Feindbilder

Über die Nützlichkeit von Denkfaulheit und angeborener Intoleranz

Feindbilder sind nützlich und unverzichtbar.

Für die Herrschenden, die Besitzenden, das Kapital, die Regierenden, für all diejenigen, die einen Plan© haben.

Diejenigen, die einen Plan© haben, sind immer nur wenige Menschen. Ich möchte sie schlicht, einfach, plakativ und populistisch die „Macher© nennen.

Die Anderen, das sind die allermeisten Menschen, haben keinen Plan. Sie sind „keine Macher“.

Deren Plan ist kein wirklicher Plan.

Sie haben Hoffnungen, Träume, Lebensanschauungen und Meinungen, aber keinen Plan©.

Sie wollen leben, zumeist auch friedlich miteinander leben, oft müssen da aber gewisse „Voraussetzungen“ und „Bedingungen“, die an die Mitmenschen gestellt werden, erfüllt sein, um dieses friedliche Miteinander umzusetzen.

Sie wollen arbeiten, sich nützlich machen, für ihre Arbeit und Nützlichkeit Geld erhalten, weil es immer so war und nur sehr wenige Menschen sich eine funktionierende Gesellschaft ohne Lohnarbeit vorstellen können.

Sie wollen arbeiten und konsumieren, Familie gründen, ihre Kinder in Frieden aufwachsen sehen, ihre Kinder sollen „es auch mal besser haben, als man es selbst mal hatte“.

Sie wollen ein gerechtes Einkommen erzielen, etwas ansparen, für größere Anschaffungen, oder einfach „für schlechtere Zeiten“.

Sie wollen am Ende ihres Arbeitslebens eine sichere und ausreichende Rente erhalten.

Um weiterhin in Frieden etliche Jahre noch leben zu können, sie wollen möglichst „keine Last“ für ihre längst schon selbst erwachsenen Kinder und die Enkelkinder sein.

Und ganz am Ende, wenn der Körper nicht mehr mitmacht, wollen sie in Ruhe und Frieden sterben.

Ich bin sicher, jeder meiner LeserInnen gehört zur Gruppe der „keine Macher“. Denn die Gruppe der „Macher© hat absolut keinen Grund, bei mir zu lesen. Kritik an den „Machern©ist unerwünscht. Und führt auch zu nichts.

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Die Hoffnungen und Träume auf das oben beschriebene Lebensziel der allermeisten Menschen wurden in Deutschland und Kontinentaleuropa ab Ende 1998 ganz brutal zerschossen. An den neoliberalen Kanonen saßen in Deutschland als Geschützbedienungen Sozialverräter aus den Parteien der spd und der Grünen.

In UK, dem Vorreiter der neoliberalen Doktrin in Europa, war es die konservative, menschenverachtende Politikerin Margret Thatcher, die in den 1980er-Jahren den neoliberalen Finanzfaschismus einführte, festigte und vervollkommnete. Ihr folgte ein Labour-PM namens Tony Blair, der es ebenfalls nicht mehr für nötig befand, die ursprünglich soziale Ausrichtung der englischen Arbeiterpartei noch irgendwie zu befolgen.

Ganz nach dem Vorbild der Wirtschaftspolitik, die unter Ronald Reagan in den USA erfolgreich Einzug gehalten hatte.

Nicht das Reagan jemals in seinem ganzen Leben soviel Verstand besessen hätte, um auch nur ansatzweise zu kapieren, was er da anrichtete, als er den Wirtschafts- und Finanz-Ökognomen aus der Chicagoer Schule erlaubte, ihre asozialen Theorien in die Wirklichkeit umzusetzen.

Ganz im Gegensatz zu Mrs. Thatcher, der „eisernen Lady“, wie sie medial betitelt wurde.

Denn der Dame waren grundsätzlich schon immer arbeitende Menschen, Lohnabhängige und sozial Schwache, Arme, Kranke, Kinder, generell Wehrlose ein Gräuel.

Mrs. Thatcher als „Sozialverräterin“ zu titulieren, wäre ein lauer Witz. Ihr Ausspruch: „There is no such thing as society“ sollte ausreichen, um meine Beurteilung zu stützen.

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Ja und, was hat das mit Feindbildern zu tun?“

Alles, mein ungeduldiger Freund!

Denn zu den großen Herausforderungen, vor allem in sogenannten Demokratien, zählt es für jeden „Macher©, einen Weg zu finden, das „der Plan©, der nur ihm, seinem Kreis, seiner Gruppe zum Vorteil gereicht, von all den Verlierern auch noch möglichst widerstands- geräusch- und widerspruchslos unterstützt wird.

Dazu braucht der Kreis der „Macher©“ die Feindbilder.

Selbst in ausgesprochenen Diktaturen reicht der alleinige Einsatz von jedweder plumper Gewalt nicht vollständig und über einen langen Zeitraum nicht immer aus, um den „Plan© umzusetzen.

Feindbilder sind ein wesentlicher Faktor der gezielten Meinungslenkung und Meinungsbildung im großen Kreis der „Nicht-Macher“.

Sie können das Propaganda, Mainstream-Medien, Werbung, Desinformation, Lügenpresse nennen. Der Begriff ist „wurscht“.

Es läuft schlussendlich immer nur darauf hinaus, die Meinung im Kreis der „Nicht-Macher“ nachhaltig zu beeinflussen, zu formen und zu verfestigen.

Und zwar im Sinne der „Macher©, im Sinne derer, die den „Plan©“ haben.

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Beispiele?

In und bereits vor der Zeit des Nationalsozialismus wurde den Menschen in Deutschland das jüdische Volk als der Hauptgrund für die herrschende Massenarbeitslosigkeit und Massenverelendung präsentiert, die Deutschland nach dem verlorenen ersten Weltkrieg fest im Griff hatte.

Es waren nicht nur die wirtschaftlichen Miseren, die das Ende der „Weimarer Republik“ herbei führten, sondern vor allem auch der irrsinnige, zutiefst gekränkte deutsche Nationalstolz der noch aus dem vergangenen Kaiserreich herrührte.

Die gepflegte „Dolchstoßlegende“ war dabei als Feindbild ein erheblich wirksames Mittel in den rechten, nationalen, völkischen Lagern, aber auch immer gerne im deutschen Bürger- und Großbürgertum gehört.

Um die Ausweitung des Krieg gegen die damalige Sowjetunion medial vorzubereiten und öffentlich zu rechtfertigen, wurde das Feindbild des „Bolschewiken“ und der „slawischen Untermenschen“ durch die NS-Propaganda und ihrem Minister Joseph Goebbels inszeniert.

