Wirtschafts-ABC

Über Profite, Märkte und scheue Rehe

Ich habe eine Firma, ich produziere irgend etwas für 1€ Gesamtkosten und verkaufe es für 1,50€.

Wie nennt man das?

50% Gewinn vor Steuern.

 

Ich produziere für 50 Cent Gesamtkosten und erziele einen Verkaufspreis von 3€.

Wie nennt man das?

Unterschiedlich!

Die Einen nennen es: Gier, Beschiss, Kapitalistenschwein.

Die Anderen sagen: Fähiger Unternehmer, clever, durchsetzungsfähig.

 

Ein anderes Unternehmen verkauft das selbe Produkt, auch für 50 Cent Gesamtkosten, bietet es aber für 2,75€ an.

Wie nennt man das?

Einsetzender Wettbewerb.

 

Was kommt jetzt?

Unternehmerisches Handeln!

Verschärfter Wettbewerb, Verdrängungswettbewerb, Kampf um Marktanteile.

 

Wie geht das vor sich?

Profit wird erst mal nicht angetastet, d.h. keine direkte Verkaufspreissenkung

die Kriegskasse muss nämlich auch gut gefüllt sein,

der eigene Lebensstandard soll nicht gemindert werden,

Arbeiter und Angestellte sollen vorerst nicht gekündigt werden.

Erste Schritte zur Rationalisierung werden eingeleitet, früher waren das sogenannte REFA-Leute, schon fast harmlose Kuscheltierchen gegen heutige Unternehmensberater und Controller.

Aus der Kriegskasse wird die nun notwendige Werbung bezahlt. Rabattwochen, Sonderangebote, Merchandisingschrott als kostenlose (!) Beigabe.

Nutzt wenig, der Marktanteil schrumpft weiter.

Was jetzt?

Kostenreduzierung!

Was bedeutet das?

Unternehmensberater werden angeheuert. Jetzt wird es ekelig, für die Arbeitnehmer.

Automatisierung von Arbeitsabläufen, mit dem Vorteil einer Nichtbesteuerung.

Vorruhestandsregelungen, Sozialpläne, was nichts anderes ist, als das Versagen des Unternehmers und dessen Verantwortung auf die Gesellschaft abzuwälzen, durch die zusätzliche Belastung von Rentenkassen. Dieses Modell wurde durch Gewerkschaften, Unternehmer und Politiker großflächig in NRW angewendet, als die Kohle- und Stahlindustrie kaputt gemacht wurde, um die Anteilseigner vor Verlusten zu bewahren.

Entlassungen, Massenentlassungen von vornehmlich gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern. Es heißt jedoch auf Vornehm: „Freisetzung“

Umwandlung der Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft, zur Minderung des Risikos der Inhaber.

Teilschließung von Produktions- und Verwaltungsstätten.

Neu-Gründung einer GmbH, die genau das selbe macht, aber mit den Vorteilen von Leih- und Zeitarbeit, mit den Vorteilen des Niedriglohnsektors durch grundsätzlich befristeten Sklavenverträgen und die Beschaffung von Arbeitskräften aus Osteuropa, die einen „Arbeitsvertrag“ im Herkunftsland, für den dort üblichen Scheißlohn, erhalten, aber nach Deutschland geschafft werden, um in der neuen GmbH für kleines Geld zu malochen. Das nennt man in Fachkreisen „EU-weite Arbeitnehmerfreizügigkeit“

Gleichzeitig wird ein zusätzliches Werk in Rumänien oder Bulgarien oder Litauen und in China aufgezogen.

Das kostet Geld. Woher nehmen ich das?

Fremdkapital! Börsliches oder Außerbörsliches.

Und eine ganz normale Kreditaufnahme bei deiner Hausbank?

Pffft…

Also gut, Umwandlung der GmbH in eine AG, Berater und die emittierende Bank freuen sich schon, über satte Rechnungen, die ich nun zahlen muss.

