Der 45. Präsident

Geben Sie mir den Präsidenten! Jetzt!“

Dieser Text will sich nicht nur mit Donald Trump beschäftigen, sondern auch mit der „Berichterstattung“ der neoliberalen deutschen Medien, der Systempresse.

Und mit dem Menschen, dem Wähler, all den Glaubenden, den Hoffenden, den nicht-Wissenden, den Geführten, den „nicht-Machern“.

* * * * *

Ich mag mich tatsächlich nicht gerne an der gegenwärtigen, zur Hysterie neigenden, Glaskugelguckerei beteiligen, „Was wird, wenn…?“

Ich weiß es nicht!

Es gibt genug Leute, die Trumps Wahlreden in eine politische Zukunft Amerikas und den „Rest der Welt“ deuten wollen, oder glauben, zu können!

Leute, die Aufgrund seiner Herkunft, seiner Art Geschäfte zu machen, seiner Art zu leben, seinem Frauenbild, seiner rassistischen Äußerungen, seinem Weltbild, seiner „Ken-& Barbie-Familie“, kurz: aufgrund der Person/Persönlichkeit Donald J. Trump, berufsbedingt Vermutungen äußern wollen, müssen, sollen.

Ob sie ihn persönlich kennen, oder Wortmeldungen von Menschen, komplett oder teilweise, wie es in den Tenor des Zukunftsszenarios passt, dabei verwursten, ist deutschen Qualitätsjournalisten aus der neoliberalen Ecke, erst einmal völlig egal.

Kurz vor der Wahl ließen ARD und ZDF mit geballter Wucht und Sendezeit ihre Zuschauer ganz genau wissen, wie „die Amerikaner ticken“, welche bösen Buben und Mädels was, wann und wie getan haben, bzw. unterließen.

Ich habe mir diese Sendungen, zeitversetzt, in den jeweiligen Mediatheken aufmerksam angeschaut. Und versucht, die überwiegend vorherrschende mediale Beeinflussung pro-Clinton (auch sehr böse, aber eben doch nicht ganz sooo böse), herauszufiltern.

Während der Stimmauszählung habe ich verschiedene internationale Zeitungen gelesen, US-amerikanische, wie die „New York Times“, die „Washington Post“, die „Chicago Tribune“, die „Los Angeles Times“, ein Lokalblatt aus Wisconsin (einer der „swing states), deutsche Presse wie die Süddeutsche Online, SPON, ZON (alle mit äußerstem Widerwillen) und englische, französische und spanischsprachige Blätter, aus Spanien und Südamerika.

Vor allem die deutsche, meinungsmachende „Presse“ überschlug sich in Angstszenarien, je mehr ersichtlich wurde, das Trump die Wahl für sich entscheiden könnte und dann letztendlich für sich entschieden hatte.

Der Tenor anderer, ausländischer Publikationen dagegen, erreichte meiner völlig subjektiven Meinung nach, nicht ganz und nicht immer die unüberlesbare Enttäuschung der neoliberalen deutschen Einheitspresse.

Die zu allem Überfluss wieder einmal, nicht müde wurde, wie auch beim „Brexit“ schon eingeübt, die „verheerenden Kursrückgänge, Verluste“ die an asiatischen Börsen noch während der Stimmauszählung, erzielt wurden, eingehend zu beklagen.

Denn die „Börsen“ sind nun einmal, nach dem Willen der neoliberalen Aasgeier, das alles bestimmende Barometer für unser aller Wohlbefinden.

Geht’s der Börse gut, geht es den Besitzenden gut, geht’s uns allen gut.

So einfach ist das!

Das an den börslichen Verlusten sich wiederum andere Börsenjunkies eine goldene Nase verdient haben, muss der dämliche Deutsche gar nicht wissen. Soll er auch nicht.

Wichtig ist die „message“: „Werte wurden vernichtet“, „Geld den Lokus hinuntergespült“ (so wird es dem nicht-wissenden Deutschen Wähler vermittelt) weil die doofen Amis nicht Frau Clinton, die Wall-Steert-affine Lady, wählten, sondern einen Schreihals, der „Amerika wieder groß machen will.“

Und deshalb wird das dann auch weitergehen, mit der „Wertevernichtung“, so die Befürchtungen deutscher Qualitätsmedien

Weil die verdammten Arbeitslosen, die Red-necks, die Spinner aus dem Bible-Belt, die Golf-spielenden Rentner in Florida, die unterprivilegierten „two-jobs-but-no-home-and-living-in-a-car“-Arbeitenden, einem toupettragenden Milliardär geglaubt haben.