Ab 1946 wurde das Gespenst der „kommunistischen Bedrohung des Weltfriedens und der damit einhergehenden Vernichtung jeglicher Individualität durch den imperialen Weltkommunismus“ im westlichen Lager eingerichtet. Diesmal durch die USA, mit freudiger Unterstützung der, wieder in Amt und Würden gekommenen Altnazis in der alten Bundesrepublik, der „Bonner Republik“.

Dieses übergroße Feindbild diente den „Machern© des westlichen, kapitalistisch ausgerichteten Lagers bis zum Zusammenbruch des „Ostblocks“, der Auflösung der Sowjetunion und seiner Satellitenstaaten, der Auflösung des Warschauer Paktes. Das alles passierte Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre. Mehr als 40 Jahre reichte den „Machern© im Westen das Feindbild des „Ostblocks“ aus.

An vorderster Front, immer mit dabei und am lautesten, am infamsten, die Printerzeugnisse des Axel-Springer-Verlages, mit seinem „unabhängigen, überparteilichen“ Flaggschiff „BILD“.

Angeblich soll Springer seinen Verlag auch mit Finanzhilfen der CIA (bis zu 7 Millionen Dollar und das war damals richtig Geld) gegründet haben. Noch im Jahr 2003 ließ die taz im Artikel „cia und presse“ solches vermelden.

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Das dieser Zusammenbruch des „Ostblock“ auch erheblich durch den NATO-Doppelbeschluss von 1979 forciert wurde, war den Befürwortern wie Helmut Schmidt, Giscard d´Estaing und James Carter vielleicht damals nicht klar. Das erzwungene Wettrüsten in Europa stellte den „Ostblock“ letztendlich vor unlösbare wirtschaftliche Probleme.

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Während der Teilung der Welt in „Ost und West“ ließen die westlichen „Macher© die westlichen Völker an ihren Profiten teilhaben.

Sie zahlten faire Löhne, beteiligten sich am „sozialen Netz“ der staatlich getragenen Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherungen.

Sie ließen sich, von den seinerzeit starken Gewerkschaften, ein 13tes, sogar 14tes Monatsgehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, 30 Tage bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, 38.1/2 Stundenwochen, einen starken Kündigungsschutz und so viele weitere soziale Errungenschaften abhandeln.

Sie murrten zwar ob starker Arbeitsschutzgesetze für die Arbeitnehmer, aber sie machten mit.

Denn sie wollten und mussten, aus Eigeninteresse heraus, die „westlichen Nicht-Macher“ ganz einfach „bei der Stange halten“.

Sie mussten ein funktionierendes Gegenmodell zum Kommunismus aufbauen und bezahlen.

Das taten sie über 40 Jahre lang. Es schmälerte ihre Profite, sie ließen ihre tatsächlichen Einflussmöglichkeiten und ihre Machtpositionen gegenüber der Politik und der Bevölkerung teilweise nicht zum Tragen kommen.

Aber sie taten auch etwas anderes. Sie machten nämlich auch während dieses „kalten Krieges“ bereits einträgliche Geschäfte mit dem „Klassenfeind im Osten“.

Nicht das ein solches Gebaren erst nach dem 2ten Weltkrieg in Mode gekommen wäre. Das war schon seit Menschengedenken so.

Der Ostblock stellte preiswert gefertigte Waren für den westlichen Konsumenten her, für diejenigen der „Nichtmacher“, die auch während des „kalten Krieges“ im Westen durch schlechter bezahlte Arbeiten nicht in dem Umfang am Wohlstand teilhaben konnten, wie es die meisten anderen Lohnabhängigen konnten.

IKEA, der schwedische Holzkonzern ließ in DDR-Gefängnissen produzieren. OTTO-Versand, Quelle und Neckermann boten preiswerte Kleidung an, die im „Osten“ gefertigt worden war. Fotoapparate, „weiße Ware“, „braune Ware“ folgten.

Die deutsche Stahlindustrie ließ ab den 1970er-Jahren bereits im „Osten“ produzieren.

Die westlichen Pharmakonzerne umgingen die, ihrer Ansicht nach, viel zu rigiden und kostenintensiven Testvorschriften für neue Medikamente, indem sie die inhaftierten „Brüder und Schwestern“ in der DDR, mit Einverständnis und Unterstützung des dortigen Staatsrates, als lebende menschliche Versuchskaninchen nutzten.

Franz-Josef Strauß ließ der DDR-Führung 1983 einen 1,5 Milliarden-DM Kredit zukommen, um die drohende Pleite der DDR abzuwenden. Den zahlte die DDR, mit Zinsen, auch zurück. „Sozialistische Misswirtschaft“? Wer so einen Blödsinn redet, ist auch Opfer von Feindbildern.

Strauß tat das nicht aus Altruismus, der Mann war ein Kapitalist durch und durch und musste die Bonner Denk-Gnome um Helmut Kohl tatsächlich von ihrer eigenen Propaganda gedanklich erst noch befreien, damit die kapierten, das das „System Ostblock und DDR“ damals noch gestützt werden musste. Wegen der enorm hohen westlichen Profite.

Sie sehen, damals ließ man die „Guten“ im Westen unbedingt im Glauben, das der „Kommunismus“ alle Menschen ins Verderben führen wird.

Der DDR-Staatsrat hing seine damalige Praxis auch nicht an die „große mediale Glocke“, in dem man auf das Wirtschaftsmodell „Ausbeutung von Häftlingen und Kranken und Wehrlosen“ aufmerksam machte.

Auch auf dieses „Ertragsmodell“ haben die „Bolschewiken“ des 20sten Jahrhunderts nicht das Copyright. Unser aller Vorfahren sind auf solche Gedanken schon viel früher gekommen.

Bewährtes kommt halt nicht aus der Mode“.

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Mehr als 40 Jahre folgten der Westen, ganz besonders die Deutschen einem einzigen Feindbild. Was waren die Menschen, die „Nicht-Macher“ der alten BRD doch genügsam.

Joseph Goebbels hatte ab 1933 nur das Radio, die Zeitungen, Reichsparteitage, die Filmindustrie und den Berliner Sportpalast um seine Feindbilder erfolgreich zu kommunizieren.

Er war wahrlich ein ganz Großer seines Faches (Ironie! Ich schreib’s besser dazu!)

Nicht auszumalen, wenn der Mann das Internet gekannt und hätte nutzen können!

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Seit 1998 kommen die „Macher©, die mit dem Plan©, nicht mehr mit einem Feindbild aus.