Hat geklappt, ich bin an der Börse, Aktien wurden alle verkauft, Kohle ist da, nun wird richtig angegriffen. Der Lackaffe (Mitbewerber) hat zwar dasselbe gemacht, aber was soll’s? Dem wird die Luft schon noch ausgehen. Der fährt eh nur noch BMW statt Bentley.

Was bedeutet das alles?

Echte Probleme.

Denn von nun an bin ich zum Spielball der weltweiten Börsenteilnehmer, der Investoren, der Spekulanten, der Gewinnler, der Asset-Manager geworden.

Von nun an muss ich alle 3 Monate Berichte veröffentlichen. OK, da ist Raum für Interpretationen und Kreativität. Kostet aber, die Leute die das können, sind wahrlich nicht billig.

Und die Rendite muss stimmen, sonst verliert mein Unternehmen an Wert, Aktienverkäufe, Panikverkäufe, auch wegen Gründen, die ich gar nicht beeinflussen kann, die ich nicht zu verantworten habe, die nichts mit meinem Geschäftsfeld zu tun haben. Tja, mitgefangen, mitgehangen!

Ich kümmere mich mehr um Börsennotierungen, beobachte An- und Verkäufe, wer versucht, bei mir mit einer Mehrheitsbeteiligung einzusteigen, wer versucht, mich aus dem Laden zu drängen, wer setzt mich mit sinnlosen Handelsaufkommen unter Druck?

Für das, was ich vor 18 Jahren noch alleine bewältigt habe und gut bewältigt hatte, für das habe ich jetzt Hunderte Leute, die meeten, besprechen sich und es geht nichts wirklich voran. Ich kann die nicht alle kontrollieren und ich vertraue einigen von den Mit-Vorständen auch nicht, die musste ich aber akzeptieren, weil ein ziemlich großer Anteil der Aktien von einem Asset-Manager gekauft wurde und die haben ein Mitentscheidungsrecht im Aufsichtsrat und in der Jahreshauptversammlung sowieso. Der Drecksack von Asset-Manager hat auch dick die Pfoten bei meinem früheren Mitbewerber drin, habe ich letztens gehört.

Was haben wir nicht alles für Salti und Kopfstände gemacht. Re-Organisierungen waren noch die kleinste Übung. Das macht ja jeder Manager, wenn ihm nichts mehr einfällt. Vortäuschung von Aktivitäten, hervorgerufen durch geistigen Windstille.

Wir haben Disversifikation gemacht, also irgendwas dazu gekauft. Ich hatte keine Ahnung von Mobiltelefonen, Computerproduktion, Atommeilern. Ich wollte das nicht, aber die anderen.

Weil es nicht lief, nur Geld kostete, was ich ja auch immer gesagt hatte, haben wir dann wieder konsolidiert, also den von uns gekauften und durch konsequente Nichtahnung durch uns, noch weiter heruntergewirtschafteten Ramsch wieder weiter verramscht. Hat jede Menge weiteres Geld gekostet. Aber die „Anleger“ fanden es geil und haben unsere Scheißaktien wieder wie blöde gekauft.

Wir haben auch selbst Wertpapierhandel, Derivatenhandel, Devisenhandel, Rohstoffhandel betrieben. Riesige Abteilung. Flog uns 2008 um die Ohren.

Die größte Scheiße haben uns immer diese Controller eingebrockt. Ich wollte diese zweibeinigen Rechenmaschinen mit Diplom nicht, aber die Anderen. Die haben alles, aber wirklich alles in Zahlen umgewandelt, gemessen, gewogen, bewertet. Und uns „Bananenprodukte“ beschert, die „reifen“ beim Kunden. Hat uns viele Kunden gekostet. Weil die Entwickler auf die Controller hören mussten und neue Produkte in 2 statt sonst 4 Monaten entwickelt sein mussten.

Statt die Controller rauszuwerfen, hat der Finanzvorstand noch 10 neue Fuzzis eingestellt. Klar, er will den Vorstandsvorsitzenden selbst machen.

* * * * *

Und alles nur, weil ich unbedingt 2,50€ pro produziertem Teil als Gewinn vor Steuern weiter einstecken wollte.

Weil Stillstand angeblich Rückschritt ist.

