinmeier, v.d. Leyen et al) nach ein paar Jahrzehnten relativiert wird, weil Profite generiert werden müssen.

    Liebe Grüße

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  3. Ich weiß nicht, warum Du es Dir so kompliziert machst? Kann man aus dem Wert eines Menschenlebens einen Preis ableiten? Ja oder nein? Was kostet eine Stunde Lebenszeit? Denk doch vielleicht einmal darüber nach.
    Wann sich das entwickelt hat ist doch nicht wichtig. Interessant ist, ob diese Art der Wertbestimmung heute noch haltbar ist. Gibt es dafür irgendeinen wissenschaftlichen Beweis? Was würde ein Humanist dazu sagen?
    Um dazu eine Meinung zu haben, musst Du kein Einstein oder Aristoteles sein und benötigst kein belastbares Wissen.
    Zitat:
    »Aber ich wünsche mir, das immer mehr Menschen wesentlich weniger glauben und mehr selbst nachdenken.«
    Das bringt es auf den Punkt.

    Zum anderen: Einen Tauschhandel, der die Grundlage für das Geld(system) darstellen soll, wie es in der Volkswirtschaftslehre gern beschrieben wird, wurde nie nachgewiesen. Die Story hat sich Adam Smith (auch Aristoteles in seiner Politeia) ausgedacht. Einen historischen Beleg gibt es dafür nicht. Ganz im Gegenteil.

    »Anthropologen kritisieren seit fast einem Jahrhundert den Mythos vom Tauschhandel. Hin und wieder weisen Ökonomen leicht genervt darauf hin, der Grund sei ganz einfach, warum sie immer noch die gleiche Geschichte erzählen, obwohl alles gegen sie spricht: Die Anthropologen haben keine bessere anzubieten. Der Einwand ist nachvollziehbar, aber auch darauf gibt es eine einfache Antwort. Die Anthropologen konnten deshalb keine klare, überzeugende Geschichte über die Ursprünge des Geldes präsentieren, weil zu vermuten ist, dass es eine solche Geschichte schlichtweg nicht gibt. Das Geld wurde genauso wenig »erfunden« wie Musik oder Mathematik oder Schmuck. Was wir »Geld« nennen, ist kein »Ding«, sondern eine Methode, Dinge nach ihrer Struktur zu vergleichen, also im Verhältnis zueinander auszudrücken und etwa zu sagen: X entspricht sechsmal Y.
    So gesehen ist Geld wahrscheinlich so alt wie das menschliche Denken. Sobald wir konkreter werden, stellen wir fest, dass viele verschiedene Gewohnheiten und Praktiken in dem zusammengeflossen sind, was wir heute »Geld« nennen. Und genau das ist der Grund, warum Ökonomen, Historiker und alle anderen es so schwierig finden, lediglich eine Definition vorzulegen…«

    David Graeber, Schulden: Die ersten 5000 Jahre – (m)eine Leseempfehlung.

    So, war wieder ein viel zu langer Tag. Brauche dringend eine Mütze Schlaf und wünsche Dir wie immer das Beste.

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  4. Ach Carlo,
    nenn mich einfach Sisyphos, im Sinne von Albert Camus Essay in dem er Sisyphos als eine Leitfigur des Absurdismus beschrieben hatte.

    Vielleicht habe ich mehr von dieser Figur als mir zuträglich ist? 🙂

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  5. Lieber Sisyphos,

    es hat sich in meinen letzten Beitrag ein kleiner Fehler eingeschlichen. Statt Politeia sollte es Politik heißen.

    »Aber ich wünsche mir, das immer mehr Menschen wesentlich … mehr selbst nachdenken.«
    Genau das »fordere« ich nun von Dir ein. 😉 Also, wenn Du schätzen würdest, wieviel Euro wäre Dein Leben wert. Wenn Du Dich nicht gut einschätzen kannst, dann vielleicht Verwandte oder Bekannte. Du willst Dich doch nicht vor der Antwort drücken?