Als sie den mehr als 40 Jahre bestehenden Pakt mit der Politik kündigten, von dem die „Nicht-Macher“ niemals etwas wussten, bestenfalls vielleicht etwas ahnten, hatten sie viel weitergehende Absichten, als nur die fortgefallene Notwendigkeit im Teilen mit den „Nicht-Machern“ zu verfolgen.

Sie wollten nicht nur ihre Profite behalten, sie wollten sie in noch nie dagewesenem Umfang ausbauen. Und hatten sogar viel weitergehende Pläne©, wie sie bereits im Amerika eines Reagan und im England einer Thatcher so erfolgreich implementiert worden waren.

Es ging nicht mehr nur um die Sicherung und den Anstieg von Profiten, die wieder durch die Arbeitnehmer bezahlt werden sollten. Wie das schließlich schon immer gewesen war. Das wurde den „Nicht-Machern“ als die unabdingbare Wiederherstellung „der internationalen Wettbewerbsfähigkeit“ verkauft. Erfolgreich

Es ging und geht immer noch, einzig um die unangefochtene Vormachtstellung der Besitzenden, die institutionalisierte Macht des Kapitals, die das Primat der Politik ersetzen soll. Siehe „Freihandelsabkommen“.

Seit dem neoliberalen Umbau Deutschlands und Europas fliegen den „Nicht-Machern“ die medial aufbereiteten Feindbilder nur noch so um die Ohren.

  • Es fing mit dem Feindbild Islam an. Da werden bis heute 2,2 Milliarden Muslime ganz gezielt und sehr erfolgreich unter den Generalvorwurf des weltweiten Terrorismus gestellt.

  • Damit einhergehend wurde der stetige Abbau bürgerlicher Grundfreiheiten, wie der Datenschutzabbau legitimiert. Den Bürger stört es nicht.

  • Das Feindbild Islam diente zur Legitimierung von Kriegen und Regierungsumstürzen von Nordafrika bis nach Afghanistan. Sehen sie sich diesen „Gürtel“ einmal auf einer Weltkarte an. Damit sie ein Gefühl bekommen, in welchem Ausmaß das Feindbild Islam bereits genutzt wurde.

  • Die neoliberalen Sozialgangster um Schröder, Steinmeier, Müntefering, Riester, Fischer, Trittin schürten monatelang das Feindbild des „Sozialschmarotzers“. BILD gab Schützenhilfe und trieb wochenlang den „Florida-Rolf“ und andere angebliche „Sozialabgreifer“ durch die Dörfer. Nur um das Sozial-KZ „Hartz IV“ zu legitimieren. Die meisten Deutschen haben das sehr gerne sofort verinnerlicht.

  • Ab Oktober 2015 wurde das menschliche Drama der weltweit etwa 60 Millionen Flüchtlinge in einem perversen Spektakel durch widerliche Politiker und medial inszenierten Wahnorgien erfolgreich in das „Feindbild Flüchtlinge“ verändert. Die darauf hin angestiegenen Straftaten gegen Leib und Leben von Flüchtlingen und brennende Unterbringungsplätzen belegen die erfolgreiche Instrumentalisierung des „Feindbildes Flüchtlinge“.

  • Seit 2016 bereitet die deutsche Regierung (die GroKo aus CxU und spd) die deutschen „Nicht-Macher“ auf die Wiederherstellung deutscher Großmachtansprüche vor. Man nennt es vornehm „deutsche Gestaltungsmacht“. Hierzu wurde das Feindbild „Putin und Russland“ auserkoren und reaktiviert. Das Feindbild „Russland“ scheint immer wieder und immer noch bei einem Großteil der geistigen Gartenzwerge aus dem Kreis der deutschen „Nicht-Macher“ zu ziehen. Seit dem 18ten Jahrhundert wurden die Deutschen immer wieder erfolgreich von ihren jeweiligen „Machern© gegen Russland gehetzt. Und nie gelang den „Machern© irgend ein substantiell erfolgreiche Sieg, immer wieder nur „blutige Nasen“ bei den Nicht-Machern, die sich gegen Russland hetzen ließen.

  • Ganz aktuell ist „Rechts, völkisch, national“ zum Feindbild geworden. Aber nur weil es Donald Trump gelungen ist, die Favoritin der neoliberalen europäischen und deutschen Eliten, Hillary Clinton, bei den US-Präsidentschaftswahlen zu schlagen. Weil der Mann „populistisch“ agiert hat. Das darf man nicht. Populismus ist nur dann anzuwenden, wenn es den Zielen der Besitzenden zum Vorteil gereicht. Populismus gegen deren Interessen anzuwenden, ist „pfui“, billig und zeugt von geringen geistigen Gaben.

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Die Deutschen scheinen eine Vorliebe für Feindbilder zu haben.

Dieses deutsche Volk, ein Sammelsurium unterschiedlicher Volksstämme, das erst im 19ten Jahrhundert „ein einig Vaterland“ wurde, scheint über seine Affinität zu Feindbildern gegenüber jedem seiner Nachbarn („welsche Unarten“, ein geflügeltes Wort unserer näheren Vorfahren) auch an einer unerschöpflichen Kriegslust zu leiden.

Zusätzlich zu seinem unglaublich dämlichen und fatalen Hang zum „geführt werden wollen“.

Sind neben der fatalen Lage Deutschlands in der Mitte Europas zusätzlich auch noch nie überwundene Minderwertigkeitskomplexe dafür verantwortlich?

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Selbstverständlich muss auch mein Tag Struktur haben und deshalb habe ich auch Feindbilder, nämlich alles was und jeder/jede wer mit Neoliberal zu tun hat, für Neoliberal arbeitet, schreibt, spricht und daran glaubt.

Also auch jeder bräsige, apathische, denkfaule, intolerante, arrogante und ignorante Bürger und Wähler, der dieses System in irgendeiner Weise stützt. Wider seiner eigenen Interessen.

Diese Tatsache ist für mich das eigentlich Unfassbare.

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Neben den Feindbildern, die die „Macher“ ständig präsentieren und ausgiebigst bewerben, haben sie noch andere „massenpsychologische Pfeile“ im Köcher.

Da ist die gezielte Desinformation durch die mediale Verbreitung von Halbwahrheiten, aus dem Zusammenhang gerissenen Teilwahrheiten oder schlichten Lügen zu nennen.

Oder „unter-der-Gürtellinie“-Kommentare aus dem nicht mehr existenten Bereich deutscher Qualitätsjournalisten. Ein sehr gelungen sezierendes Beispiel dafür fand ich im Beitrag „Herr S. wirft mit Dreck“ des Blogs „Fliegende Bretter vom 29. November.

