Der eigene Kral

Was gehen mich die Anderen an?

Ich hab‘ nix gegen Ausländer, Muslime, Flüchtlinge.

Ich hab‘ nix gegen meine Nachbarn, gegen die Leute im nächsten Dorf, gegen die Sachsen, die Bayern, die Schwaben, die Badener, die Franzosen, die Griechen, die Italiener, die Polen, die Ungarn, die Chinesen, die Russen, die Amerikaner, die Neger, die Gelben, die Braunen.

Ich bin tolerant, weltoffen, freundlich, friedlich, kinderlieb, tierlieb, 1 Tag in der Woche vegan, achte auch Schwule, Lesben, Transen.

Für die Umwelt muss viel mehr getan werden, keine Frage. Erneuerbare Energien, Krötentunnel. Da wird überhaupt viel zu wenig gemacht!

Von mir aus kann jeder tun und lassen, war er/sie/es will.

Juckt mich nicht. Nicht die Bohne!

Ich schreib‘ keinem vor, wie man zu leben hat, was man essen, trinken, lesen, denken, anziehen darf.

Ich will niemanden beeinflussen, überzeugen.

Jeder, wie er will und kann!

Ich bin gegen Gewalt, gegen Krieg, gegen Hunger, gegen Armut, gegen Elend. Bei uns, auf der ganzen Welt.

Ehrlich, ICH hab auch schon mal gespendet, „Brot für die Welt“, Diaspora“, „Rotes Kreuz“, ist aber nix besser geworden.

* * * * *

Aber….,

den Musels, den Negern, den Arabern, denen muss man ja alles erklären, was man hier bei uns, machen darf und was nicht.

Mülltrennung, hah, die wissen ja nicht mal, wofür Mülltonnen da sind! Alles in die Wohnung, in den Flur, auf die Straße, in den Garten. Alles schnurz-egal. Mann, Mann, Mann….

Und überhaupt, wie die sich anziehen, wie die aussehen, dunkel, bärtig, wie die sprechen, diese kehligen Laute, dieses Gekrächze, wie ein Rasiermesser, ein Maschinengewehr.

Wie die gucken, auf meine Frau, auf meine Tochter, so.. so.. geil. Überhaupt, diese verschlagenen Blicke.

Ja, richtig widerlich, abstoßend, das geht doch nicht.

Sollen sie ihre eigenen Weiber bespringen. Aber so hässlich wie die sind, da würd‘ ich auch nicht mehr wollen, meterweise Schleier abrollen und dann diese…

Na ja, sie wissen schon.

* * * *

Ja, wo leben wir denn?“

Das können die bei sich zu Hause machen, verdammt nochmal.“

Ja! Das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen!!“

Die kriegen ja auch alles bei uns hinten und vorne rein geschoben.

* * * * *

Und ich? Wer gibt mir was für lau, wer hilft mir, zahlt meine Miete, die Raten für Auto, den Computer, die Waschmaschine, das I-Phone?

Nur malochen, nur Steuern bezahlen, alles wird teurer.

ICH muss alles ran schaffen, buckeln, mich krumm legen, jeden Tag, den Gott werden lässt.

Wann hab ich zuletzt mal richtig Urlaub machen können, mich entspannen können, richtig abgeschaltet?

Wer fragt denn, wie es mir geht, wie ich zu Rande komme, was mir gefällt, was ich will?

Scheiß Job, scheiß Nachbarn, scheiß Industriefraß, scheiß Fernsehen, scheiß GEZ, scheiß Politik, scheiß Ausländer, scheiß Steuern, scheiß Preise, scheiß Vorschriften, Verordnungen, Gesetze, scheiß Leben.

* * * * *

Und dann DIE auch noch mit durchfüttern. Wir sind nicht das „Sozialamt der Welt“.

Wieso kommen DIE denn alle hier hin, in UNSER Deutschland?

Hier gibt’s nix für umsonst!

Hier Du MÜSSEN ARBEITEN!! – „Vastehste?“

Malochen, buckeln, krumm machen, tun, ranklotzen, schaffen!

Nix faulenzen, nix Hängematte, nix Sozialstaat, nix vorne und hinten ‚reingeschoben.

Ham wa selba schon jenuch von, von dene Faulenzern und Sozialabgreifern, auf MEINE Kosten, von MEINEN Steuergeldern!“

Ja ist doch wahr. Was wahr ist, muss auch wahr bleiben. Das kann man auch mal sagen, ohne sich schämen zu müssen! Das hat nix mit Nazi zu tun, Herrschaftszeiten!“

* * * * *

Wie gesagt, ich hab nix gegen Ausländer!

War schon oft im Ausland, Urlaub, früher vor der Wende, wo’s uns allen noch besser ging.

In Tunesien, Ägypten, in der Türkei, auf Malle, Domrep, Kenia, Thailand.