Sich von diesem Mann und seiner neuen Administration eindeutige Verbesserungen ihres Lebens erhoffen. Und dementsprechend ihre Stimme abgaben.

Die Briten, mit der EU zu blöd, jetzt auch die Amis in ihrem eigenen Stall.

Wo soll das hinführen? Chaos, Anarchie, Kommunismus!

* * * * *

Es war und wird weiterhin nicht zu überhören, zu übersehen, zu überlesen sein:

Die deutsche, neoliberal dressierte Journaille hatte und hat den Auftrag Trump nieder zuschreiben, nieder zureden.

Die Süddeutsche verstieg sich wenige Stunden nach Trumps Wahlsieg zu einem Artikel, der erklärte, „auf was Merkel sich nun einstellen müsse“.

Natürlich nicht nur Merkel, sondern alle Deutschen.

Denn wir alle werden von nun an, völlig allein gelassen, hilflos dem bösen Russen wieder ausgeliefert sein.

Weil Mrs. Clinton eine Präsidentin geworden wäre, die genau all das weiterhin fortgeführt hätte, was ihre Amtsvorgänger schon laufen ließen, nämlich die wahren Machthaber des Planeten, die Finanzkonzerne, Asset-Manager und Investmentbanken ungestört weiter machen zu lassen.

Und für diese Kreise auch Kriege zu führen, unter dem Deckmantel „gegen den islamischen Terror, für Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit“, tatsächlich aber, um Geld zu machen und um die bereits erlangte Macht weiter auszubauen.

Das nennt man in neoliberalen Kreisen: „Stabilität“. Es ist ja auch unangenehm, sich immer wieder mit neuen Herausforderungen, die diese Stabilität gefährden, auseinander setzen zu müssen. Dann auch noch von der eigenen „Regierung“, von Polit-Darstellern, die man doch eigentlich „schon alle in der Tasche hatte“ oder es zu wissen glaubte.

So etwas vermindert die Konzentration und führt zu Gewinneinbußen, weil man sich nicht zu 100% auf die wirklich wichtigen Vorhaben (Profitmaximierung) konzentrieren kann, sondern Nebenschauplätze unter Kontrolle halten muss.

* * * * *

Donald Trump könnte vielleicht so ein „Nebenschauplatz“ für Wall Street, die Finanzkraken in aller Welt, werden.

Er könnte die Stabilitätsbedürfnisse dieser Kreise vielleicht tatsächlich stören.

Trumps Äußerungen zur NATO, seine ausgestreckte Hand in Richtung Vladimir Putin, seine angesprochene Ablehnung, große Teile der Staaten weiterhin füttern zu wollen, was bedeuteten könnte, das die Außenpolitik der USA eine andere Richtung nehmen könnte.

Seine ablehnende Haltung zu Freihandelsabkommen wie TTIP, also die Machtinstrumente der Konzerne, denen er ablehnend gegenübersteht. Wie weit, in welchen Teilen er Freihandelsabkommen ablehnt, ist mir derzeit noch unbekannt.

Einerseits sagt er: „America first“, andererseits ist ihm TTIP nicht genehm.

Warum?

Weil vielleicht auch ausländische Konzerne in den U.S.A. selbst so agieren können, wie es US-Konzerne, mittels den privaten Schiedsgerichten im Ausland machen?

Ich bin mir nicht sicher, was genau ihn an TTIP/Freihandelsabkommen stört. Sieht er die Gesamtgefährlichkeit dieser Verträge für alle Menschen und schwächeren „Vertragspartner“ so wie ich es tue, oder sieht er nur die möglichen Nachteile für „sein Amerika“?

Wie alles, was derzeit in Zusammenhang mit der kommenden Präsidentschaft von Donald Trump steht, werden wir alle abwarten müssen.

Abwarten, was er wirklich will und was er durchsetzen kann.