Desinformation im Zusammengehen mit Feindbildern wurden auch auf der „Rationalgalerie“ mit dem Beitrag „Der Cyber-Russe ist unterwegs“ kommentiert.

Aber auch der von mir hoch geschätzte Jochen Hoff vom Blog Duckhome, ließ sich im Beitrag „Gekauftes und Gekaufte“ am 30. November unnachahmlich bissig zu dem Feindbild Russland im Zusammenhang mit der Unfähigkeit der Telekom aus, Updates auf deren Billig-Routern durchzuführen.

Einen weiteren Link zum Blog „ZG-Zeitgeistlos“ will ich ebenfalls anbieten. Dort finden Sie den neuesten Text „Narrative Legenden“ vom 02.12.2016. Dieser Text passt ganz hervorragend zu meinen heutigen Überlegungen zum Thema „Feindbilder“ und „Desinformation“.

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Noch nicht am Ende, aber fast.

Zu Desinformation und medialer Beeinflussung fand ich, wieder einmal bei der ARD, ein negativ gelungenes Beispiel.

Die ARD scheint sich endgültig in den neoliberalen Haussender der Regierung gewandelt zu haben.

Kost‘ ja nix, einerseits Zwangsgebühren-finanziert durch den Michel und andererseits politisch unterwandert durch Räte und Gremien.

Mir stieß schon die als Dokumentation getarnte Beweihräucherung des Dr. Schäuble in „Schäuble – Macht und Ohnmacht“ im letzten Jahr ganz unangenehm auf. Der Link führt zum 75 minütigen Film auf Youtube (immerhin 40Tsd. Klicks), denn in der ARD-Mediathek ist er nicht mehr im Angebot.

Letzte Woche, am 29.11.2016 beglückte der langjährige ARD-„Journalist“ und Hofberichterstatter Reinhold Beckmann mit seiner Produktion „Sigmar Gabriel und die spd – Niedergang oder Aufbruch“ das deutsche Wahlvieh. Allerdings erst um 22:45 Uhr. Da liegen die meisten Michel bereits im Bettchen, um sich für den nächsten Arbeitstag zu rüsten.

Es besteht allerdings die Gefahr, das viele Bürger die Mediathek in Anspruch nehmen. In der Inanspruchnahme der ARD-Mediathek besteht natürlich nicht so sehr eine Gefahr, sondern die Gefahr besteht darin, dem manipulierenden Zweck dieses Werbefilmchens „auf den Leim zu gehen“.

Tenor von 48 Minuten vorweihnachtlicher Politbesinnlichkeit: Sigmar, der Familienmensch, der mit der schweren Kindheit, der mit dem guten Bauchgefühl für Stimmungen, der eben auch mal, als Wirtschaftsminister FÜR die deutsche Wirtschaft handeln muss, weil er Wirtschaftsminister ist – da muss man pro-Wirtschaft handeln – sozusagen qua Amt, immer!

Gucken sie sich die Sigmar-Reklame mal in Ruhe an und hören Sie genau zu – was, wie und wen Beckmann auch sonst noch befragt / zu Wort kommen lässt.

Als ich diese arroganten Knüppel Schröder und Müntefering sah, war ich allerdings restlos bedient und wollte schon abschalten. Bei diesen beiden Gestalten überkommt mich viel mehr als nur abgrundtiefe Ablehnung eines Politikers und deren „politischer Arbeit“.

Für die beiden ist, meiner Meinung nach, auch ein verschärfter lebenslanger Strafvollzug eine viel zu gering ausfallende Würdigung ihrer Taten.

Im Sigmar-Werbespot kam kein Wort zu seiner Zugehörigkeit zur Atlantikbrücke. Kein Wort zu seinem Goslarer Beratungsbüro, das er zumindest noch in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident betrieb und das ihn in Sachen VW, als gesetztes Aufsichtsratmitglied, „Beratungs-Einnahmen“ erzielen ließ.

Es scheint der Wunsch der „Macher© zu sein, die GroKo, das bewährte „Weiter so“ auch nach 2017 fortführen zu wollen. Dabei soll Beckmann helfen, andere Polit-Talker aus ARD und ZDF werden folgen und natürlich alle anderen relevanten und erprobten Systemmedien.

Eine spd unter 20% wird dieses Vorhaben schwierig gestalten.

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Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter auf die vielfältigen Beeinflussungen eingehen, die Beckmann angewendet hat, wie Schnitt, Darstellung der Person Gabriel mittels der unkritischen, nicht nachhakenden Fragen, den viel zu unkritischen OFF-Kommentaren und der Placierung des Objektes Gabriel vor diversen filmischen Hintergründen.

Dieser „Werkzeuge“ bedient sich jeder Filmemacher.

Für mich besteht der Unterschied darin, ob ich Werbung für Waschmittel oder Yoghurt betrachte, oder eine angebliche Hintergrundreportage über einen ziemlich unbeliebten Politiker anschaue.

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Es ist für die meisten meiner Kollegen aus dem Kreis der „Nicht-Macher“ eben nicht so einfach zu durchschauen, wie sie manipuliert werden. Und wir, die „Nicht-Macher“ sollen es auch gar nicht durchschauen.

Dann müsst ihr „Macher©euch eben wieder mal mehr Mühe geben.

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Erst die Absicht bemerken und durchschauen, dann reagieren, zum Beispiel 2017 und denen von CxU, spd, FDP, Grünen und vor allem der AfD eine deutliche Abfuhr erteilen.

Ob ein grundlegender politischer, sozialer und gesellschaftlicher Wechsel durch eine sehr starke PdL erreicht werden kann? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, das Frau Wagenknecht nicht alles machen kann. Denn die PdL ist nicht EINE Partei, da muss ich Sigmar Gabriel, einem „Mit-Macher“ zustimmen.

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An die Leser, die einen Volksaufstand, eine Revolution präferieren:

Macht das ruhig, wenn ihr gewinnt, wird dieses deutsche Volk auch euch folgen, sich genauso „führen“ lassen, wie sie es immer schon getan haben.

Während eurer Revolution werden sie genauso seelenruhig und bräsig die Geschehnisse abends auf dem Sofa verfolgen, am nächsten Tag, mit Verspätung, zur Arbeit erscheinen („verdammte Revoluzzer“) und euch nach eurem Sieg huldigen.

Wurd‘ ja auch mal wirklich Zeit. Echt jez, hab‘ ich doch schon immer gesagt, nich Mama, hab ich das nich schon immer jesacht?“

Aber während eurer Revolution, glaubt und hofft ja nicht auf Unterstützung.

