Brexit

Un watt nu?

Die Briten scheinen tatsächlich mehrheitlich entschieden zu haben, diese neoliberale Finanz- und Großkonzern-EU zu verlassen. So sieht es jedenfalls heute morgen, am 24. Juni 2016, gegen 07:00 Uhr MEZ aus. So sagen es die „Live-Ticker“ aller seriösen deutschen Zeitungen

Ein paar Stunden später: Ja, 52% der Wähler haben für den Austritt Großbritanniens aus der EU votiert.

Herzlichen Glückwunsch.

Ein Signal in die richtige Richtung, denn diese EU, so wie sie jetzt arbeitet, ist für das Wohl der Menschen kontraproduktiv. Und für den Frieden in der Welt und in Europa.

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Es ist Zeit für einen Frexit, Itexit und einen Dexit.

Am besten wird der ganze Laden sang- und klanglos aufgelöst, auf den Vertragsstand vor dem 1. November 1993 gesetzt, alle internen Verträge der EU inklusive und ab „Maastricht“ werden für null und nichtig erklärt.

Zurück auf den Stand der EG gesetzt, allerdings ohne den Europäischen Rat, der seit 1992 faktisch alle demokratischen Entscheidungsprozesse innerhalb der EG/EU per „Ordre de Mufti“ ausgehebelt hat.

Dann können sich alle interessierten Länder an einen Tisch setzen und bekaspern, wie Europa zukünftig gesellschaftlich gestaltet werden kann, im Interesse der Bürger, nie wieder im Interesse des Kapitals. Die Staaten, die erst nach 1993 der EU beigetreten sind, können entscheiden, ob sie diese Interim-EG beitreten wollen und an einem gemeinsamen Europa mitarbeiten wollen. Vielleicht sollte man Polen und Ungarn vorerst mal einen Zutritt verweigern. Bis dort so halbwegs demokratische Verhältnisse eingekehrt sind.

Das wichtigste, und deshalb wird diese Idee niemals umgesetzt werden. Nur einfache Arbeiter und Angestellte, ohne Parteienzugehörigkeit, mit niedrigem Guthaben (nicht mehr als 5.000 Euro) aus allen beteiligten Nationen werden zu 75% den Rat bilden, Politiker erhalten nur 25% der Beratungssitze.

Es dürfen weder Lobbyisten noch Juristen mit beraten, innerhalb und erst recht nicht außerhalb des Ratssaales. Juristen dürfen nur die Verträge ausformulieren. Die Verhandlungen müssen öffentlich übertragen werden.

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Zurück zum Brexit.

Noch bevor amtliche Ergebnisse vorlagen, überschlugen sich die Nachrichtenagenturen und Medien mit fast minütlichen Berichten vom eminenten Parkett, den Börsen, da wo das scheue Reh „Kapital“ zum Krokodil wird.

Vornehmlich aus Asien. Es rutscht alles, das Pfund, der Euro, der Öl-Preis. Steigen tut Gold und der Dollar, obwohl der auch gegenüber dem Yen und dem Schweizer Franken nachgab.

Es ist die Rede von Kapitalflucht aus GB, der natürlich alle Ecken dieser Welt berühren wird, die einen gewinnen, die anderen verlieren. Verlieren werden immer die normal arbeitende Menschen und alle anderen normalen Menschen, die nicht auf soviel Geld hocken, das sie finanzielle Erdbeben überall auf diesem Planeten anrichten können und wollen.

Die Presse onaniert in einem einzigen atemlosen Wichs-Wettbewerb über die Drecksäcke, die ihr beschissenes Geld „retten“ wollen, dabei fast selbst vor lauter Panik kollabieren, obwohl GB erst mal nur eine Volksabstimmung durchgeführt hat.

Bis zum tatsächlichen Austritt ist es noch was hin und wie der wirklich aussehen wird, ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Das kann Jahre dauern und wird es mit Sicherheit auch.

Denn die Regierung Cameron wird sich Zeit lassen, ebenso jede konservative oder „liberale“ Nachfolge-Regierung, wenn die „City of London“ zickt. Und die EU sowieso. Mehr hat GB nicht mehr. Großindustrie in rein britischem Besitz hat die „Globalisierung“ gefressen. Vielleicht noch ein paar Rüstungsbetriebe.

Ob Labour in absehbarer Zeit eine Regierung stellen kann/muss? Ich würde es begrüßen, wenn Mr. Corbyn, als Linker, tatsächlich einer Merkel, einem Hollande, einem Renzi, einem Gabriel, den deutschen „LINKEN“ zeigen würde, was „links“ und demokratisch bedeutet. Wenn er nicht bereits kurz nach Amtsantritt, na ja sie wissen schon….