    »Der eigentliche Preis, den wir für unser Geld bezahlen, ist, dass es das Denken darüber einengt, was möglich ist – Geld baut unserer Vorstellungskraft ein Gefängnis.«
    (Edgar Cahn, Erfinder des „Time Banking“)
    Schaut man nun auf HartzIV, Renten, Leiharbeit und überhaupt Löhne/Gehälter, Krise in Griechenland oder auf »Schwarzfahrer«, die zu Tagessätzen eingesperrt werden … findet man keine wissenschaftliche Begründung für Bewertungsmaßstäbe. Es ist die reine Willkür der »Mächtigen« und Regierenden.
    Aus diesem Grund hat die Antwort auf meine Frage tatsächlich eine praktische Bedeutung. Dazu muss man seine Wohlfühl-Gedankenwelt verlassen und geistig auf eine Metaebene klettern. Wenigstens einmal einen ganz kurzen Blick von außen (außerhalb der Höhle) wagen.

    Viele Grüße

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  6. Hallo Carlo,
    niemandes Leben ist wertmäßig (im monetären Sinne) einzuschätzen. Es sollte auch endlich, ein für alle mal, unterlassen werden.

    Es ist aber durch jede menschliche Gesellschaft seit zig-tausend Jahren verinnerlicht worden, übernommen worden, gelebt worden, Sklavenhaltung, Schuldturm, Löhne sind Ausdruck und Instrumentarien dieser inhumanen Praxis. Irgendwann ist das enstanden, und ehrlich, es ist mir völlig egal, was akademische Weitpinkler aus der Antrophologie und der Ökonomie dazu rauslassen.

    Erinnert mich sehr an die Clovis Theorie zur Besiedlung Amerikas vor 12.000 Jahren, wurde in den 1930er Jahren als unumstößliche Wahrheit verkündet, stimmt nur nicht. Statt zu sagen, gut, die Erstbesiedlung Amerikas fand viel früher statt und nicht in Nordamerika, sondern vermutlich in Südamerika (und dort hatten die Clovis-Anhänger ja nie gesucht), trotzdem konnten wir den Weg von Asiaten über die Beringstrasse nachweisen.

    NEIN, die arroganten Großkotze hielten stur daran fest, das die ERST-Besiedlung des ganzen amerikanischen Doppelkontinentes vor 12.000 Jahren stattfand und führten eine Verleumdungskampagne üblsten Ausmaßes gegen brasilianische Archäologen, die dagegen auf einem Haufen von 4000 Wandmalerein saßen. Es waren ja nur 3-klassige Wissenschaftler aus einem 3te-Welt-Land.

    König A zu Mensch B: „Wenn Du mir hilfst, meine Macht zu festigen und zu mehrern, wirst Du reichlich entlohnt, B gibt sein Bestes.

    König A zu Mensch C, D, : „Wenn ihr mir helft, meine …..“ C, D, E treten in den Wettbewerb ein.

    E und F haben das Spiel auch kapiert und versuchen, an B,C,D, anzuknüpfen. Konkurrenz entsteht

    G bis Z (Plebs) gucken zu, kapieren nichts, finanzieren A bis F durch Lohnarbeit, Steuerabgaben, weil sie es nicht besser kennen.

    A zerteilt durch die Schaffung von Wettbewerb und Konkurrenzdenken die Möglichkeiten, das seine Macht angetastet wird und herrscht. Seine hauptsächliche Sorge ist, keinen seiner Helfer zu nächtig werden zu lassen und entstehende Unzufriedenheit unter seinen Helfern und dem Plebs immer wieder zu seinen Gunsten drehen zu können. Macchiavelli schrieb darüber,unzählige andere ebenso. Dem Plebs genutzt hat es nichts, weil dort solche Abhandlungen nicht gelesen werden.

    Das älteste Spiel der Menschheit um Macht und Besitz, nie überwunden, dafür immer mit anderen Namen belegt. Aktuell: Neo-…….
    Teile (zerteile) und herrsche.
    Ich nannte es mal Macher und Nicht-Macher.

    Wie sich die Menschen davon allerdings befreien wollen, ist mir trotz etlicher vernünftiger Ideen nicht klar. Zumal es ein Reflex von Menschen sein muss, ihre bekannten und unbekannten Mitmenschen einzuteilen in wertvoll und unbrauchbar. Und erschwerend kommt für mich hinzu, das die meisten Menschen sich nicht einmal gedanklich mit diesen Themen auseinandersetzen.

    „Ist halt so, Ober sticht Unter“ – Das das nur klappt, weil fast jeder Mensch die Unterteilung in Ober und Unter nicht anzweifelt, darauf kommen die wenigsten.