Ihr solltet vorher die charakterlichen Eigenschaften des Volkes, das ihr befreien wollt, genauestens kennen.

Die Deutschen sind für klare Verhältnisse und bevorzugen eindeutig kalkulierbare Risiken.

Eigentlich bevorzugen sie absolut keine eigenen Risiken.

Es ist einfach nur eine Vollkasko-Mentalität!

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11 Comments

  1. Hmmm.
    Ist es nicht so, dass die meisten Menschen die nützlichen „Macher“ sind? Was machen die anderen eigentlich?
    Ist es tatsächlich so, dass die nützlichen „Machern“ unbedingt Geld und/Rente (ist auch Geld) wollen oder die Dinge und Dienstleistungen, die man damit kaufen kann? Wollen sie nicht einfach ein gutes Leben mit einem akzeptablen Lebensstandard?
    Ist es nicht so, dass die „weiß-nicht-was-Macher“ alles dafür tun, damit sich die nützlichen „Macher“ diese Fragen nicht stellen und bemerken, dass sie alle in einem Boot sitzen?
    Ist es nicht so, dass die „weiß-nicht-was-Macher“ die nützlichen „Macher“ schon seit tausenden von Jahren (nicht erst mit dem „Neoliberalismus“) an der Nase herumführen und sich dafür die abscheulichsten Geschichten, inklusive Krisen und Kriege, ausdenken?
    Ist es nicht auch so, dass bisher keine Revolutionen oder Wahlen wirkliche Lösungen für die nützlichen „Macher“ gebracht haben?

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    1. So ist es, Carlo.
      Ich habe bewusst provozieren wollen, im Teil mit den „Machern©“, die mit DEM Plan© und den „Nicht-Machern“, die ohne DEN Plan©. Die „Nicht-Macher, die sich nach DEM Plan© der „Macher©“ immer schon gedreht haben. Ich hatte mir gedacht, „mal sehen, ob die Leser von selbst drauf kommen?“

      Das alles kommt mir wie ein Fußballspiel vor, die Regeln sagen, es müssen 11 Mann von jedem Klub auf dem Platz sein. Jeder der kann, oder laubt zu können, will spielen, die meisten sitzen aber draußen, weil die MACHER© der Klubs, also derTrainerstab, Präsident, Manager, Sportdirektor in ihrem Plan© festgelegt haben, das nur die spielen, die nach Meinung der „Macher©“ die am besten Geeignetesten sind.

      Seit den neoliberalen Zeiten haben die Macher© die Regeln verändern lassen, es war Teil ihres Planes©, sie lassen jetzt auch mit weniger als 11 Mann spielen, haben mehrere Bälle eingeführt haben ein paar Roboter vor einem viel größeren Tor aufgebaut.Und die „Nicht-Macher“ befolgen auch die veränderten Regeln. Wie sie es immer taten.

      Was Du direkt angesprochen hast, ist derm größten Teil der Gruppe der „Nicht-Macher“ in ihrer Gänze noch nie klar geworden.

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      1. Smile. So kann man es auch sehen. Nur warum verbeißt Du Dich so sehr am »Neoliberalismus« verbeißt, verstehe ich nicht. Die »Macher©« ändern seit tausenden von Jahren die Regeln. Sklavenaufstände, Bauernkriege, Revolutionen, Maschinenstürmer, Streikbewegungen durchziehen die Geschichte.
        Die modernen »Macher©« haben auch keinen Plan. Sie haben die Ökonomie, die auf einem verzinsten Schuldgeld beruht und auf der Voraussetzung, dass das Menschenleben eine Ware ist.
        Wer, egal aus welchem Grund, mehr Geld fordert, fordert gleichzeitig mehr Schulden und unendliches Wachstum. Wer, egal aus welchem Grund, sein Leben auf einem »Markt« zum Kauf anbietet, wird immer ein Sklave bleiben. Der »Neoliberalismus« ist nur eine spezielle Spielart der »Macher©«. Ohne ihn wäre nichts besser, vielleicht nur anders.

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      2. Noch einen Nachsatz:
        Gerade weil die »Nicht-Macher«, nach Deiner Definition, an ihrem Sklavendasein festhalten und daran glauben, was durch die Gesellschaft antrainiert wurde, hoffen sie darauf, dass man durch Wahlen jemanden – Du erinnerst Dich? – in die Parlamente und die Regierung bekommt, der sich mehr für die »Nicht-Macher« einsetzt. Jeder, der dies wollte, brauchte dafür Geld. Das Geld kann er sich aber nur leihen. (Auch Geld für Steuern musste sich irgendwer irgendwann geliehen haben.) Er oder sie (auch Frau Wagenknecht) wird aber kein Geld dafür bekommen, eine Politik gegen die Interessen der wohlhabenden »Macher©« zu gestalten. Wenn er aber auf die Idee käme, das benötigte Geld selbst zu schöpfen (schuldlos und zinslos mit einem einfachen: Kasse an Eigenkapital), dann würde man sich am Anfang eines neuen, nicht reformierten oder revolutionierten, »Systems« wieder finden. Spätestens dann wären die »Nicht-Macher« gefragt.

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    1. ER ist DER »Macher©« schlechthin.

      In einem Atemzug mit Alexander dem Großen, Gaius Julius Cäsar und Mayer Amschel Rothschild zu nennen. Nur das Bonetti lebt und die nächsten 50 Jahre dazu nutzen wird, um die Menschheit in eine glorreiche Zukunft zu führen.

      Also das tun wird, was Lenin, Stalin, Mao und Shlomo Eisenstein fett verbockt hatten. 🙂

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  2. Hallo Carlo,
    Ich habe deine beiden Kommentare heute morgen auf meinem Rechner in einem Dokument zusammengefasst. Weger der besseren Übersicht. Und antworte separat.

    „Neoliberalismus“ ist für mich der Rückschritt, der Rückfall in längst vergangene, überwunden geglaubte Zeiten und unmenschliche gesellschaftliche, asoziale Zustände.
    Er ist die Ermordung der Errungenschaften der Aufklärung.

    Der Neoliberalismus führt die Menschheit zurück in die Zeiten der gesetzlosen Barbarei, des Raubrittertums, der Sklavenhaltung, der Rechtlosigkeit all jener Menschen, die nicht besitzen.