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Mir sagt das ganze heftige Finanz- und Börsentheater rund um das Brexit-Votum nur Eines:

Genau diese irrsinnigen Handlungen von einigen wenigen Typen (gemessen an der Weltbevölkerung) zeigen doch überdeutlich, das dieser Wahnsinn beendet werden muss.

Zwingend und dauerhaft verboten gehört.

Der Handel von Firmenanteilen muss limitiert werden, der Handel von Rohstoffen an Börsen gehört verboten. Währungen dürfen nicht mehr zum Spekulationsobjekt verkommen. Genauso wenig Staatsanleihen. Dazu noch vieles mehr.

Im Besonderen muss jeglicher Spekulations-Handel mit Lebensmitteln strikt untersagt werden und mit allerhöchsten Strafen weltweit einheitlich belegt werden. Da dürfen die USA dann gerne den „Weltpolizisten“ geben. Nicht nur bei solch unerträglichen Petitessen wie FIFA, Doping.

FED, EZB gehören in die Hände von verantwortungsvollen Menschen, nicht in die Hände der Wallstreet.

Es zeigt noch etwas überdeutlich:

Die „EU“ ist ausschließlich ein Hort und sicherer Hafen für das große Geld.

Sonst nichts.

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DAS GEHT DOCH NICHT!

DAS FUNKTIONIERT NIE!

DU WELTFREMDER SPINNER!

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Doch das geht, natürlich ohne Obama, den MIC, die FED, den IWF, die Weltbank, die Wallstreet, EU, EZB, ohne die Erpressung wehrloser Staaten per „Freihandelsabkommen“, in Deutschland ohne CxU, spd, FDP, Grüne und AfD, in Europa ohne die vielen neuen und wieder erstarkten national-völkischen Rechtsparteien, ohne BDI, INSM, ohne Bertelsmann, Springerpresse, Atlantikbrücke, msc, WF Davos.

Ohne Bilderberger, wo sogar Staatschefs und Minister hin eilen, wenn der Ruf des erlauchten Geldes ertönt. Ohne Konzerne, die sich einen Dreck um nationale Gesetze scheren.

Mit starken demokratischen Gewerkschaften, wie in Frankreich.

Da müsste sich in Deutschland der DGB und seine Einzelgewerkschaften natürlich personell völlig neu aufstellen, seine derzeitigen neoliberalen Funktionäre abwählen und durch wirkliche Gewerkschafter ersetzen.

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Wenn ich mir die vergangenen Tage anschaue:

  • Brexit: das neoliberal gesteuerte mediale Theater zum Zwecke der Schürung von Ängsten in der deutschen Bevölkerung. Ich weiß, in anderen Ländern, wie Spanien, Portugal, Italien, Frankreich ist die Berichterstattung viel unaufgeregter und differenzierter.

  • Frankreich: bebt unter Dauerprotesten. Hollande und Valle verbieten Märsche, um sie Stunden später doch wieder zu erlauben. In deutschen Medien nichts zu lesen, passiert einfach nicht. EM ja, Massenproteste nein!

  • Das größte NATO-Militär-Getröte direkt vor Russlands Grenzen mit 400 BW-Pionieren.

  • Frau Merkel folgt „her masters voice“ und sagt, das Deutschland mehr Geld für „Verteidigung“ ausgeben muss und wird. Obama will das so, weil Wallstreet und MIC das so wollen.

  • Das neue Weissbuch 2016 lässt mitteilen, das Deutschland „sich künftig sicherheitspolitisch als sogenannte „aktive Gestaltungsmacht“ sieht“! Was wollen die denn, in unserem Namen, genau aktiv gestalten? Neue Kriege unter dem Patronat der USA! Dafür muss Kohle her. Der Herr Schäuble wird sich für solch hehre Ziele großzügig zeigen. Da bin ich mir sicher.

  • Der Herr Steinmeier meldete sich zu Wort und sagte tatsächlich mal etwas Konstruktives zum Friedenserhalt in Europa. Er vergaß natürlich zu sagen, das er als Außenminister der Bundesrepublik führend und maßgeblich seit Jahren an diesem Zustand der Instabilität mitgearbeitet hatte.

  • Und schon verfielen Leute wie Röttgen und Harms, zusammen mit Springer und FAZ in einen Hetzmodus. „Verrat, Verrat, Verrat“ schallte es allerorten, mal subtil angedeutet, mal mit dem Holzhammer (BILD) verabreicht, aus allen medialen Löchern. Was ich von Herrn Dr. jur. Frank-Walter Steinmeier generell zu halten habe, als Politiker, als spd-Vorstand, weiß ich schon seit 1998. Er hat aber endlich, einmal etwas RICHTIGES gesagt. Der Zustand wird nicht lange anhalten, da bin ich mir sicher.