Weil die Gier der anderen auch mich antreibt, mitreißt.

Weil keiner von uns teilen kann und will. Ist wohl die Angst vor ausnutzbarer Schwäche.

Weil „Alles“ niemals genug ist.

Weil der Staat, statt zu regulieren, dereguliert hat.

Wer da als Unternehmer nicht mitmacht und die Vorteile für Unternehmer nicht komplett ausnutzt, ist selbst weg vom Fenster. Ratzfatz!

Weil auch diese asozialen „Gesetze“ Teil des Wettbewerbe sind, vom Staat initiiert, erdacht von Unternehmensberatern und sie sind ein Beschleuniger für die Steigerung von Arbeitslosigkeit, von sozialem Abstieg, und der geplanten Entsolidarisierung der Bürger.

* * * * *

In diesem System ist jeder Lohnabhängige, Arbeiter und Angestellte nur noch ein auswechselbares Teilchen, oder er kann ganz aus dem Spiel genommen werden.

Wegen Industrie 4.0. Das ist nämlich Fortschritt, zwar nur schlechter Fortschritt, weil für Menschen kein Ausgleich geplant ist.

An Computern und Robotern können diese Cretins basteln und basteln lassen, damit die Produktion billiger wird und die Profite deshalb weiter ansteigen. Das wird als „Fortschritt“ etikettiert, und nicht wenige der Betrogenen glauben das auch.

Nur Forschung im Bereich der Absicherung menschlichen Lebens, menschlicher Existenzen, das wird nicht angefasst, unter anderem, weil damit kein Geld zu verdienen ist. Und deshalb haben die meisten Menschen diesen Wettbewerb „Roboter/Computer vs. human life“ bereits verloren.

Das Lohnabhängige die Dauer-Arschkarte haben, egal wie fleißig sie sind, wie sehr sie sich einsetzen, steht für mich außer Frage.

Jeder Lohnabhängige muss zwangsläufig verlieren, denn es gibt keinen gesetzlichen Schutz mehr. Nur Profitmaximierung.

Humanfreiwild, jederzeit zum Abschuss freigegeben. Zunächst aber im HARTZ-KZ gefangen und abgerichtet, zur Weiterverwertung durch den Niedriglohnsektor.

Der Abschuss ist letztlich nur noch eine Frage der Zeit. Nicht von Moral oder Anstand. Eher von Profitmaximierung.

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12 Comments

    1. Hallo Annika, freut mich sehr, dein Besuch, dein Kommentar.

      Nur weil die Mehrheit der ahnungslosen, nicht denkenden, daher zwangsläufig glaubenden „Wähler“ ihre Fesseln immer wieder wählen.

      Sich nicht neu organisieren, selbst die Politik gestalten, sich selbst einbringen.
      Weil sie glauben, das sie nur innerhalb „des Systems“ ihre Sicherheit haben

      Nur deshalb erscheint es so ausweglos.

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      1. Irgendwas ist völlig anders heutzutage und ich kapiere nicht, woran es liegt. Als ich jung war, gab es Betriebsräte, die ihren Namen verdient hatten; die Verbesserungen erkämpften und nicht wie heute, stumme Verwalter des Irrsinns sind. Sie halten die Schnauze zu jeder Schweinerei, die oben erfunden wird.
        Wie konnte passieren, dass alles, was je erkämpft wurde, geräuschlos beerdigt werden kann?
        Dass Unternehmen heute anders handeln als früher, mag ich gerade noch nachvollziehen, aber wie hat man uns dahin gekriegt, den introvertierten Weg der inneren Kündigung zu gehen? Bzw., was macht uns so sicher, dass Widerstand, ja sogar Widerspruch zwecklos ist?

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  1. Eine einfache Antwort kann ich nicht liefern. Leider.

    Es sind viele Anrworten, denn viele Mechanismen der Beeinflußung, von manipulativer Öffentlichkeitsarbeit, von platten Lügen und Angstszenarien der „Geld-Eliten“ kommen seit Jahrzehnten erfolgreich zum Einsatz.