    Die nicht führen können, sondern durch ihre bloße und ungeschützte ( = unter anderem auch durch Leih-, Zeitarbeit, Niedriglohnsektor, Hartz IV, künstliche Arbeitsplatzverknappung, Industrie 4.0) Existenz, der heute wieder staatlich geschützten Gier der Besitzenden, ausgeliefert wurde.

    Ein damals halbwegs funktionierendes Staatswesen ist (die „Bonner Republik“), wieder mal, amputiert worden und beschränkt sich heute immer mehr, nur noch auf Überwachung, Kontrolle und Knechtung (HARTZ IV) der „Nicht-Macher“, all der Menschen, die geführt werden wollen, weil sie nicht führen können, weil sie nicht in der Lage sind, tatsächlich über sich selbst bestimmen zu können.

    Und das können diese Menschen („Nicht-Macher“) in keinem System!

    Ein „funktionierender Staat“ dagegen kümmert sich, sorgt für den sozialen, gesellschaftlichen Ausgleich zwischen den Besitzenden (den „Machern©“) und den Lohnabhängigen, generell von all denen, die in irgend einer Weise abhängig sind (den „Nicht-Machern“).

    So ein Staat ist sich seiner Verantwortung gegenüber seinen „schwachen, schwächeren“ Bürgern bewusst und hält die Gier der Besitzenden in einem erträglichen Rahmen.
    Soweit meine Kurz-Definition von „funktionierendem Staat“.

    „Neoliberal“ hat den staatlich garantierten (Grundgesetz, Gesetze) und einstmals irgendwie geschützten und überwachten Ausgleich zwischen Kapital, Besitz und Abhängigen beerdigt.
    Egal, wie unvollkommen dieser Sozialstaat seine Aufgaben damals erledigte. Die Politik, seine handelnden Personen, fühlten sich mehrheitlich an diese Aufgabe gebunden. Heute ist das genaue Gegenteil, durch „Neoliberal“ der Fall.

    Kapitalismus, egal welcher Abart, ob neoliberaler Wirtschafts- und Finanzfaschismus = verbrämt auch „marktkonforme Demokratie“ genannt oder „soziale Marktwirtschaft“ der „Bonner Republik“ oder jede andere Spielart von Kapitalismus beherrscht unser aller Leben.

    Schon immer, seit dem es Menschen gibt. Der sogenannte Fortschritt, meist technischer Art, war immer nur ein Beschleuniger für das kapitalistische Handeln der Menschheit.

    Für mich wird dieses Verhalten, diese Handlungsweise, dieses Lebenssystem (es ist nicht nur eine Wirtschaftsform – denn das was die Sowjetunion und deren Satellitenstaaten einst durchführte, war kein Sozialismus/Kommunismus, sondern Staatskapitalismus) einzig durch die GIER getrieben.

    Diese GIER kommt nirgendwo in der Natur vor, kein Tier, kein anderes Lebewesen tötet aus GIER, kein anderes Lebewesen tötet „auf Vorrat“, kommt auf die Idee, mehr als andere besitzen zu müssen.

    Kapitalistisches, wirtschaftliches Handeln ist ein bestimmender Teil der Menschheit, vielleicht sogar DER BESTIMMENDE Teil unserer Existenz.

    Indianische Völker, Dorfgemeinschaften, z. B. im Amazonas oder auf Papua-Neuguinea leben komplett anders.

    Es sind aber auch kleine, überschaubare Menschenmengen, die MIT und IN der sie beherrschenden Natur leben. Daher, deshalb leben diese Menschen ein anderes Leben, ein nicht von GIER getriebenes, dominiertes Leben. Und haben völlig andere, funktionierende Sozialstrukturen, die ihrer Gemeinschaft das Überleben sichern.

    Und greifen trotzdem in dem Moment zu den Waffen, wo ein anderer Stamm um die Ecke kommt, weil die Menschen dieses anderen Stammes etwas beabsichtigen, das den „Angegriffenen“ nicht passt.
    Also, auch dort nicht nur „Friede, Freude, Eierkuchen“. Auch dort werden friedliche Sozialstrukturen einer kleinen Gruppe bedroht, allerdings meist von „außen“ hereingetragen. Nicht primär von „innen“ angezettelt.

    Ich habe keinen probaten Gegenvorschlag zum Kapitalismus, zum kapitalistischen Handeln generell.
    Ich glaube auch nicht daran, das die menschliche GIER, die den Kapitalismus erzeugt hat und immer weiter antreibt, verschwindet.

    Sie kann bestenfalls nur kontrolliert und eingeschränkt werden.
    Die Ergebnisse der GIER können, wie erfolgreich oder weniger erfolgreich auch immer, nur umverteilt werden, z. B. durch ein wahrhaftig „funktionierendes Staatswesen“.

    Das menschliche Handeln, die Arbeit etc. wurde und wird immer nur „bewertet“, in Geld und bewertbarem Besitz gemessen.

    Generell steht die „Verwertbarkeit von allem und jedem“ zum eigen Vorteil im Vordergrund des menschlichen Handelns. Wenige Menschen erreichen eine hohe Verwertbarkeitsrate von „allem und jedem“. Die meisten Menschen erreichen nur eine geringe Verwertbarkeitsrate.

    Und müssten deshalb eben durch eine unabhängige Institution (ob funktionierender Staat, oder sonst was) geschützt werden.

    Zeige mir einen Weg aus diesem Rattenrennen, aus diesem System. Schreibe dazu deine Gedanken auf, gerne auch als Gastbeitrag bei mir. Das ist keine Provokation. Ich meine das ehrlich. Denn ich bin vielleicht zu beschränkt in meinem Denken und Wissen. Vielleicht zu sehr konditioniert durch meine Lebenserfahrungen, meiner Sicht auf die Dinge.

    Ich schieße gegen den Neoliberalismus, weil er seit 1998 in Deutschland für ein viel zu großes Ungleichgewicht in allen Lebensbereichen gesorgt hat. Weil er einen funktionierenden, um Ausgleich bemühten Staat, bekämpft und nicht haben will.

    Weil mir all die Menschen, die „Nicht-Macher“, am Herzen liegen, auch wenn mir deren Bräsigkeit, Intoleranz, Arroganz, Ignoranz und komatöse Apathie gewaltig „auf den Sack gehen.“

    Weil ich möchte, das all diese „Nicht-Macher“ erkennen, wie sehr sie jeden Tag, 24 Stunden lang, betrogen und belogen werden.

    Sie sollen und müßen endlich selbst erkennen wollen, das alle Nutznießer von Neoliberal die bereits immer existierende Unfreiheit aller „Nicht-Macher“ noch weiter ausbauen und betonieren wollen.