    Viele Grüße

    PS: ich hatte deine Frage zunächst als rhetorische Frage verstanden

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  7. Hallo,

    ich denke nun haben wir beide tatsächlich eine gemeinsame Basis gefunden. Lebenszeit ist nicht verhandelbar und von ihrem Wert kann kein Preis abgeleitet werden. (Nebenbei erwähnt: Das steht im Gegensatz zu Marx. http://www.textlog.de/marx-preis-profit.html Besonders zu beachten Punkt 6 und 7. Obwohl er die Lohnarbeit als Teilzeitsklaverei erkennt. Ich weiß nicht, ob Du Dich jetzt noch gut fühlst. 😉 ) Wenn über diesem Blog steht: »Für Empathie und eine humane Welt«, dann ist dies die wichtigste Grundlage. Gleiches gilt für Wasser, Land und Luft und den enthaltenen natürlichen Schätzen.

    Nun schreibst Du: »… Sklavenhaltung, Schuldturm, Löhne sind Ausdruck und Instrumentarien dieser inhumanen Praxis. Irgendwann ist das entstanden… «. Ich weiß, dass Du weißt, dass es so nicht ganz richtig ist. Trotzdem greife ich es heraus, um auf diesen Teil einzugehen: »und ehrlich, es ist mir völlig egal, was akademische Weitpinkler aus der Antrophologie und der Ökonomie dazu rauslassen«.

    Sklavenhaltung, Leibeigenschaft, Fron- und Zwangsdienste, Löhne, Schuldtürme, Armut und Reichtum sind nicht irgendwann entstanden, sondern sie wurden bewusst von Menschen gemacht. Sie waren/sind nicht das Ergebnis von Naturgesetzen, aber das Ergebnis eines jahrtausendealten Schuldkultes und dieser zieht sich bis in die Gegenwart. Es ist also interessant zu wissen, wie Herrschaft organisert wurde und worauf sie sich begründet(e). Dafür sind Einblicke von Ökonomen und Anthropologen wichtig. Natürlich nicht nur deren. Einen Fingerzeig zu David Graeber machte ich bereits in den angefügten Links zum Beitrag »Sapere Aude!«.
    Mit unserer Feststellung, dass man Lebenszeit, diese ist vom Menschen nicht trennbar, nicht in einen Preis fassen kann und der anthropologischen, dass es sich beim legendären Tauschhandel um einen Mythos handelt, fehlen der Ökonomie schon zwei ihrer wichtigsten Säulen. Das ist etwa so, als wenn man der Kirche den Jesus klaut. Übrig bleibt ein Mythos, aber keine Wissenschaft und schon gar keine naturgesetzliche Grundlage.
    Du schreibst selbst in dem Beitrag über die Demokratie: »… es ist alles untrennbar miteinander verbunden und sollte im Kontext betrachtet werden,…«. Dann wollen wir es doch zu einer Tradition erheben 😉 und machen uns zu »Bürgern mit Kenntnissen«.

    Und ja, meine Frage war tatsächlich keine rhetorische Frage. Ich könnte es jetzt noch begründen warum, aber das würde eine ewig lange Geschichte.

    »Das Problem zu erkennen, ist wichtiger, als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung.«
    Albert Einstein
    »Wie sich die Menschen davon allerdings befreien wollen, ist mir trotz etlicher vernünftiger Ideen nicht klar«

    Das war es mir zunächst auch nicht. Inzwischen habe ich aber eine Vorstellung. Ich weiß, dass es nicht von heute auf morgen geht und, dass man dafür keinen »neuen« Menschen braucht. Trotzdem wäre mit sehr wenig Gesetzestext, eine andere Weichenstellung sofort(!!!) möglich. Die Hauptschwerpunkte sollte man auf das Geldsystem und das Bodenrecht legen. Die Anpassungen müssen so vorgenommen werden, dass es nicht mehr möglich ist, aus Geld und Land leistungslose Einkommen zu erzielen. Dies hier alles auszuführen, würde den Rahmen sprengen. Einen Hinweis gab ich neulich mit dem Link zum »Mirakel von Guernsey«. Die Griechen wären heute glücklich über so einen Weg. Die Ausrede der politischen und ökonomischen Eliten, dass dieses und jenes nicht finanzierbar sei, ist für das Gemeinwesen nicht tragbar. Dann muss die Gesellschaft eben ein Geld entwickeln, um die Finanzierbarkeit herzustellen. Es ist nicht logisch nachvollziehbar, dass ein Produzent und ein Konsument (wechselseitig) nur miteinander ins Geschäft kommen können, wenn wenigstens einer von ihnen vorher einen verzinsten Kredit von einem Dritten (am Geschäft unbeteiligten) aufnehmen muss.