    Einige meiner Texte hier haben diese massenpsychologischen Waffen und die Auswirkungen zum Thema. Die NDS bemühen sich seit 2003 um eine breit angelegte Aufklärung, die Blogger, die ich in meinem Blogroll aufgeführt habe thematisieren diesen Irrsinn ebenfalls, jeder auf seine Weise.

    Für mich ist ein zentraler Punkt der Mensch selbst. Die meisten Menschen sind keine „Macher“, sie brauchen und wollen Führung, egal wo das hinführt. So wird diese Passivität, die einfach ein Teil dieser (allermeisten) Menschen ist, ausgenutzt, kann und wird in Bahnen gelenkt, die den „Machern“ nutzen.

    Und das war immer so, beim Großen Alexander, Rom, Ägypten, Persien, Rom, Mittelalter. Das Zeitalter der Aufklärung, initiiert in Frankreich hob sich da angenehm wohltuend von ab. Das wars auch schon.

    Selbst viele der angestellten Banker, Anwälte, Berater würden ohne die Führung ihrer Bosse, der Macher, sang- und klanglos eingehen, wenn sie das alleine schaffen müssten, was sie in, mit und durch ihre Konzerne im Rücken, täglich anrichten können.

    Versuch einmal, die Menschen, die Du kennst, Kollegen, Freunde, Familie davon zu überzeugen, etwas zu ändern. Mach Vorschläge und beobachte die Reaktionen, wer würde sich ernsthaft engagieren wollen, wer winkt sofort ab, wer würde das Vorgeschlagene zumindest überdenken.

    Guck dir einfach mal ein paar Foren an wie Spiegelfechter. Lies den eingestellten Text der Betreiber und die unterschiedlichen Meinungen dazu.

    Anders ausgedrückt, nur „Macher“ (nicht im positiven Sinne), rücksichtslose Egoisten sind in der Lage, Massen hinter sich zu versammeln, das durchzusetzen, was sie selbst erreichen wollen.

    Zu denen gehören weder Du noch ich. Da fehlt uns was. Wie den allermeisten Menschen.

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  2. Ein gelungener Text. Trotzdem wäre es doch mal interessant darüber nachzudenken, was passiert mit der Gesellschaft bei Industrie 4.0, 5.0 .. 10.0.
    Theoretisch wäre schon heute wesentlich mehr Automatisierung möglich. Sie wird bisher nicht in dem Maße umgesetzt, wie man es vermuten könnte. Aber was passiert in einer vollautomatisierten Gesellschaft? Wer kann dann noch ausgebeutet werden? Womit erwirtschaftet man Profit? Wie ändert sich die Gesellschaft bei einer Bedarfsdeckung (oder sogar Überfluss) für Güter und Dienstleistungen, die nahezu ohne menschliches Zutun erzeugt wird? Ist die weitere Automatisierung nur ein Fluch oder auch eine Chance, die Gesellschaft auf einer anderen Ebene zu denken?
    Wenn die Menschen darauf eine Antwort finden, wissen sie auch, welche Stellschrauben heute bedient werden müssen. Die Ökonomie [Lehre] wird dabei nicht helfen, denn Bedarfsdeckung und Überfluss fallen nicht in ihr Fachgebiet.

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  3. Für Deinen besuch bedanke ich mich.
    Dein Kommentar zeigt mir, das Du weiterdenken willst und wirst.

    Die notwendigen Überlegungen, die Du angesprochen hast, müssen vermutlich erst noch zu einem gesamtgesellschaftlichen „Highway“ ausgebaut werden. Vermutlich gibt es bereits Wissenschaftler, die an Untersuchungen arbeiten, deren Arbeiten aber einer breiten Öffentlichkeit noch nicht zugänglich sind. Vielleicht auch nicht zugänglich gemacht werden sollen, vorerst. oder auch für einen längeren Zeitraum.

    Ich werde deine Anregungen jedenfalls aufnehmen. Inwieweit ich in der Lage bin, etwas Substantielles beitragen zu können, weiß ich jetzt noch nicht.. Es ist einfacher, Bestehendes zu kritisieren, daraus neue Formen gesellschaftlichen, friedlichen und gerechteren Zusammenlebens vorschlagen zu können wieder eine ganz andere Herausforderung.