    Auch in diesem kapitalistischen Handeln gibt es Grenzen, und die haben die Neoliberalen bereits viel zu weit überschritten.

    Wir alle leben in diesem neoliberalen System, wir alle (die Nicht-Macher) haben heute nur das Werkzeug des Wählens oder des blutigen Umsturzes.

    Wir haben auch noch das Werkzeug des Wortes, der Internetblogs, um aufzuklären, über Neoliberal, Kriege, „Freihandelsabkommen“, medialer Desinformation, Feindbildern.

    „Wir“, die aus dem Kreis der „Nicht-Macher“, die erkannt haben, das „es so nicht weitergehen kann“ und erst recht erkannt haben, das die AfD ganz sicher nicht die Lösung ist, wir schreiben, informieren, verlinken, diskutieren. Leider auch wieder nur in einem begrenzten Kreis von interessierten „Nicht-Machern“ und erreichen die anderen Desinteressierten nicht einmal.
    .
    Ich würde gerne erleben, das die „Nicht-Macher“ endlich politisch werden, Solidarität und „Miteinander“ gegen die Neoliberalen entdecken und sich organisieren.

    Ohne die bekannten politischen Statthalter der neoliberalen „Macher©“, die mit dem alten, aber immer noch funktionierenden „Plan©“ von „Ökonomie, die auf einem verzinsten Schuldgeld beruht und auf der Voraussetzung, dass das Menschenleben eine Ware ist“. Du hast vollkommen recht, nur leider reicht dieser „Plan©“ völlig aus.

    Und neoliberal ist die Weiterführung dieses Planes mit dem Primärziel der Aushebelung staatlicher Kontrolle und staatlicher Umverteilung (Sozialstaat).

    Vielleicht wäre die Publikation einer anderen funktionierenden Handlungsweise, einer anderen Gesellschafts- und Sozialordnung, die nicht auf verzinstem Schuldgeld und der Ware Mensch aufbaut, bei unser aller Bemühungen hilfreich.

    Ich bezweifle das allerdings, denn die „Nicht-Macher“ sind noch nicht einmal Willens, zu erkennen, was Neoliberal mit ihnen macht. Sie sind nicht Willens, sich neu zu organisieren, das bestehende Modell „Wahlen“ mittels neuer Parteien zu nutzen.

    Sie sind nicht Willens, sich zu formieren, sich neu zu definieren, sich selbst einzubringen. Denn sie bleiben „Nicht-Macher“.

    Ich mag mit all meinen Gedanken falsch liegen, alles zu pessimistisch sehen, meine Definitionen von Neoliberal, Kapitalismus, Gier, menschlichem Handeln können durchaus falsch sein. Ich bemühe mich um andere Sichtweisen, um Kenntnisse über andere Lebenssysteme.

    Und hier stehe ich, ich kann nicht anders. Zumindest heute nicht.

    Liebe Grüße

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  3. Hallo A.n.S.,

    vielen Dank für Deine lange Antwort.

    Im Großen und Ganzen sehe ich die Probleme wie Du. Was falsch oder richtig ist weiß ich nicht und will ich nicht beurteilen. Denn das würde voraussetzen, dass ich die Wahrheit kenne. Das ist nicht der Fall. Trotzdem habe ich zu einigen grundsätzlichen Themen eine andere Auffassung, aber auch andere Denkansätze, die mich letztlich auch zu anderen Ideen bezüglich der Lösungen treiben.

    »Neoliberalismus« und Faschismus sind in meinen Augen nur spezielle Spielarten in der jahrtausende alten Geschichte der Ausbeutungsgesellschaft. Geprägt ist diese Geschichte bis in die Gegenwart von verschiedenen Faktoren, die sich im Laufe der Zeit immer unterschiedlich stark gewichtet und kombiniert in den Vordergrund drängten: Individualtausch, die doppelte Buchführung, die Auffassung, dass Menschenleben handelbar seien, verschiedene Geldformen und Geldsysteme, Staats- und Rechtssysteme die Sachen und Eigentum, aber nicht den Menschen, schützen und schließlich für den Kapitalismus eine Pseudowissenschaft, die Ökonomie.

    Die Ausbeutung und Unterdrückung durchziehen die Geschichte wie ein roter Faden. »Gesetzlose Barbarei, Raubrittertum, Sklavenhaltung, Rechtlosigkeit all jener Menschen, die nicht besitzen« waren niemals weg. Sie waren in der »vorneoliberalen« Neuzeit nur besser versteckt, weil sie verstärkt in andere Teile des Planeten ausgelagert wurden. Davor sollte man nicht die Augen verschließen. Man lebte doch gut davon, oder nicht? Dadurch wurde der Anschein erweckt, dass die einfachen Menschen weniger ausgebeutet wurden und man sich einen »Sozialstaat« (ebenso wie »soziale Marktwirtschaft« Anmerkung: es gibt keine Märkte -außer den Marktplätzen – man unterscheidet lediglich unterschiedliche Marktformen z.B.: vollkommene Konkurrenz, Oligopol oder Monopol. Die »Märkte« sind ein Propagandabegriff.) leisten konnte. Nein, den »Sozialstaat« gab es, weil man einen großen Teil der Ausbeutung exportiert hat. Der »Sozialstaat« bedeutet eben nicht keine Ausbeutung oder weniger Ausbeutung. Das ist eine merkwürdige Annahme. »Sozialstaat« ist Sand in die Augen. Deshalb kommst Du sicher zu dem Schluss, dass die »Bonner Republik« ein damals halbwegs funktionierendes Staatswesen ist gewesen sei. Wenn man das obige ausblendet könnte man zu dem Ergebnis kommen. Nur für wen hat sie funktioniert? Das politische westliche Staatswesen basiert wesentlich auf den philosophischen Grundlagen der Gründerväter der amerikanischen Verfassung, Hamilton und Madison. Wer sich dafür interessiert, wird darauf stoßen, in wessen Interesse diese Staatwesen aufgebaut sind. Stichwort Federalist Papers, Debatten zum Verfassungskonvent. Der »staatliche« Schutz der Besitzenden stand und steht immer im Mittelpunkt.
    »… our government ought to secure the permanent interests of the country against innovation. Landholders ought to have a share in the government, to support these invaluable interests, and to balance and check the other. They ought to be so constituted as to protect the minority of the opulent against the majority.«
    James Madison, 26. Juni 1787, auf einer geheimen Debatte des Verfassungskonvents: http://avalon.law.yale.edu/18th_century/yates.asp und Prof. Rainer Mausfeld: https://www.youtube.com/watch?v=t7J8yYaB7m0 und Noam Chomsky »That Dangerous Radical Aristotle«: https://chomsky.info/commongood02/
    Das lernt man nicht in der Schule. Warum eigentlich nicht? Die Informationen sind doch vorhanden.