    »Stellen Sie sich vor, ein Außerirdischer würde auf unserem Planeten landen. Für seine Landung hätte er sich ausgerechnet ein Armenviertel ausgesucht. Als erstes bekäme er heruntergekommene Häuser zu Gesicht, Menschen, die auf der Straße leben, hungrige Kinder, um die sich niemand kümmert, kranke Bäume, verschmutzte Flüsse, weitere ökologische Katastrophen und all die anderen Probleme, mit denen wir leben. Der Außerirdische würde entdecken, dass wir genau wissen, was man gegen die Probleme unternehmen kann. Er würde außerdem erkennen, dass viele Menschen gerne an der Beseitigung dieser Probleme arbeiten würden, einstweilen aber arbeitslos sind oder nur einen Teil ihrer Fähigkeiten nutzen. Schließlich würde der Außerirdische herausfinden, dass wir alle nur auf das Geld warten, das wir zur Lösung der Probleme brauchen. Jeder wartet auf das Geld.
    Stellen Sie sich vor, der Außerirdische würde uns fragen, was denn dieses merkwürdige „Geld“ sei, auf das wir scheinbar alle warten. Könnten Sie ihm, ohne eine Miene zu verziehen sagen, dass wir auf „eine Vereinbarung in einer Gemeinschaft warten, etwas, eigentlich fast alles, als Tauschmittel zu verwenden“? Und dann weiterhin warten?
    Unser Außerirdischer könnte die Erde mit der Frage verlassen, ob es wirklich intelligente Lebensformen auf diesem Planeten gibt.«
    (Eine Geschichte aus »Das Geld  der Zukunft« von Bernard Lietaer – hier gefunden: http://www.razyboard.com/system/morethread-grundsaetzliches-denkblockaden-ueberwinden-schneider-800175-1926287-0.html )

    So, das war nun wieder ein langer Text. Ich habe ihn nach dem ersten Lesen sogar noch um mindestens 60% gekürzt.

    Liebe Grüße an Dich

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  8. Hallo Carlo,
    zunächst und wieder einmal herzlichen Dank für Deine beiden Kommentare, die Links, als zusätzliche Informationen, dazu deine Erklärungen und Gedanken.
    Wegen mir musst Du ganz bestimmt nichts kürzen. Im Gegenteil.

    Der Reihe nach:
    Ich bin absolut kein Marxist, den einzigen -ismus, den man mir mit Recht vorwerfen kann, ist der Humanismus. Marx war ein Mensch, der sich auch irren konnte. Ein großer Denker, Philosoph, aber auch ein „Produkt“ seiner Zeit.

    Ich bin sicher, es ist nicht verkehrt, ihn (und andere) zu lesen (was ich selbst bisher nie in größerer Umfänglichkeit getan habe), sich mit seinen Theorien, Thesen auseinanderzusetzen, ihn zu entdecken, aber man muss nicht zwingend alles übernehmen. Und sich selbst zum widerspruchslosen „Jünger“ degradieren. Für mich haben weder Marx, noch sonst irgend jemand anders eine unumstößliche „Bibel“ oder Gesetze geschrieben

    Das gilt, zumindest für mich, für jeden Gedanken, jede These und Theorie, für jede Veröffentlichung von jedem Menschen zum Thema „Mensch, Leben und Gerechtigkeit“, zu Politik, Ökonomie, Sozologie et al.

    Jeder sollte und müßte jede einzelne angebotene Information, Denkschrift, These,Theorie für sich selbst gewichten. Das bedingt lesen, verstehen, damit auseinandersetzen.

    Etwas von vorn herein nicht lesen zu wollen, weil es aus „der kommunistischen, marxistischen, sozialistischen Ecke“ kommt, ist schlicht dumm, bzw. solche, als Denkverbote getarnten „argumentativen Waffen“ der Kapitalismusverteidiger werden seit Beginn des kapitalistisch-marxistischen Glaubenskrieges immer wieder, mit Erfolg (Beeinflussung, Propaganda) eingesetzt.