Es gäbe noch ein paar weitere Aktivitäten in Europa aufzuzeigen um so zu belegen, das in Europa langsam „Bewegung in die Sache“ kommt. Die Gegner von Neoliberal fangen an, sich langsam aber sicher, zu erheben. Langsam, weil ein solches Vorhaben voraussetzt, das die Bevölkerung mehrheitlich eine Änderung herbeiführen will.

Das ist in Deutschland natürlich ausgeschlossen. Hier will man nur pünktlich „auffe Aabeit sein“.

Die Neoliberalen, das Kapital, Politik und die Medien erhöhen dagegen die Schlagzahl und setzen ganz unverfroren auf Eskalation. Siehe das „Weißbuch 2016“. Das liest natürlich niemand. Deshalb können die Deutschen später sagen, wenn sie dann überhaupt noch etwas sagen können: „Das konnte ja keiner ahnen.“

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Die Festlandeuropäer, allen voran die Deutschen, sollten den Briten jetzt nicht einfach ein nichtssagendes „Viel Glück“ mitgeben. Mit Glück hat das alles nichts zu tun.

Wir alle sollten jetzt einmal in Ruhe überlegen, ob wir weitermachen wie bisher, uns vom neoliberalen Wirtschafts- und Finanzfaschismus gängeln und auspressen lassen, den Regierungen weiter tatenlos dabei zuschauen, wie weitere Kriege, in unser aller Namen geplant und durchgeführt werden, ODER OB WIR, die Bürger, die Menschen in der jetzigen EU etwas Besseres für uns erreichen wollen.

Wofür die Brexit-Befürworter gestimmt haben, wofür Franzosen sich von ihren eigenen Polizisten seit Wochen zusammenprügeln lassen.

Das Momentum nutzen, die „Gelegenheit beim Schopfe packen“!

Oder doch nur wieder „pünklich auffe Aabeit sein“?

Ich glaube, Deutschland wird eines Morgens aufwachen und alleine in der EU sein.

Der Letzte macht das Licht aus.

Keine Sorge, wir sind „toitsch“, pünktlich, zuverlässig….

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4 Comments

  1. Sehr guter Kommentar! In den hiesigen Medien ging es nur um die Folgen für die Kapitalfraktion. Verluste an Aktien- und Devisenmärkten wurden bejammert, Billionen Euro, Dollar und Yen sind den Bach hinuntergegangen. Mein Geld war nicht dabei. Die Weinpreise in Schweppenhausen werden stabil bleiben und auch mein Bäcker ist nicht in Panik verfallen. In Großbritannien haben nicht nur die Jungen anders gewählt als die Alten, die Schotten und Nordiren anders als die Engländer, sondern auch die Armen anders als die Reichen. Nur in der oberen Mittelschicht hatten die EU-Befürworter eine Mehrheit, in der Mittelschicht gab es eine knappe Mehrheit für den Brexit, die Unterschicht war klar gegen die EU. Das Image als Projekt der Konzerne und Funktionseliten, der Lobbyisten und der Reichen („Investoren“) hat sich die EU in Jahrzehnten mühsam erarbeitet. Sprudelnde Unternehmensgewinne bei gleichzeitiger Jugendarbeitslosigkeit, wachsende soziale Ungleichheit, die Spalter-Währung Euro – dafür gab es am 23.6.16 die Quittung. Fortsetzung folgt.

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      1. Der Guldenbach ist zweieinhalb Meter über normal, zum Glück ist das Bachbett tief und nirgendwo betoniert. Aber beim Nachbarn des gestrigen Grillgastgebers ist der Keller schon vollgelaufen. Hatten wir vor drei Jahren auch mal. Sehr unangenehm, den man braucht viele Wochen, bis die Feuchtigkeit aus den Wänden ist. Du kennst vielleicht den Monsun – so muss man sich den Regen hier vorstellen, gestern wieder …

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  2. Das tut mir für all die Betroffenen sehr leid. Vor allem der Ärger mit Versicherungen.

    Monsun, ja wir haben seit Juni bis November jetzt wieder Regenzeit. Das ist hier halt die Klimazone, normal. Thais bauen sowieso keine Keller. Deshalb schwimmen die Hütten direkt weg, oder sind bis unters Dach ruckzuck gefüllt. Genausi gefährlich die reihenweise umfallenden Bäume.

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