Abwarten, was er tatsächlich meinte, als er Wahlkampf führte und Versprechungen machte.

Was er wie umsetzen kann und will und welche Auswirkungen das alles auf Wallstreet und die US-amerikanischen Rüstungsindustrie haben wird.

Immerhin sind gegenwärtig Repräsentantenhaus und Senat mehrheitlich durch die Republikanische Partei besetzt.

Das die alle an „einem Strang“ ziehen, halte ich aber für abwegig.

Da sind zu viele Eigeninteressen im Spiel, welche durch die Verflechtungen jedes einzelnen Senators und Kongressmannes mit „seinem Sponsor“ aus der Wirtschaft dafür sorgen werden, das die Amtszeit kein „Chorgesang“ werden wird.

Abwarten, welche seiner Versprechungen an die Armen und die Mittelschicht ihm wirklich ernst sind und was er davon umsetzen kann, auf welche Art und Weise das alles finanziert werden wird.

Das er durchaus kreativ sein kann, beweist sein bisheriges Geschäftsleben.

Abwarten, welche Geschütze Wallstreet und der MIC, die Militärindustrie auffahren wird.

Abwarten, inwieweit er sich diesen beiden Gruppen widersetzen will, oder vielleicht gar nicht widersetzen will, weil er es nie vorgehabt hatte.

Weil ihm solche Verhaltensweisen nur angedichtet wurden, bzw. erhofft wurden, aufgrund seiner Wahlkampfreden, aufgrund von Interpretationen, die durch Hoffnungen auf Veränderungen und Verbesserungen genährt wurden.

Abwarten, ob er wirklich den „Washingtoner Sumpf“ trocken legen kann und will. Denn dabei müsste er zwangsläufig viele seiner „Parteifreunde“ mit trocken legen.

Abwarten, ob er in der Lage ist, seine unzähligen Dienste, vor allem die CIA und die NGO’s, die alle tatsächlich GO’s sind, an „die Kette legen“ kann.

Abwarten, ob er sich seine Außenpolitik „selbst stricken“ kann und will. Oder doch nur wieder, wie alle anderen Präsidenten vor ihm, die Ergebnisse der bestimmenden außen- und sicherheitspolitischen „think tanks“ umsetzt.

Abwarten, welche Berater er in sein Team holt, welche Berater für welchen Themenkreis installiert werden.

Es gilt vieles abzuwarten.

Und zu beobachten.

Bereits jetzt schon, denn Wallstreet und MIC, all die bisherigen Nutznießer und Macher in Washington und New York fangen bereits jetzt an, Tatsachen zu schaffen, um den neuen Präsidenten möglichst schnell und geräuschlos „in die Spur zu setzen“.

* * * * *

Dieser „Wahlkampf“ soll zwischen 6 und 7 Milliarden Dollar gekostet haben.

Eine Menge Leute haben sich „dumm und dämlich“ verdient.

Haben ihre Möglichkeiten ausgeschöpft, am Wahlzirkus zu verdienen.

Es ist eine Industrie, die eigentlich nie wirklich schlafen kann und will, denn es wird immer gewählt und somit gibt es immer Möglichkeiten, viel Geld zu machen. Wenigstens für diese Kreise zahlt sich die Existenz der „Demokratie“ und die Durchführung von Wahlen aus.

Was mit diesem Geld alles hätte bereits an sozialen Schäden „repariert“ werden können, will ich gar nicht mehr ansprechen.

* * * * *

Zu Donald Trump selbst:

In New York geboren, in eine bereits vermögende Familie hinein geboren. Sein Vater soll ziemlich autoritär agiert haben, aber wohl auch das geschäftliche „Potenzial“ seines Sohnes Donald erkannt haben. Ihm eine Starthilfe in Höhe von einer Million Dollar gegeben haben.

Donald Trump ist ein „Macher“, einer der rücksichtslos und egoistisch vorgeht, der weiß, wie man politische, wirtschaftliche Freundschaften schließt und pflegt. Und wann solche Freundschaften beendet werden müssen.

Einer, der andere Menschen all sein Leben lang nutzte, benutzte und ausnutzte.