    Thema: Tauschhandel -> Geld; Schuldtürme, Sklavenhaltung, Zinsen, Arm – Reich etc.
    Zunächst tut es mir leid, wenn meine flapsige Ausdrucksweise “ Irgendwann ist das entstanden“ für Irritationen sorgte.

    Selbstverständlich ist „das“ kein Naturereignis, selbstverständlich ist es von Menschen erdacht und mit voller Absicht zum Aufbau, Erhalt und Ausbau der Macht Weniger in den menschlichen Gesellschaften implementiert worden, mit der Zeit verfeinert worden, „ein feineres und reißfesteres gedankliches Netz“ gewoben worden. Es war eine Entwicklung. Es tut mir aufrichtig leid, das Du mich hier missverstanden hast.

    Wenn Anthropologen der Ökonomie Säulen deren Glaubens wegnehmen, läuft das alles, wenigstens für mich, trotzdem auf ein „akademisch interdisziplinäres Weitpinkeln“ hinaus.

    Ich halte die Ökonomie, BWL, VWL, genauso wie Jura, für keine Wissenschaften im Sinne von entdecken, herausfinden, forschen, weiter entwickeln, wie Chemie, Physik, Pharmazie, Medizin etc..

    Diese ökonomischen Fächer sollten, meiner unmaßgeblichen Ansicht nach, auch keinen wissenschaftlichen Status haben. Es sind vornehmlich Paukfächer, Jura sowieso. Ökonomie ist es ebenso, es fußt auf Ideen zur Verwertbarkeit von Gütern und Leistungen.

    Theologie ist m. E. eine reine Glaubensangelegenheit, ein „Ding“, das versucht religiöse Geschichten im Nachhinein als wahrhaft darzustellen, mittels des seriös erscheinenden Anstrichs von wissenschaftlicher Arbeit.

    Und trotzdem ändern diese Bemühungen von Ökonomen und Theologen in ihren jeweiligen Disziplinen nichts daran, das man entweder glaubt oder nicht, auf der bestehenden Wissenbasis.

    Diese, meine Meinung stößt auf erbitterte Gegenwehr und würde zu Argumentationsschlachten führen, würde ich auf sie eingehen.
    Für mich sind andere „Schlachtenfelder“ weitaus interessanter

    Ich habe die Geschichte um die „Clovis-Theorie“ absichtlich angeführt. Sie zeigt nämlich, hier als Beispiel aus der Archäologie, das oftmals ganz persönliche Reputations-Interessen, bzw. die Interessen von „Glaubensgemeinschaften“ innerhalb einer Disziplin, aber auch im interdisziplinären Bereich (z. B. Anthropologen vs. Ökonomen) im Vordergrund der Auseinandersetzung stehen.

    Ich halte die These, Theorie vom Tauschhandel von Gütern der zum Geld führte, für nachvollziehbar. Solange es keine unumstößlichen Beweise für oder gegen diese These gibt, halte ich mich daran (fest), bis mir etwas Belastbares angeboten wird.

    Das die Anthropologie noch nichts gefunden hat, was Tauschhandel in deren Augen beweist bzw. unumstößlich das Gegenteil beweist, ist die Einlassung von dieser Seite für mich kein Beweis, das es ihn nicht gegeben haben soll, das sich daraus, zunächst aus Vereinfachungsgründen Geld entwickelte, danach folgten dann weitere Entwicklungen rund um das Geld, wie Schulden, Zinsen etc.

    Ich bin kein Kenner der Anthropologie, „Clovis“ beweist mir aber, das vermutlich auch die Anthropologen noch nicht alles entdeckt, herausgefunden haben, noch nicht überall gesucht haben werden. Wenn ich damit Thesen aus den Reihen der Ökonomen stütze, kann ich das nicht ändern, es heißt aber auch auf keinen Fall, das ich alles, was Ökonomen sagen und sagten vorbehaltlos unterstütze.

    Natürlich wäre es „gut“ zu Wissen, gesicherte Kenntnisse über frühes wirtschaftliches Handeln der Menschheit zu haben, tiefere, bewiesene Erkenntnisse zu besitzen.

    Haben wir derzeit nicht, was wir haben ist die Existenz des Kapitalismus, Lohnarbeit, von Geld, Schulden, Zinsen etc.

    Diese real existierenden Zwänge basieren auf Glauben, die durch Gesetze, ebenfalls eine menschlichen Erfindung, die Gutes, aber auch Schlechtes gesellschaftlich festigen soll, ein Korsett erhält.