Ganz passable Hotels, das Essen war auch Ok, na ja, nicht wie zu Hause.

Aber da muss man auch mal Nachsicht zeigen können, woher sollen die da unten das auch können? Aber, sie haben sich Mühe gegeben. Hotels waren auch ziemlich sauber, freundliches Personal.

Na gut, kostete ja auch was, da kann auch mal schon was verlangen! Preis/Leistung muss ja auch stimmen.

Aber kaum gehste‘ raus, willst ja was sehen, Land und Leute kennen lernen. Kultur un so, vastehste?

Die hängen an dir wie die Schmeißfliegen, halten die Hand auf, bedrängen dich, umringen dich, die Schranzen greifen in deine Taschen. Und lachen dich auch noch aus. Ruckzuck, Geld weg, Kamera weg, Handy weg, die Duty-Free-Zigaretten weg.

Wie die fahren! L e b e n s gefährlich!

Und überall nur Müll, Gestank, nur Geschrei und Gebrüll.

Keine Ordnung. Keine Regeln, keiner, der mal durchgreift.

Pünktlichkeit? Hah!

Alles verfallen, kaputt, keiner räumt auf, Wasser trinken aus einem Brunnen, aus dem Wasserhahn? Ja, wenn Du krepieren willst, dann ja.

Den ganzen Tach stehen und sitzen die nur rum. Kaffee trinken, Tee trinken, rauchen, labern und schwallern die. Und essen. Und alles nur laut. Laute Musik, laute und kaputte, schmutzige Autos, Motorräder, laut, laut, laut. Verstehst dein eigenes Wort nicht mehr.

Und keiner kann Englisch, wenigstens Englisch sollte doch wohl drin sein. Aber nee, irgendwelches Gekrakel nennen die Schrift.

Nur unsere Zahlen, die kennen sie auf englisch.

* * * * *

Jetzt kommen die alle zu uns, weil bei denen selbst nix klappt, alles im Arsch. War doch schon immer so, weil die nicht wollen und können! Zu blöd, zu faul!

Sollen doch erst mal selbst was schaffen, bei sich da unten, statt hier, bei uns die Hand aufhalten.

Uns hat auch keiner was geschenkt, mussten wir auch alles selbst machen, wieder aufbauen.

Wir hatten ja nix, damals. War ja alles kaputt.

Und, haben wir einfach alles so gelassen? Und Dauerparty gemacht?

Nee, guck dir mal an, was wir inne DDR denen da hingestellt haben. Ja guck mal, wie das früher da ausgesehen hat und dann heute. Kein Vergleich! Und wie es jetzt dafür bei uns aussieht! Ein Schande, zum Gotterbarmen!

Früher war Neapel ein Weltkulturerbe gegen Chemnitz, so mal als Beispiel. Nur in „Gorl-Morx-Stadt“, da war noch das Scheiß Wetter dabei.

* * * * *

Die Ausländer, nicht für ’nen Groschen selbst denken, irgendwas selbst machen können oder wollen, aber von uns fordern.

Das hab‘ ich gern!

Immer von uns, wir ham selbst nix mehr. Wir müssen für unser Geld arbeiten.

Wir müssen Leistung zeigen, flexibel sein. Mit 70 erst in Rente.

Ich geh ja auch nicht da runter und will von denen alles haben, Wohnung, Essen, was zum Anziehen, Geld. Und dabei noch nicht mal die Sprache lernen.

Und warum nicht? Weil ich hier alles hab, hier hin gehöre, das ist meine Heimat, hier ist mein Kral. Hier zurecht kommen muss, da fragt mich auch keiner, ob ich will oder kann. Ich muss!

Und das bisschen, was mir bleibt, das lasse ich mir nicht kaputt machen. Von keinem!

Hier gibt’s nix mehr, zum Aufteilen!

* * * * *

Der Seehofer hat doch recht.

Natürlich, Grenzen zu für die da unten, selbst nix auf der Naht, aber haben wollen. Von uns. Alles nur Verbrecher. Erst die Italienermafia, dann die Türken, dann die Albaner, jetzt die Araber.

Ja, soll denn hier alles kaputt gemacht werden?

Und was macht die Merkel?

Aber nicht mit mir, Gnädigste!

Jetzt kriegst’e deine Quittung, Madame! Aber so was von…

* * * * *

Ja, was denn? Ich mach da keinen Krieg, sind diese Terroristen da doch alle selbst in Schuld. Mit ihrem Koran, dem Mohammed. Liest man doch jeden Tag von, inne Zeitung, die Nachrichten sind voll davon.

Flüchtlinge, das ich nicht lache! Das sind alles Terroristen!

Weil wir jeden hier reinlassen, noch nicht mal ordentliche Papiere haben die, wie auch? Wer kann denn von denen schon schreiben oder lesen?