Einer, der die Medien für sich arbeiten ließ und sich nicht von den Medien hetzen ließ, eher schon „ein Dompteur der Medien“. Und das will etwas heißen in diesem Zirkus Amerika.

He „hired and fired“, rücksichtslos und nur seinem persönlichen Erfolg verpflichtet.

Er schmiedete und nutzte politische Allianzen. Und beendete sie.

Er diktierte in den 80ern, als sein Vorhaben von „Atlantic City“, dem neuen „Las Vegas der Ostküste“ platzen musste, den Gläubigern seine Bedingungen und die knickten ein, weil sie die etwa 8 Milliarden Dollar Schulden nicht komplett verlieren wollten. Denn sie wussten, das sie Donald Trump weiter machen lassen mussten, wollten sie wenigstens einen kleinen Teil ihrer Forderungen wieder sehen.

Sein ganzes Leben bewegte er sich in genau dem Sumpf von Korruption, Vetternwirtschaft, Lügen und Betrügen, haltlosen Versprechungen, egoistischem Handeln, den er Hillary Clinton (völlig zu Recht) vorwarf und den er seinen Wählern versprach, trocken zu legen.

Der Mann ist nun 70 Jahre alt und wird mit Sicherheit genauso weiter machen. So ist er, das ist ein Teil seiner Persönlichkeit, das hat er gelernt, das nutzte er, das brachte ihm persönlich Geld und in gewissen Kreisen durchaus Macht.

Ein alter Zirkusgaul wird keine neuen Tricks mehr erlernen, auch Donald Trump wird auf seiner, bewährten Schiene weiterfahren müssen.

Denn er wird nichts anderes können.

* * * * *

Ob er tatsächlich vielen Amerikanern Jobs zurück geben kann und wird, hoffe ich für die Menschen.

Würde das auf Kosten der Finanzkonzerne geschehen, könnte ich das nur begrüßen.

* * * * *

Ob er tatsächlich die NATO zu einer friedlicheren Verteidigungsorganisation umbauen kann, durch wesentlich geringeres Engagement und Einflussnahme der USA, glaube ich nicht.

Dem steht alleine schon sein eigener Nationalstolz, seine Sicht auf ein „großes, starkes Amerika“ gegenüber. Und die Kräfte des MIC. Die sollte und wird er nicht unterschätzen.

Ich würde eine andere NATO begrüßen, als ersten Schritt zu einer friedlicheren Welt, ohne die US-Dominanz und ihre jetzige „out-of-area-Doktrin“.

Ob Donald Trump so etwas wirklich anstrebt, glaube ich nicht.

Einfach, weil niemand bereits erlangte Macht freiwillig aufgibt.

Und er wird China, Russland, Indien und andere Länder, auch nicht GB oder die jetzigen EU-Staaten als gleichberechtigte „Partner“ ansehen.

Solche Anwandlungen hat kein Geschäftsmann und kein Politiker, kein Macher. Man kann (und muss sogar) so etwas öffentlich sagen, aber tatsächlich umsetzen tut das niemand.

Kissinger sagte: „Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen.“

Trump betonte immer wieder: „America first“ und „Make America great again“

Macht abgeben, aufgeben, das war noch nie eine Option für „Macher“.

* * * * *

Meine persönlichen Erwartungen an den 45. Präsidenten der USA, Mr. Donald J. Trump?

Keine!

Zumindest keine Erwartungen, die mein „naives Gutmenschen-Weltbild“ erfüllen könnten.

Denn er ist Kapitalist,

kein demokratischer Sozialist

und ganz sicher kein Altruist.

 

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2 Comments

  1. »Ich mag mich tatsächlich nicht gerne an der gegenwärtigen, zur Hysterie neigenden, Glaskugelguckerei beteiligen, „Was wird, wenn…?“«

    Und das ist auch gut so. Ein wichtiger Schritt in die innere Unabhängigkeit. 😉

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  2. Unsere Medien vor der Wahl: Clinton = Irgendein dummer Fehler ‚versehen?‘ mit irgendwelchen Emails. Trump = Dumm und ein Tyrann der Frauen und Migranten verabscheut und irgendetwas am Kopf trägt.
    Ja, unsere Welt ist traurig …

    Gefällt mir

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