    Diesem Glauben versuche ich und Du, schreibend und gedanklich, funktionierende Alternativen entgegen zu setzen. Marx hat das auch versucht, viele seiner „Jünger“ sind in den Faschismus abgedriftet. Obwohl sie anfänglich etwas ganz anderes, gegenteiliges für die Menschen erreichen wollten.

    Zu Guernsey – und „Das Geld der Zukunft“
    Ich habe aus Guernsey für mich eine Lehre gezogen. Geld scheint für die Menschen ein unverzichtbarer Bestandteil ihres Lebens zu sein. Ein tief verinnerlichter Glaube an DEN WERT schlechthin, der auch noch leicht zu transportieren ist.

    Warum musste/wollte der Gouverneur von G. sein eigenes, zeitlich begrenztes Inselgeld drucken?
    War es nicht möglich, die Bewohner zu einem Gemeinschaftsprojekt zu überreden, überzeugen, sogar zu verpflichten?

    Menschen, die planen, die Baustoffe liefern, die errichten, nicht für Geld (als Entlohnung, Bezahlung, als sichtbarer Ausdruck des beigesteuerten Wertes von Arbeit, Ideen und Materialien), sondern als gemeinschaftlich durchgeführtes Projekt?

    Hatte er darüber nachgedacht und die Idee verworfen? Woran wäre die Umsetzng gescheitert?
    Mir fallen auf Anhieb mehrere Gründe ein, ganz sicher hat es auch etwas mit Vergleichen und Bewertung von individuellen Einzelleistungen jedes Beteiligten durch andere Beteiligte zu tun.
    Geld war (und ist) dort eben auch der einzig anerkannte Wertmaßstab, an den sich alle gewöhnt hatten.
    Fast jeder erwachsene Bewohner hätte sich nützlich machen können, aber jeder wolte seine Nützlichkeit „korrekt“ bewertet sehen und entlohnt werden. Mit Geld.

    Geld, Gold, Werte – In Peru (glaube mich zu erinnern) entdeckten Archäologen eine Tiefebene, die eigentlich mal ein Bergsee war. Sie entdeckten, das der vormalige Bergsee durch, von Menschen erschaffenen, Abflusstechniken trockengelgt wurde. Es waren Spanier, die mitbekamen, das dort bearbeitetes Gold in großen Mengen von Inkas „geopfert“ wurde.
    Warum? Für die Inkas hatten diese Geschmeide und Kunstfiguren aus Gold keinen Wert, sie hatten aber eine Unterversorgung an Salz.

    Salz wurde als gängiges Tauschmittel allgemein in der weiteren Umgebung anerkannt. Die Forschungen dazu dauerten ca. 15 Jahre.
    Für die Eroberer aus Spanien unglaublich, denn sie suchten Gold, weil das in der „alten Welt“ der größte und wichtigste Wert war.

    Griechenland – Austeritätspolitik zum Zwecke des groß angelegten Raubes von Staatseigentum.

    Warum wird Varoufakis, sein DiEM25 immer noch so hoch gelobt im Kreis der europäischen Sozialisten?
    Er und auch Tsipras haben bis jetzt doch nur bewiesen, das sie die gängigen Geld-Theorien genauso befolgen, wie Schäuble, Dijsselblom, die EZB der IWF und BlackRock (ein Berater der Eurogruppe im Fall Griechenland).

    Das kommt nicht von mir, sondern von Frédéric Lordon, gefunden bei „activating democracy“, im Beitrag: Europa demokratisieren – Plan B, aber ich kann mich den Schlussfolgerung von Lordon nach reiflichen Überlegungen nur anschließen.

    Was hinderte den „Sozialisten“ Tsipras, die Milliardäre Griechenlands, all die Steuerhinterzieher zu entmachten, zu enteignen? Die ausländischen Vermögen einfrieren zu lassen, Steuerverfahren zu eröffnen?

    Richtig, er hat nämlich keine Macht, er kann sich nicht auf Polizei, Verwaltung, Militär stützen, aber Griechenlands Parasiten können das und tun es, mit Unterstützung der EU, der EZB und des IWF.

    Er hat nicht genug Finanzbeamte, die diese Arbeit schnell und effizient, korrekt erledigen könnten. Es gibt keine Steuerunterlagen. Er müßte schätzen lassen, ruhig großzügig zu Gunsten der Griechen aufrunden, dann die Nachzahlungen gewaltsam beitreiben lassen.
    Er würde nichts davon durchsetzen können.