Sollen sich erst mal anständig benehmen lernen! Deutsch lernen!

Sich intrigieren. Unsere Leidkultur anerkennen! Jawollja!

Noch sind wir hier in Deutschland, bei uns! Und da wird Deutsch gesprochen, Himmelherrgottsakrament!

* * * * *

Wie gesagt, ich hab nix gegen Ausländer, ich will nur nicht zusehen, wie die mehr kriegen als ich selbst.

Und ich soll das dann auch noch bezahlen. Von meinen Steuern! Malochen, Fresse halten und bezahlen. Nee, das mach ich nicht mehr mit!

Ich will in Ruhe über die Straße gehen können, in Ruhe leben, in Ruhe meine Arbeit machen.

Ich schmeiß keine Bomben, ich bin auch immer offen für Neues, aber ich will meine Ruhe.

Ich will keine Angst haben müssen, vor Gesocks, vor Verbrechern, vor Terroristen, vor Musels, vor Negern, vor Russen, vor Polen.

Die sind nun mal anders als wir.

Und die sollen da bleiben, wo sie herkommen.

Ist doch wahr!

* * * * *

Das ist keine Satire, keine Utopie.

Nur eine traurige „Zitatensammlung“, „Meinungen besorgter Bürger“, Ausdruck des geschürten „Volksempfindens“.

Der „white trash“ lebt, frisst, säuft, grölt nicht nur in den U.S.A, in Polen, Frankreich, England, Ungarn, auch bei uns!

* * * * *

Aber, es sind DOCH NICHT ALLE so!

Du musst doch auch mal differenzieren, reflektieren, nicht immer so unpassend verallgemeinern!

Nein, nein! Es sind tatsächlich nicht alle so.

Aber sehr viele sind so!

Und es werden immer mehr!

Sie werden immer lauter und sie glauben an ihr Weltbild, sie glauben, das sie doch tatsächlich im Kern GUT sind, das sie sich nur wehren müssen.

Weil es jetzt mal nun wirklich reicht, das Fass übergelaufen ist, das Boot voll ist.

Nur, sie wehren sich gegen die Falschen, sie glauben den Falschen.

Das ist für mich das Traurige, diese weitere menschliche Tragödie, dieses weitere gesellschaftliche Generalversagen in diesem miesen Theaterstück des Lebens….

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5 Comments

  1. Gut getroffen! Und es ist wie du sagst eigentlich wirklich einfach nur traurig, wie die Menschen nicht sehen (wollen), wo der eigentliche Adressat ihrer Empörung zu finden wäre. Nein, das ist zu abstrakt, was sie auf der Straße (oder im Fernsehen) sehen, das ist der dunkle, fremde Muslim und sein Kopfttuchmädchen, dagegen muss man was tun… Und wenn Merkel erstmal „weg“ ist und Petry Kanzlerin, wird schon alles wieder gut…

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    1. Moin Anna,
      genauso traurig ist die Tatsache, das es nie viel brauchte, um die Leute da hin zu bekommen, in die rechte, nationale, völkische Ecke.
      Weil dieses „Kraldenken“, dieses „Kral verteidigen wollen“ so unendlich tief in den meisten Menschen drin ist.
      Ein Reflex, der nur ein ganz klein wenig angstachelt werden muss. Dem mit Vernunft und Argumenten fast nicht beizukommen ist.

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  2. Es gibt die Position der Leute wieder, die keinen Migrant persönlich kennen und mit ihrem richtigen Namen ansprechen können. Ich hatte als Kiezschreiber einen afghanischen und einen syrischen Kollegen, der eine Quartiersmanager, der andere Kulturarbeiter am Gymnasium. Wenn man die Leute persönlich kennt, redet man auch nicht so einen CSU/AfD-Käse wie der Stammtisch, den du sehr genau in Wortwahl und Tonfall getroffen hast. Und vor hundert Jahren redete man so über die Leute „aus der Stadt“, über Katholiken oder Protestanten, über „die Weiber“, Obdachlose usw.

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    1. Hallo Matthias.
      Genau!
      Das was und die Menschen die man nicht kennt, darüber kann man am besten schwadronieren, herziehen, be- und verurteilen.

      Du weißt, wo ich lebe.
      Was ich hier jahrelang erlebt, gehört und gesehen habe, von Weißen, von Zuwanderern, die alle nur auf Zeit hier leben dürfen, die dieses Land und seine Menschen nie verstanden haben, fällt in die gleiche Kategorie.

      Die Inspiration zu diesem Text kam von deinem Standardwerk „Die Wichtelsbacher“.Muss doch eigentlich Wittelsbacher heißen, oder? Aber ich kenn mich da nicht so aus. Jedenfalls ging ich einige Tage mit Überlegungen schwanger. Bis es heute in den Kreißsaal ging.

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