    Ich freue mich jedenfalls, einen Menschen gefunden zu haben, der ohne Dogmen, -ismen und Politreligionen in den Vordergrund zu stellen, unvoreingenommen nach neuen, gangbaren und ausbaufähigen Wegen suchen will.

    Ich hoffe recht bald wieder von Dir lesen zu können. Auf „Dorflinger“, oder auch in anderen Blogs?
    Beste Grüße

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  4. Sei gegrüßt!

    Da sprichst Du einen neuen Punkt an. Auch die „Wissenschaft“ hat einen Anteil daran, dass die Gesellschaft heute da ist, wo sie ist. Man sollte sie nicht überschätzen. Die „Wissenschaften“, die sich mit der menschlichen Gesellschaft befassen (Jura, Ökonomie, Pädagogik, Soziologie …) sind keine empirischen Wissenschaften, sondern normative. Das bedeutet, dass sie Regelwerke erschaffen, die nicht empirisch beweisbar und deshalb ideologisch missbrauchbar sind.
    Ich empfehle daher, mehr den Hausverstand zu benutzen und sich nicht auf solche Pseudowissenschaften zu verlassen.

    Über das Thema mit der Automatisierung nachzudenken, war keine Kritik an Deinem Text und auch keine persönliche Aufforderung an Dich. Ich finde es nur sehr wichtig, weil sich hinter den vorgeschobenen Problemen, die sich aus dieser Produktionsweise ergeben, eine Grundfrage versteckt: Warum bin ich? Meine knappe und einfache Antwort ist: Um Dich nützlich zu machen.

    Nicht, um zu arbeiten oder Geld zu verdienen oder Profit zu machen. Man findet in der Natur keine Bäume an denen Geld wächst und Kaninchen verstecken keine Kontoauszüge in ihren Bau, Hamstertragen ihre Vorräte nicht zu ominösen „Märkten“, Elefanten und Delphine lassen sich nicht bezahlen, wenn sie kranken Artgenossen helfen und Ameisen und Termiten holen sich von nirgendwo einen Kredit, um ihre Bauwerke zu errichten. Man macht sich einfach nützlich. Jeder auf seine Weise. Es ist irgendwie das gleiche wie Arbeit und doch auch etwas völlig anderes. Jedenfalls ist es keine Lohnarbeit.

    Wenn alte Menschen den Kindern Märchen erzählen oder Geschichten vorlesen, Eltern ihre Kinder versorgen, jemand Gedichte schreibt oder einen Blog betreibt, jemand in einem Ehrenamt (auch Trainer von Amateursportvereinen) tätig ist … alle machen sich nützlich. Das kann die Gemeinschaft honorieren. Warum sind der Gemeinschaft diese Tätigkeiten nichts wert, wenn sie zur gleichen Zeit Schlagersänger und Fußballprofis bezahlt?
    Eine erwerbslose Mutter, die drei Kinder großzieht muss um jeden Cent mit dem Jobcenter streiten und kämpfen wie eine Löwin. Wenn sie in der Landwirtschaft drei Ferkel großzieht, wird sie von der Gesellschaft ohne Fragen bezahlt und für die Unterbringung und Gesundheit der Schweinchen ist gleichfalls gesorgt.

    Ich denke Du verstehst, worauf ich hinaus will. Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen und deren Verteilung sind zwei unterschiedliche Schuhe. Sie sind ein gleiches, ungleiches Paar. In der Situation des Überflusses an Waren und Dienstleistungen (die hat man längst erreicht) und bei steigender Automatisierung stellt sich die Frage, nach welchen Regeln man verteilt, völlig neu.
    Deshalb gibt es in meiner Gedankenwelt keinen Platz für Ismen und Politreligionen. Ich finde in ihnen keine Antworten. Und: Herr und Frau Jemand haben erst recht keine. Das heißt, dass man sich selbst darum bemühen muss.