    Er hat sich den Bedingungen gebeugt. Vielleicht, weil er nach seiner Wahl, vielleicht auch erst nach seiner Wiederwahl das tatsächliche Ausmaß seiner Ohnmacht als „geduldeter Ministerpräsident“ aus dem sozialistischen Lager erkennen konnte, das er unter all diesen Bedingungen gar nichts machen kann.

    Und er keine Möglichkeit hat, die Bedingungen zu verändern, zu beeinflussen.

    Dieser Sozialist ist sogar ein propagandistisches Gottesgeschenk für jeden Kapitalisten, sagt es doch vordergründig: „Sehet her, niemand kann sich unseren, den KAPITALISTISCHEN Gesetzmäßigkeiten entziehen, erst recht kein Sozialist“

    Und es wird mehrheitlich geglaubt. Und jetzt bin ich ziemlich müde….

    Viele liebe Grüße an Dich

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  9. Nun mein Lieber, es ist mir nicht wichtig, ob Du Marxist bist oder nicht. Ein Mensch bist Du in jedem Fall. Ebenso wie Marx einer war oder Jesus oder Buddha. Ich bezweifle, dass sich die drei (jemals) selbst als Marxist, Christ oder Buddhist gesehen haben. Dazu eine kleine Geschichte: »WARUM DER BUDDHA KEIN BUDDHIST WAR« von Wolfgang Koch ( http://blogs.taz.de/wienblog/2012/04/23/warum-der-buddha-kein-buddhist-war/ ). Du hast sicherlich bemerkt, dass ich in meinen Texten weitgehend auf Ismen verzichte. So halte ich es mit den Isten. Bisher konnte mir niemand schlüssig erklären, wer oder was ein Linker oder Rechter ist. Somit benutze ich diese Bezeichnungen ebenfalls nicht. Darum ging es mir nicht. Vielmehr wollte darauf hinweisen, dass Parteien, deren Ideologien auf diesen Annahmen beruhen, konform zum »modernen« Gesellschaftssystem sind. SPD und Linkspartei müssen zwangsläufig als Bettvorleger landen. Fake-Opposition in einer Fake-Demokratie mit Fake-Freiheit, Fake-Gerechtigkeit, Fake-Leistungsprinzip, Fake-Geld, Fake-Wissenschaft, Fake-Gegensätzen, Fake-Feinden (innen wie außen) … Das alles lässt sich nur mit Fake-Bildung, Fake-Politik und Fake-News zusammen halten. So lange sich niemand in den politischen »Eliten« auf die Fahne schreibt, an den grundlegenden systemischen Stellschrauben zu drehen, und zwar im Interesse des (unteilbaren) Gemeinwohls, so lange ist es für die Menschen völlig gleich, wer sie »führt«. Martin Wagenknecht, Sahra Schulz, Angela Petry, Frauke Özdemir, Cem Merkel, … ; es kommt immer das Gleiche (nicht dasselbe) heraus: Wenige werden noch reicher und viele werden noch ärmer. Dabei braucht die Menschheit weder Reichtum noch Armut.

    »Wenn Anthropologen der Ökonomie Säulen deren Glaubens wegnehmen, läuft das alles, wenigstens für mich, trotzdem auf ein „akademisch interdisziplinäres Weitpinkeln“ hinaus. «
    Und ich dachte, Du schaust einfach mal bei David Graeber nach. Es dreht sich nicht in um das Wegnehmen (war rein sinnbildlich), sondern um das Entdecken. Und die Anthropologen haben etwas entdeckt (»bestehende Wissenbasis«, wie Du es nennst – Kooperations-, Geschenk-, Kreditwirtschaft), wogegen die Ökonomen die eine bestimmte Form des Tauschhandels, als Grundlage zur Entstehung des Geldes, zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte und an keinem Ort belegen können (keine »bestehende Wissenbasis«). Es war nie »Wissensbasis«, sondern von Anfang an eine fiktive Geschichte. Die empirische Forschung entlarvt einen ökonomischen Mythos. Das hat eben nichts mit „akademisch interdisziplinärem Weitpinkeln“ zu tun.