    »all der Menschen, die geführt werden wollen, weil sie nicht führen können, weil sie nicht in der Lage sind, tatsächlich über sich selbst bestimmen zu können.«
    Warum müssen sie »geführt« werden? Vielleicht sollte man besser schreiben »verführt«. Weil sie von Erwerbseinkommen abhängig sind und im System funktionieren müssen. Brauchst Du einen Führer? Benötigst Du jemanden, der Dir sagt, was gut für Dich ist und wie Du Dein Leben gestalten musst? Glaubst Du das wirklich? Wenn Du jetzt mit »nein« antwortest, dann müsstest Du Dich fragen, warum Du dann einen wählen solltest. Dass andere einen brauchen könnten und man es für sie tut, wäre eine schwache Erklärung.

    »Ein „funktionierender Staat“ dagegen kümmert sich…« Einen »funktionierenden Staat« gibt es nicht und kann es, mangels notwendiger Eigenschaften, nicht geben. Das menschliche Handeln ist das Entscheidende. Der Staat wird immer hervorgekramt, wenn man Verantwortlichkeiten verschleiern will. Der Staat ist für nichts verantwortlich. Seine Menschen sind es.

    »Der« Mensch trägt viele Eigenschaften in sich. Die sicherlich alle mit seinem Überleben zusammen hängen und in bestimmten Lebens- bzw. Gefahrensituationen unterschiedlich stark zum Tragen kommen. Ausbeutungsgesellschaften sind dann ganz sicherlich förderlich für die Gier. In Kooperationsgesellschaften wäre Gier hinderlich.

    »Das menschliche Handeln, die Arbeit etc. wurde und wird immer nur „bewertet“, in Geld und bewertbarem Besitz gemessen.« Und deshalb muss es immer so bleiben? Dir fällt das Problem auf und Du hebst die Hände? Spätestens an diesem Punkt müsstest Du doch ganz intensiv über das Thema Geld sinnieren. Da hättest Du einen Ansatz für Veränderungen. Ich schrieb dazu in meinem letzten Beitrag. Ich weiß nicht, ob Du die Bedeutung verstanden hast und die Folgen einschätzen kannst, wenn man statt ins Fremdkapital zu buchen, wie es Banken heute tun, ins Eigenkapital bucht, wie es ein Gemeinwesen tun könnte. Auf ähnliche Weise könnte die Gesellschaft schon heute Banken »retten«, ohne dass Steuergelder verbraten werden oder neue Schulden entstehen müssen.

    Und deshalb schreibe ich es gern nochmals: Es fehlt bei den zur Wahl stehenden Parteien der politische Wille, die Gesellschaft von Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien. Nach den goldenen Zeiten des »Sozialstaatswesens« zu rufen bedeutet im Klartext nichts weiter als: Ihr könnt uns weiter ausbeuten. Nur bitte, bitte, bitte ein bisschen weniger. Es ist doch merkwürdig, dass sich Wissenschaft und Technik soweit entwickelt haben, dass ein gutes Leben aller möglich wäre und man nun Zeit hätte sich wirklich um den Schutz und die Reparatur des Planeten und seiner Bewohner zu kümmern, aber das menschliche Bewusstsein verharrt in der Zeit der Sumerer, Römer und im Mittelalter.

    Vielleicht, aber nur vielleicht, bist Du wirklich zu »beschränkt«, um alternative Veränderungsmöglichkeiten zu sehen. Ich kenne Dich nicht und will mir deshalb kein Urteil erlauben. Du bist ganz sicher intelligent genug, diese Schranken zur Seite zu schieben und den Blick breiter schweifen zu lassen. Einen fertigen »Gegenvorschlag« kenne ich nicht. Ich würde und werde auch nicht danach suchen. Denbar sind viele Modelle des Zusammenlebens. Deshalb bin ich eher für eine nachhaltige Transformation der Gesellschaft. (Dazu dürfen Menschen aber nicht in irgendeiner Form von anderen Menschen materiell erpressbar oder abhängig sein.) Das geht nicht von heute auf morgen und ermöglicht eine große Variabilität in der Entwicklung. Alle können sich einbringen. Niemand wird ausgeschlossen. Selbst die Wohlhabenden von heute können mitmachen, ohne dass ihnen etwas von ihrem Vermögen genommen werden muss. Was man ihnen nehmen sollte, ist die Möglichkeit Geld zu schaffen. Das ist ein Hoheitsrecht und sollte wieder auf die Gemeinschaft übertragen werden.

    »wir alle (die Nicht-Macher) haben heute nur das Werkzeug des Wählens oder des blutigen Umsturzes.« Damit bist Du schon in die Feindbildfalle getappt. Die Gewinnerpartei(-koalition) unterdrückt periodenweise ihre Rivalen. Das nennt man auch konkurrenzdemokratie. Parteien sind immer nur Klientelvertreter. Wahlen sind kein Alleinstellungsmerkmal einer Demokratie. Die Die Daimler AG wird auch nicht demokratisch, weil man Aufsichtsräte wählt. Wer sich mit den Ursprüngen der Demokratie beschäftigt, wird darauf stoßen. Das Wählen von Parlamenten dient einzig und allein dazu, dass Volk von der Regierung auszuschließen. (Federalist 63 – James Madison. Ziel war die Schaffung einer funktionierenden Republik und nicht einer funktionierenden Demokratie.)
    Blutiger Umsturz gegen wen und mit welchem Ziel. Was man blutig umstürzen muss, muss man auch blutig unterdrücken oder wenigstens den Willen dazu haben.

    Demokratie ist vielleicht wirklich die beste denkbare Regierungsform. Es wird Zeit, dass man den Mut findet, sie auszuprobieren.

    In diesem Sinne liebe Grüße an Dich zurück

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    1. Hallo Carlo,
      herzlichen Dank für Deine weiteren Einlassungen und Ausführungen. Die Links (die die Moderation verlangten) werde ich mir anschauen.

      So stelle ich mir Kommentare und Diskussionen vor, in Blogs oder „face-to-face“,

      Austausch von gehaltvollen Gedanken und Standpunkten, die weit entfernt von Dogmen und -ismen sind, angereichert mit weitergehenden Informationen, ohne Verbalattacken, zum Nach- und Weiterdenken anregend, dazu zwanglos auffordernd.

      Auch dafür herzlichen Dank

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