    Auch ich hoffe, dass ich noch viele interessante Beiträge von Dir lese, die mir weitere Denkanstöße geben.

    Viele Grüße

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  5. Vielen Dank.
    Deine Überlegungen sind sehr informativ, sehr gehaltvoll. Ich möchte soweit gehen, zu sagen, das mein kleiner Blog durch deine Kommentare und Gedanken aufgewertet wurde.

    Bzgl. der „Wissenschaften“ hatte ich kürzlich ähnlich gelagerte Überlegungen in einem meiner neueren Texte anklingen lassen. Allerdings in drastischerer Sprache.

    Es gibt tatsächlich wenigstens einen Professor in Deutschland, der sich mit „Transformationsdesign“ beschäftigt. Er war bei „Pelzig hält sich“ zu Gast. Ob seine Arbeit deine Gedanken beinhalten, weiß ich nicht. Ich habe den Namen des Mannes nicht mehr präsent. Das Alter!

    „Um dich nützlich zu machen“ – Ein sehr interessanter Gedanke. Ich würde sagen, er ist die Basis des menschlichen Daseins.
    Und bisher wurde die Nützlichkeit der Menschen immer nur gründlich ausgenutzt.

    Es ist tatsächlich dringend geboten, über eine Neugestaltung des menschlichen Daseins und einer Neugestaltung von Gesellschaft nachzudenken,

    Ich hatte vor ein paar Wochen im Blog des Doc’s (Doctors Gedanken) zu einer Forderung „Nieder mit der Lohnarbeit“ ziemlich umfangreich kommentiert. Der Doc (Thorsten Schumann, aus Bremen und in ver.di engagiert) hatte diese Forderung in einem anderen Blog gefunden und dazu gebloggt..

    Nachdem ich nun, durch Deine obigen Erklärungen, wieder etwas mehr „voran gekommen bin“, erscheint mir die Formulierung an sich immer noch zu plakativ, aber ich sehe sie jetzt in einem anderen Licht.

    Falls es dich interessiert: hier der Link http://schumt3.blogspot.com/2016/10/gedanken-zur-lohnarbeit.html?showComment=1477633794551

    Beste Grüße

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    1. Danke für Deine Zeilen. Ich habe den Link und die Kommentare ebenfalls studiert. Ein paar Gedanken schreibe ich weiter unter.

      Warum bin ich? Diese Frage ist sehr wichtig für jeden Menschen. Jeder muss sich eine Antwort darauf suchen und die Gesellschaft kann dabei behilflich sein. Warum ist es so wichtig, dass ein Mensch darauf eine Antwort findet. Ganz einfach: Wenn er nicht weiß warum er ist, wer er ist, woher er kommt und wohin er geht, dann ist er Spielball von jedem Beliebigen und Dahergelaufenen, welcher ihm sagt, was er wie in seinem Leben zu tun hat und der ihm erzählt, was alles gut für ihn sein soll. Dabei kommen erpressbare, abhängige und hilflose Menschen heraus. Diese Situation trifft man heute zu oft an. Ich denke, dies siehst Du ähnlich. Menschen, die diese Frage beantworten können, werden sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen nicht mehr abfinden.