    »Ich halte die These, Theorie vom Tauschhandel von Gütern der zum Geld führte, für nachvollziehbar.«
    Dir ist schon klar, dass sich diese Geschichte auf den Tauschhandel innerhalb einer kleinen Gemeinschaft bezieht? Wärst Du in so einen »Dorf«, in welchem vielleicht eine Kooperationswirtschaft existierte – Menschen nicht an Geld gewöhnt waren, auf die Idee gekommen, ein Geschäft zu eröffnen? Wo hättest Du all die Waren hergenommen? Wie und wo hättest Du den ganzen Warenberg gelagert, damit Du alle Tauschmittel sofort und immer verfügbar hast? Wie hätte die Gemeinschaft darauf reagiert, dass gemeinsam geschaffene Werte, die vormals gemeinschaftlich gelagert und verteilt wurden (bei den Indianern in den Langhäusern) nun privat, mit Gewinn, verteilt werden sollen?

    Um wenigstens an einem Beispiel zu zeigen, worum es geht (den Graeber lege ich Dir trotzdem wärmstens ans Herz): Kreditwirtschaft, die auch ohne Geld funktioniert. Das Fei Lun – das fliegende Rad.
    »… Einig sind sich alle Forscher, dass in China vor 9000-11000 Jahren, Rinder – die Wertebasis für allen Handel darstellten. Daraus resultierte jedoch kein Tauschhandel – wie oft verkannt, sondern ein Kreditsystem. Wer Rinder, d.h. Güter hatte, war kreditwürdig. China entwickelte sich nicht vertikal sondern horizontal, über eine Vielfalt autonomer landwirtschaftlicher Märkte, mit eigenen Währungssystemen, die alle kreditbasiert funktionierten und keine Konvertierung zu komplementären Währungen vorsahen und wünschten. Es war keine Gemeinschaftswährung – sondern ein persönliches Kreditsystem – Jeder für Jeden…« http://www.initiative.cc/Artikel/2011_07_23_Fei_Lun.htm

    »Zu Guernsey – und „Das Geld der Zukunft“«
    Bevor ich Guernsey verlinkte, schrieb ich, dass (radikale) Veränderungen nicht von heute auf morgen passieren (über eine Transformation ) UND dass man aber trotzdem keinen »neuen« Menschen benötigt. Dabei ging und gehe ich von der Anerkennung des gegenwärtigen gesellschaftlichen Ist-Zustandes aus. Es gibt Arme und Reiche, Omas mit »Kleinhäuschen«, Menschen mit Rentenansprüchen, Sparer … Weil die Menschen so sind, wie sie jetzt sind, nämlich auf Geld konditioniert, muss man Lösungen finden vor denen niemand Angst haben muss und/oder sich benachteiligt fühlt. Niemandem sollte etwas weggenommen werden. Allein die Beseitigung von Privilegien einer winzigen Schicht der Gesellschaft, die es ihr ermöglichen, auf dem Rücken der anderen leistungslos Profite einzustreichen, sollte zunächst das Ziel sein. Eine der ersten Etappen.
    Warum ist Guernsey so interessant? (Nebenbei: Das Geld war nicht zeitlich befristet, sondern zweckgebunden. War sein Zweck, Fertigstellung einzelner Projekte, erfüllt, wurde es aus dem Verkehr gezogen.) Heute ist Geld ein negativer Vermögenswert. Es entsteht ausschließlich durch Verschuldung. Das liegt an der Art der Geldschöpfung (Forderung an Verbindlichkeiten). Für alle Projekte muss sich das Gemeinwesen/»Staat« (Nichtbank) Geld leihen oder aber jemandem etwas wegnehmen. Auf Guernsey ging man diesen Weg nicht. Man schaffte Geld als positives Vermögen der Gemeinschaft. Die Leistungserbringer gaben sich selbst zinslosen Kredit und verschuldeten (versklavten [was den Menschen als Individuum gilt, gilt auch für die Gemeinschaft – so weit dachte man auf Guernsey damals noch nicht]) sich nicht bei Banken und/oder Wohlhabenden. Das Geld verschwand und die erwirtschafteten Werte blieben dem Gemeinwesen erhalten und außerdem baute man sogar die Verschuldung gegenüber dem Mutterland ab. Ich würde das Geld auf Guernsey nicht als das Geld der Zukunft bezeichnen. Ein Geld des Übergangs (obwohl dieser in der Zunkunft liegt) trifft es, für mich, besser.

    Herzliche Grüße

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