      Zur Sache mit der Lohnarbeit. Dazu möchte ich vorausschicken, dass sie (moderne Lohnarbeit) auf dem Rechtssystem der römischen Sklavenhalterordnung basiert (locatio conductio). In den Rechtssystem gab es ein Sachen- und Schuldrecht, welches im Prinzip bis in die heutige Zeit gilt. Menschenrechte kommen dabei nicht vor. Zum anderen: Bei der Lohnarbeit bietet der Mensch nicht nur schlechthin seine Kraft und Fähigkeiten an, sondern vor allem seine Lebenszeit. Wie will man Lebenszeit aufwiegen? Mit Euros oder Gold? Es ist ein mieses und unmenschliches Geschäftsmodell. Auch eine tägliche 8-stündige Teilversklavung ist indiskutabel und abzulehnen. Der Schumann geht ebenfalls auf die weitere Automatisierung ein. Ich tat es oben schon. Das entscheidende ist aber, dass wir Bedarfsdeckung und Überfluss erreicht haben oder erreichen können. Genau für die beiden Faktoren hat die Ökonomie keine Antwort.
      Du machst Dir noch Gedanken über die Steuereinnahmen für den Sozialstaat. Das verstehe ich. Aber ich meine, dass der Sozialstaat eigentlich Almosenstaat genannt werden müsste. Er hat nur eine Alibifunktion, um die Steuerzahlungen zu rechtfertigen. An dieser Stelle trifft man auf ein anderes Thema. In den Steuerzahlungen sind nämlich vor allem die Zinsen für „geborgtes“ Geld gut verpackt. Du gehst in Deinem Kommentar davon aus, dass Geld knapp sei. Aber genau trifft nicht zu. In der Gegenwart entsteht es durch einen Buchungssatz (Zentralbankgeld ebenso wie das Giralgeld der Geschäftsbanken). Die Frage ist nun: Wenn sich die Gemeinschaft, die alle Werte schafft, wieder auf ihr hoheitliches Recht beruft, eigenes Geld in den Umlauf zu bringen, warum sollte sie sich dann von irgendjemandem Geld leihen wollen, sich verschulden und darauf auch noch Zinsen zahlen? Die Gemeinschaft ist doch nicht blöder als Geschäftsbanken und könnte sich zum Beispiel mit dem Buchungssatz: Kasse an Eigenkapital selbst Geld für den Bau von Krankenhäusern, Schulen, Schwimmhallen …. erzeugen. Dafür brauchte es ersteinmal keinen Steuercent. (Die Idee ist übrigens nicht von mir. Sie gab es bereits in ähnlicher Form in der Geschichte. Und nein, es ist nicht Wörgl 😉 http://www.taxos.info/texts/Guernsey.html )Wenn Menschen (Lohnarbeiter) Werte schaffen, dann tun sie es soundso nicht für sich, sondern für die Allgemeinheit/Gesellschaft. Die Gesellschaft ist so sehr dankbar dafür, dass sie diesen noch zusätzlich Steuern und Abgaben abknöpft. Ein völlig unlogisches System. Wer dafür Interesse mitbringt und den Verstand benützt, wird en Kopf schütteln.
      Wie geschrieben, ich verstehe Deine Gedankengänge und vielleicht lässt sich dieses Problem auch anders lösen. Einen Teil meiner Gedanken kennst Du ja jetzt. Wenn Du beim Dorfling warst, hast Du auch meine Linkliste angesehen? In dem Text zu solzialwidrigen Verhalten steckt weit oben ein Link zu „Sapere aude“. In dem Aufsatz bin ich auf Sachzwänge eingegangen.

      Viele Grüße

      P.S.: Harald Welzer? (Transformationsdesign)

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  6. Das sind sehr viele gehaltvolle Informationen und Gedanken. Herzlichen Dank dafür.

    Und ich muss zugeben, mich mit diesen Gedanken eingehender beschäftigen zu müssen.
    Du hast es richtig erkannt, ich bin tatsächlich in einem gewissen Denkmuster „gefangen“, was Staat, Sozialstaat, Geld und Arbeit angeht.
    Mich trieb der Zorn über Neoliberal, das Hartz-KZ ins Internet, zum kommentieren und dann zum Bloggen..

    Ich habe in Deutschland eine Zeit erleben dürfen, die nicht so dermaßen unmenschlich gestaltet und organisiert war.

    In vielen Ländern dieser Welt haben die Menschen nie etwas anderes als unsere heutigen neoliberalen Auswüchse gekannt und waren immer den Launen und Bedürnissen der Besitzenden ausgeliefert.

    Natürlich ist mir bewusst geworden, das diese Vor-neoliberale Zeit in Deutschland auch auf Kosten von Menschen in anderen Ländern zustande kam.
    Und ich fing an intensiver nachzudenken, darüber zu schreiben, versuche die Lügen und den Betrug der Neoliberalen zu enttarnen.

    Und lernte in anderen Blogs immer ein klein wenig mehr dazu. Oder merkte, das mich Inhalt und Ton der Betreiber und/oder Kommentatoren nicht weiter brachte.

    Und ich darf gestehen, was ich in den letzten 2 Tagen von Dir las, muss ich erst verarbeiten, lesen, verstehen und nachdenken (begrübeln). Es sind Lösungsansätze, Ideen und machbare Vorschläge, die ich zunächst einmal begreifen muss.

    Denn es geht mir nicht nur um Kritik und Aufklärung, sondern ich würde wirklich gerne etwas Besseres vorschlagen können. Bisher bin ich dabei eigentlich immer an einem „zurück, vor neoliberal“, durch und mit den bekannten Werkzeugen der Gesetzgebung für die Masse der Geführten „hängen geblieben“.

    Obwohl ich weiß, das dieses System viel zu anfällig ist. War es bereits zwischen 1949 bis 1998.

    Jedenfalls habe ich durch deine Erklärungen, ganz sicher auch durch die undogmatischen Art und Weise, neue Ansätze erfahren können, die ich überdenken muss, will und werde.
    Als Einstieg werde ich die von dir genannten Links nutzen und dann sicher eigene, weiterfühende Links finden.
    Viele Grüße

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    1. Vielen Dank für die Blumen. Ich bin ganz sicher, dass Du den Weg auch ohne mich finden würdest und wirst. Mir ging es so wie Dir. Ein Gefühl, dass man sich immer im Kreis dreht und komplett die Orientierung verliert. Mich hat ein Pastor einer evangelischen Gemeinde, die ich oft besuchte, angestoßen. Er hat mir verschiedene Stellen aus der Bibel vorgelesen und dabei absichtlich Begriffe ausgetauscht. Ich war völlig verblüfft und machte mich auf die Suche.
      Inzwischen weiß ich, dass man wirklich nichts aus dem aktuellen »System« unhinterfragt lassen sollte. Einstein sagte einmal: »Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.« Das heisst also, dass die dualistischen Gegensätze einer Ebene Teil des Problems aber auch der Lösung sind, die man auf einer anderen Ebene erreichen kann.
      Je weiter ich mich in die »Materie« begab, umso mehr streifte ich meine Feindbilder ab. Sie machen blind, wenn man in die Tiefe schauen will und immer von »rechts« und »links« abgelenkt wird. Letztlich habe ich für mich entdeckt, dass die entscheidenden Probleme der Gesellschaft viel ältere Wurzeln haben als den Kapitalismus. Deshalb spielt für mich auch der Begriff »neoliberal« keine besondere Rolle. Er beschreibt nur eine weitere Etappe in der Geschichte der Ausbeutung und Unterdrückung. Immer, wenn ich merke, dass sich meine Meinung gegen etwas oder gegen jemanden drehen könnte, versuche ich die Richtung zu ändern und für etwas zu sein. Das ist manchmal ziemlich schwer, weil man dies gut begründen muss und sich ein neues Ziel dahinter verbergen kann. Wenn ich nur dagegen bin, ist es einfacher.
      Erlaube mir bitte eine kleine Empfehlung: Stelle niemals [zuerst] die Schuldfrage, wenn es um gesellschaftliche Themen geht. Das treibt Dich in den Wahnsinn. Verantwortung ja, Schuld nein. Und bei der Verantwortung wird man sehen, dass man selbst immer ein Teil des Problems ist. Der beste Ansatz etwas zu ändern ist, immer bei sich selbst. Auch, wenn es nur mit Mäuseschritten vorwärts geht. Wenn sich viele Mäuse in Bewegung setzen, kann das große Auswirkungen haben.

      Falls Du wirklich, die ganzen Links durcharbeitest, hast Du ein Mammutprogramm vor Dir und Du wirst wahrscheinlich oft Neuland betreten. Ein fertiges Programm für die Zulunft ist es nicht. Jedenfalls freut mich unser Gedankenaustausch. Er zwingt mich ebenfalls, über die Dinge tiefgründiger nachzudenken.

      Liebe Grüße an Dich

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